Let’s get ready to Pokkén!!

Es scheint der Traum eines jeden Pokémon Trainers gewesen zu sein, nun wird dieser doch noch wahr: Pokémon Tekken lässt euch endlich eurem Gegenüber so richtig eins auf die Zwölf geben. Also auf in den Ring! Let’s get ready to rumble!

Wo Pokémon Stadium und Super Smash Bros. am Nintendo 64 den Anfang machten, setzt Pokémon Tekken für Wii U jetzt einen drauf. Das Anfassen mit Samthandschuhen war gestern, ab sofort gibt es knallharte Action! Wer sich aber ein traditionelles Pokémon Abenteuer, wie von Nintendos Handhelds gewohnt, erwartet oder auf einen neuen Stadium-Ableger hofft, wird enttäuscht werden. Pokémon Tekken ist nämlich ein klassisches Beat ‚em up! Hier heißt es eins gegen eins in der Arena, auf zwei gewonnene Runden gespielt und der Schwächste fliegt. Dabei hat sich das Spiel gleich von mehreren Quellen, wie Street Fighter, Marvel vs. Capcom oder auch Naruto inspirieren lassen, um nur einige zu nennen. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Spielerlebnis, welches Pokémon Fans gefallen dürfte.

Shadow Mewtu ist bereit für den Kampf. Mit der beigelegten amiibo Karte sogar von Anfang an.

Shadow Mewtu ist bereit für den Kampf. Mit der beigelegten amiibo Karte sogar von Anfang an.

Das Spiel konzentriert sich hauptsächlich auf das Kämpfen. Eine großartige Story dürft ihr nicht erwarten, auch wenn ihr diese in der Ferrum-Liga durchlebt. Ihr kämpft euch vom absoluten Grünschnabel hinauf bis zur Nummer eins. Damit ihr das jedoch hinbekommt, solltet ihr einige Zeit im Trainingszentrum verbringen. Dort werden euch in Tutorials für Anfänger-, Fortgeschrittenen- sowie Profi-Techniken alles Wissenswerte zur Kampfkunst beigebracht. Leider sind diese wenig intuitiv gehalten und so müsst ihr minutenlangen Beiträgen horchen und manchmal auch ein paar Knöpfchen drücken. Für Anfänger, als auch für Kenner des Genres ist das auf die Schnelle ziemlich erdrückend. Hier wäre man besser beraten gewesen, hätte man die einzelnen Lektionen in kleinere Häppchen aufgeteilt und so werdet ihr euch die Videos bestimmt mehrmals ansehen müssen, um die Praktiken meistern zu können.

Vom HUB aus könnt ihr alle Bereiche schnell ansteuern.

Vom HUB aus könnt ihr alle Bereiche schnell ansteuern.

Habt ihr diese dann aber erfolgreich verinnerlicht, geht es ab in die Arena! Euer Kampf besteht prinzipiell aus zwei Phasen, welche Pokémon Tekken hier forciert. Der Kampf beginnt grundsätzlich in der Feldphase, in der ihr euch frei in der Arena bewegen könnt und an die Gegner heranpirscht. Mit gewissen Attacken oder Combos könnt ihr dann eine Duellphase erzwingen, die dann an die klassischen Prügler der alten (und auch immer noch neuen) Tage erinnert, denn die Bewegungen beschränken sich hier auf die 2D-Ebene. Seid ihr dann im Duellmodus gelandet, werden die Attacken um einiges stärker und ihr solltet ein Auge auf eure Energieleiste haben. Damit ihr eurem Kontrahenten jedoch nicht gnadenlos ausgeliefert seid, sollte eine Angriffswelle auf euch zukommen, könnt ihr natürlich auch versuchen, die Attacken zu blocken oder zu kontern und zum Gegenschlag ausholen. Es wird jedoch nicht, wie üblich, zwischen niedriger, mittlerer und hoher Attacke unterschieden, sondern belässt es auf einer Ebene. Durch diese gravierende Änderung zu klassischen Prüglern, ist das Spiel zwar einerseits einsteigerfreundlich für alle Hobby-Veteranen, jedoch gleichzeitig uninteressant für Beat ‚em up Fanatiker. Wohl mitunter auch ein Grund, warum die Arcade-Version in Japans Spielhallen nach zwei Wochen bereits wieder in den Keller gewandert ist.

