Knights of Cydonia – Eine Hommage an die Filmklassiker unserer Zeit

Was haben die britische Rockband Muse und das Continue-Magazin gemeinsam? Auf den ersten Blick wohl weniger, als man vermuten mag. Zum 10-jährigen Jubiläum ihres Albums Black Holes and Revelations möchte ich jedoch ein ganz spezielles Stück Musikgeschichte näher beleuchten und dabei den Zusammenhang mit Klassikern der Filmgeschichte aufzeigen. Und wir covern ja schließlich nicht nur Games, sondern auch Movies and more. Riddle solved.

Dass Muse eine der besten Bands der Neuzeit ist, steht für mich außer Frage. Die Vielseitigkeit der Band konnte man die letzten 20 Jahren ihres Bestehens eindrucksvoll verfolgen. Kein Album glich dem anderen. Startete man noch mit melancholischen Rock-Balladen à la Sunburn, ging es im Laufe ihrer Karriere über Klavier-Rock wie New Born oder Butterflies & Hurricanes hin zu elektronischen Knallern wie Follow Me oder Unsustainable, die mit einem Hauch von Dubstep geschnürt waren, bis man schließlich wieder die guten alten Zeiten mit ihrem neuesten Album Drones aufleben ließ.

Viele Kritiker, mich eingeschlossen, sehen Muse als das Queen der heutigen Zeit. Nimmt man Songs wie beispielsweise United States of Eurasia oder Defector, benötigt man wohl keine weiteren Worte der Erklärung. Es ist faszinierend, wie sich eine Band immer wieder neu erfinden kann und dennoch einen durchgängigen Stil beibehält, der unverwechselbar bleibt. Viel geschuldet ist dem natürlich das schier endlose Talent des Frontsängers Matthew Bellamy, welcher nicht nur über unmenschlich wirkende Gitarrenskills verfügt, sondern auch einen großen gesanglichen Stimmbereich von 3,7 Oktaven hat.

Muse in Melbourne; v.l.n.r.: Dominic Howard, Matthew Bellamy, Morgan Nicholls, Christopher Wolstenholme – Bildrechte bei Steve Collis

Muse in Melbourne; v.l.n.r.: Dominic Howard, Matthew Bellamy, Morgan Nicholls, Christopher Wolstenholme – Bildrechte bei Steve Collis

Im Jahre 2006 erschien das vierte Studioalbum des Rocktrios (eigentlich sind es ja vier Mitglieder, aber Morgan unterstützt die Band nur bei Live-Auftritten). Black Holes and Revelations war das erste Album, welches sich merklich von den davor eher klassisch geprägten Werken abgehoben hat. Mit neuen Einflüssen aus Jazz, Soul und R&B, sowie den markanten Effektsounds, schuf man u.a. auch ein Stück, welches sich selbst ganze zehn Jahre danach mit bis dato exakt 800 Wiedergaben (in Summe rund 80h) noch immer die Nummer 1 in meiner iTunes-Playlist sichern sollte. Die Rede ist von Knights of Cydonia.

Der abschließende Song des Albums ist ein futuristisch angehauchtes Stück mit jeder Menge versteckter Botschaften und Referenzen. Aber nicht nur in der auditiven Wahrnehmung sind „Easter Eggs“ versteckt, sondern auch im dazugehörigen Musikvideo. Hier wird sämtlichen Kultfilmen der letzten Jahrzehnte Tribut gezollt. Passend zur Veröffentlichung des Musikvideos gab es auch eine Website mit einem Filmquiz dazu. Wer 15 Referenzen aus dem Film nennen konnte, hatte die Chance, eines von 1.000 Film-Postern zu gewinnen. Das Gewinnspiel wurde jedoch nie aufgelöst. Vermutlich waren Aliens dran schuld.

Auf der Knights of Cydonia Website konnte man sich das Musikvideo ansehen und gleichzeitig am Quiz teilnehmen.

Auf der Knights of Cydonia Website konnte man sich das Musikvideo ansehen und gleichzeitig am Quiz teilnehmen. Hier könnt ihr das Quiz in der Wayback Machine selbst testen.

Ich möchte euch nun gerne auf die Reise durch die Filmgeschichte mitnehmen. Aber zuerst: Musikvideo ansehen, Song genießen, Tränen wegwischen und mitraten. Na, ist euch etwas bekannt vorgekommen?