Die Kämpfe sehen fantastisch aus und beeindrucken mit farbenfrohen Effekten.

Die Kämpfe sehen fantastisch aus und beeindrucken mit farbenfrohen Effekten.

Die Auswahl der Kämpfer beschränkt sich auf lediglich 16 verschiedene Pokémon, wovon je zwei Mal Pikachu und Mewtu im Aufgebot stehen. Etwas dürftig möchte man meinen, selbst wenn es natürlich schwer werden würde, die mehr als 700 Pokémon ins Spiel zu packen. So hat aber jeder der 16 Kämpfer ein einzigartiges Merkmal und Attacken-Aufgebot, womit die Anzahl der Kämpfer definitiv ausreicht. Es gesellen sich ohnehin noch Unterstützer zu euch, die ihr im Spiel rufen könnt, solltet ihr in Bedrängnis kommen. Diese könnt ihr paarweise aus einer überschaubaren Auswahl herauspicken und sobald aufgeladen, auch im Kampf einsetzen. Sollten alle Stricke reißen, wartet noch euer Ultimate-Angriff auf den Gegner. Nicht nur dieser, kann man Ende über den Ausgang eines Kampfes entscheiden, sondern auch, wie gut ihr euer Pokémon trainiert habt. Denn nach errungener Erfahrung aus Kämpfen, könnt ihr jedes eurer Schützlinge hochleveln und eines von vier Attributen aufwerten, u.a. auch Angriff und Defensive. Zahlreiches Kämpfen lohnt sich also, wollt ihr auch Online gegen Freunde oder den Rest der Welt bestehen und am Ende der Allerbeste sein!

Fazit

Prinzipiell ist die Idee von Pokémon Tekken nicht uninteressant, Pokémon gegeneinander in einer so nah wie möglich an die originalen Spielen angelehnte Kampfsituation antreten zu lassen. Leider fand ich mich auch nach einiger Zeit nicht wirklich gut zurecht, da einerseits die Feldphase verwirrend auf mich wirkt und die Steuerung im 3D Raum in einem Prügler nicht wirklich gut funktioniert und andererseits ist die degradierte Komplexität der Angriffe für mich als kompetitiven Spieler wenig interessant. Aber das soll kein Kritikpunkt im Generellen sein, denn Spieler, denen klassische Beat ‚em ups zu schwierig erscheinen, werden hier unglaublich glücklich werden, da es kaum einsteigerfreundlicher geht.

Ein großes Problem stellt jedoch das Balancing des Spiels dar, welches quasi nicht existent ist. So können manche Pokémon mit einer gewissen Attacken-Abfolge einen Kampf für sich entscheiden, ohne dass man wirklich in die Nähe des Gegners kommt und auch die Ultimate-Attacken sind in meinen Augen viel zu stark. Wenn man bei gut trainierten Stärke-Pokémon, wie beispielsweise Glurak, rund 75% der Energieleiste verliert, sollte man davon getroffen werden, hat das wenig mit Können zu tun. Auch das Matchmaking in Online-Spiele beschert Kopfweh. So passiert es oft, dass man als absoluter Neuling mit Spielern in den Ring geworfen wird, die mehr als 1.700 Spiele am Konto haben und deren Pokémon Attribute auch dementsprechend hochgelevelt sind. Hier ist das Konzept für mich broken. Klar macht es Sinn, dass man seine trainierten Pokémon auch so in den Kampf schicken will, aber wenn man nicht mit einem Gegner gematched wird, welcher das exakt gleiche Level hat, entsteht immer ein Ungleichgewicht im Kampf.

Schlussendlich muss man aber sagen, dass das Spiel eine absolute Kaufempfehlung mit kleinen Schwächen für Pokémon-Fans ist, wenn man sich nicht dem Kompetitiven widmet. Alle Virtual-Dojo-Jünger hingegen werden wohl weniger erfreut sein.

WERTUNG: 7/10

Wir bedanken uns bei Nintendo Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at