Unheimliche Begegnung der dritten Art

Fangen wir mit den auditiven Referenzen an. Wenn man sich das Intro des Songs anhört, wird man schnell bemerken, dass sich dieses an die fünftönige musikalische Passage aus Steven Spielbergs Machwerk anlehnt. Aber keine Panik, auch nach 800 Wiedergaben habe ich noch keine Außerirdischen angelockt.

Den Gitarrensound kennt man übrigens aus Telstar, einem Song von The Tornados. Telstar war ein Satellit, den man 1962 in den Orbit geschossen hat. Knights of Cydonia kann im gesamten eigentlich mit Ridin‘ in the Wind verglichen werden, ebenfalls ein Song der gleichen Band. Kennt man die Hintergründe, ist es wohl wenig verwunderlich: Matthew’s Vater George spielte dort nämlich den Bass.


Star Wars

Knights of Cydonia: Star Wars

An keiner Ecke des Videos zu übersehen ist natürlich Star Wars. Hologramme, Laserwaffen, spektakuläre Schusswechsel. George Lucas‘ Lebenswerk ist allgegenwärtig. Auch die Bar mit Muse als Kantinenmusiker durfte natürlich nicht fehlen.


Battlestar Galactica

Knights of Cydonia: Battlestar Galactica

Einsam durch die Wüste wandernd; am Anfang noch im Traum; am Ende dann wirklich: Der Cylon aus Battlestar Galactica ist wohl jeder älteren Generation ein Begriff und Ehrengast im Video.


The Lone Ranger

Knights of Cydonia: The Lone Ranger

Ursprünglich als Radiosendung entstanden gab es 1981 mit The Legend of the Lone Ranger die erste Verfilmung, u.a. mit Christopher Lloyd als Schauspieler, ehe Disney dem Film 2013 ein neues Gesicht verpasst hat. Die Maske und der Hut blieben jedoch immer das Markenzeichen des Lone Rangers. So auch im Video zu sehen.


Blade Runner

Knights of Cydonia: Blade Runner

„All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, wie Tränen im Regen.“
Eines der berühmtesten Zitate der Filmgeschichte und wohl auch eines der berührendsten. Wer Blade Runner gesehen hat, wird sich sicherlich auch noch an ein Einhorn erinnern können. Wir wissen, wo es hin verschwunden ist.


Kung Fu

Knights of Cydonia: Kung Fu

Martial Arts in einem Standard-Western-Setting? Zwei Wörter: Kung Fu!


Mad Max

Knights of Cydonia: Mad Max

Mit ’nem protzigen Schlitten in der Wüste und knalligen Lichtern am Dach; das kann nur eines bedeuten: Mad Max is back!


Matrix

Knights of Cydonia: The Matrix

Einer meiner absoluten Lieblingsfilme und mit zwei genialen Szenen auch im Musikvideo vertreten: The Matrix. Einerseits mit der berühmten „Come here“ Handgeste, am Ende auch noch mit dem Bullettime-Ausweichsprung gegen den Laserpistolen-Schuss. Neo wäre stolz gewesen.


Once Upon a Time in China

Knights of Cydonia: Once Upon a Time in China

Die Trainingsszene am Anfang des Videos, wo „The man with no name“ am Holzkonstrukt seine Kampftechnik trainiert und sich die Knochen hart schlägt ist eine Anspielung auf Once Upon a Time in China.


Planet der Affen

Knights of Cydonia: Planet of the Apes

Die Freiheitsstatue mitten in der Wüste vergraben? Dazu muss ich wohl nicht mehr sagen, offensichtlicher geht’s nicht.


Zwei glorreiche Halunken

Knights of Cydonia: The Good, The Bad and The Ugly

Im Video nicht nur für einen Augenblick, sondern für mehrere Momente als eingefrorenes Bild zu sehen, ist die berühmte Einstellung, seinen Kontrahenten zu „markieren“, ehe man ihm die Lichter ausknipst. Clint Eastwood hätte es in The Good, The Bad and The Ugly nicht besser machen können.


Batman

Knights of Cydonia: Batman

Der Schauspieler am Bild ist Richard Brake. Mit seinem schwarzen Mantel inklusive Gangster-Hut erinnert er nicht nur an Joe Chill aus Batman, sondern hat diesen auch in Batman Begins verkörpert. Wer’s nicht weiß: Joe Chill ist der Mörder von Bruce Wayne’s Eltern, welcher wiederum Batman ist. Aber das wusste hoffentlich jeder 😉


Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel

Knights of Cydonia: Maverick

Im Film Maverick – Den Colt am Gürtel, ein As im Ärmel sitzt Mel Gibson am grünen Tisch und spielt mit Jodie Foster Poker. Zugegeben, diese Referenz war schwer, da es unzählige Western gibt, wo Karten gespielt wird. Aber vielleicht ist es auch die lustigste oder prägendste Szene gewesen. „The man with no name“ stellt sich im Video jedenfalls nicht ganz so tollpatschig an, wie Mel Gibson.


Five Deadly Venoms

Knights of Cydonia: Five Deadly Venoms

Die Anfangsszene des Musikvideos, in der unser Held verschiedene Kampftechniken trainiert, die teils auf Tieren basieren, lehnt sich an den chinesischen Film Five Deadly Venoms an, indem es fünf Kung-Fu Kämpfer gibt, die ebenfalls solche Kampf-Stile beherrschen. „The man with no name“ ist denen jedoch um Einiges voraus und beherrscht sogar Snake Style, Tiger Style, Flying Eagle Style, Flaming Energy Ball, Two Headed Snake, Circle of Death und Shaolin Bear Strike ohne weitere Hilfe.


Der Schwarze Falke

Knights of Cydonia: The Searchers

Leicht zu übersehen und vermutlich heutzutage nicht mehr so prägend, wie 1956 im Film The Searchers, oder auch zu Deutsch: Der schwarze Falke mit John Ford. Den markante Blick vom Inneren des Hauses hinaus auf den Canyon und die Prärie haben wohl nur die Wenigsten unter euch erkannt.


Westworld

Knights of Cydonia: Westworld

Eine futuristisch angehauchte Westernstadt mit Revolverhelden und Gynoiden: Das gesamte Setting des Musikvideos erinnert stark an den Kultfilm der 1970er.
Übrigens: die 143 am Ortsschild ist ein weiteres Easter-Egg. Zwar nicht Film-relevant, könnte es jedoch im Zusammenhang mit der Handlung im Video stehen. Die Zahl 143 wird üblicherweise auch als „Ich liebe dich“ gebraucht und um das geht’s ja quasi auch in den sechs Minuten voller Ekstase.


Heavy Metal

Knights of Cydonia: Heavy Metal

Heavy Metal ist einer der Filme, von dem wohl die Wenigsten jemals etwas gehört haben. Kurzum: es ist ein Zeichentrickfilm und es wird ziemlich viel nackte Haut gezeigt. Die Handlung lassen wir mal aus. Jedenfalls trägt eine der leicht bekleideten Damen im Film einen ganz ähnlichen „Bikini“, wie die gute Princess Shane Kuriyami im Musikvideo.


Legende

Knights of Cydonia: Legend

Einhorn, die zweite! Und nach Blade Runner wiederum ein Film von Ridley Scott. Legende ist ein Fantasy-Adventure-Film mit Tom Cruise in der Hauptrolle. Die Szene aus dem Musikvideo zeigt ein Einhorn mit einer weiblichen Darstellerin in einer ähnlichen Verbundenheit, wie die im Film.


Buck Rogers

Knights of Cydonia: Buck Rogers

Die Science-Fiction Serie Buck Rogers dürfte wohl auch nur den Wenigsten bekannt sein. Am Ende des Musikvideos schießt die Protagonistin in einem sexy Latexanzug in weiß in der Westernstadt rum. Das ist eine direkte Anspielung auf Col. Wilma Deering aus der genannten Serie.


Ein Fremder ohne Namen

Knights of Cydonia: Ein Fremder ohne Namen

Im englischen Original auch High Plains Drifter betitelt geht es um einen namenlosen Fremden (im Video heißt unser Protagonist „The man with no name“), der anfangs von einer Frau beschimpft und geschlagen wird und sie anschließend vergewaltigt. Genau in dieser Abfolge ist dies auch im Video zu sehen.


 

Und wie viele Referenzen habt ihr erkannt? Teilt es uns in den Kommentaren mit!

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

  • Bernhard R.

    Mit Muse kann ich ja überhaupt nix anfangen, aber das Video ist defnitiv sehenswert. Es gibt ja viel zu wenige, wirklich gute und interessante Musikvideos.
    (Btw, 3,7 Oktaven Stimmunfang ist nett, Rob Halford hat 4,5 ^^)

    • Ja das stimmt, OK Go hat auch immer wieder sehr interessante Videos auf Lager.
      Und Kudos an Rob Halford, nicht schlecht 😉 //mp