King’s Quest ist die Kirsche am Adventure-Revival-Kuchen

Findet ihr das auch so super, dass es in den letzten Jahren wieder massig Adventure-Games gibt? Ich nämlich schon. Broken Age, Grim Fandango, das großartige Life is Strange und wie sie alle heißen. Und nachdem ich mich in den letzten Wochen vor allem mit der düsteren Zeitreise-Story von Letzterem übermäßig beschäftigt habe, liefert King’s Quest die gehörige Portion Humor, die ich jetzt mal brauchte.

Es gibt da ja irgendwie mehrere Strömungen in der derzeitigen Adventurespielewelt: Die Klassiker, mit Faux-Retro-Optik, die uns komplex pointen und klicken lassen, die Imposanten, die Heavy Rain-mäßig simplere Puzzles in große Inszenierungen verpacken und die episodischen Häppchen à la Telltale Games, die Entscheidungen priorisieren und wie TV-Serien zu unterhalten wissen. Das Reboot der King’s Quest-Serie gehört sicher in die letzte Kategorie, distanziert sich aber gekonnt auf seine ganz eigene Art von Telltales Spielen und brilliert mit Anleihen aus Sierras klassischer Reihe, aber auch Kult-Titeln wie The Secret of Monkey Island oder Simon the Sorcerer.

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FABELHAFTE MÄRCHENGESCHICHTEN

In King’s Quest übernehmt ihr die Rolle von König Graham, der als alter Mann (übrigens perfekt gesprochen von Christopher “Doc Brown” Lloyd, nach Back to the Future: The Game und Toonstruck bereits in seiner dritten Adventurespielrolle) seiner Enkeltochter Gwendolyn die Geschichte seines ereignisreichen Lebens erzählt. Beginnen tut das alles mit einem Prolog und der ersten Folge A Knight to Remember, denn ja, King’s Quest ist auch wieder ein episodisches Adventurespiel, das erstmal häppchenweise veröffentlicht wird. Im Falle dieser herausragenden ersten Episode ist das auch ein ziemlich großer Happen, der inhaltlich schon ordentlich was bietet und mit so manchem Komplettrelease locker mithalten kann. In einer relativ weitläufigen Welt geht es dabei darum sich als königlicher Ritter zu beweisen und sich erstmal mit der Spielwelt und ihren illustren Charakteren vertraut zu machen. Gameplaytechnisch bewegt man sich relativ frei durch schön gezeichnete Wälder und Dörfer, wird per simplen Notifications drauf hingewiesen, dass man sich in der Nähe eines interaktiven Objekts befindet und kommuniziert mit verschiedensten Charakteren um in gewohnter Adventuremanier Gegenstände einzusammeln mit denen man dann in weiterer Folge Rätsel lösen kann. Das ist auch alles sehr Old-School, ein bodenloses Inventar darf dabei natürlich auch nicht fehlen. Wie in den superschweren ursprünglichen Teilen der King’s Quest-Reihe gibt es auch die Möglichkeit richtig falsche Entscheidungen zu treffen und sich frühzeitig vor dem “Game Over”-Schirm zu finden, glücklicherweise wird man nach einem kurzen Ladescreen aber gleich wieder ins Spiel zurückgeschickt. Also eher als Gag für Nostalgiker eingebaut das Ganze. Voll mit Humor ist King’s Quest natürlich auch, angefangen bei König Grahams Wortspielen als Kommentar aus dem Off oder den oft surrealen Lösungswegen für Rätsel, die zum vereinzelten Grübeln einladen, aber dennoch nie zu schwierig werden. Dazu gibt es für den modernen Spieler von heute auch eine Reihe von Action-Sequenzen, die per Quicktime-Event bewältigt werden können, was sich hier jetzt viel schlimmer liest, als es tatsächlich ist.

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FAST ALLES SUPER

So weit, so königlich! Ganz perfekt ist das Mittelalterabenteuer aber leider nicht. Während vor allem das letzte Drittel des Spiels wirklich zu überzeugen weiß, braucht King’s Quest eine Weile um so richtig in die Gänge zu kommen. Verschlimmert wird das durch die teilweise viel zu langen Laufpassagen von Location zu Location, die zwar schön anzuschauen sind, aber leider gameplaytechnisch viel zu wenig liefern und nur als Schlauch zwischen A und B dienen. Etwas Streamlining hätte dem Leveldesign da auf jeden Fall gut getan. Auch technisch ist nicht alles immer ganz ideal (wir spielten die PS3-Version von King’s Quest): Grahams Cape fliegt oft seltsam irritierend durch die Gegend und einige Male stürzte das Spiel einfach komplett ab. Ärgerliche Mankos in einem sonst extrem überzeugenden Gesamtpaket, die hoffentlich zum Release von Episode 2 bewältigt sein sollten.

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FAZIT

King’s Quest ist die logische Steigerung des Adventure-Revivals: Ein modernes, zugängliches Abenteuer, das jeder spielen kann, mit dem Humor vergangener LucasArts-Zeiten und spaßigen Rätseln, die nicht zu herausfordernd, zu frustrierend, aber trotzdem auch nicht so einfach sind, dass das Ganze zu einer Visual Novel verkommt. Eine triumphale Rückkehr des Kultklassikers in neuem Gewand und ein Must-Play für den coolen Adventure-Fan von heute.

Quelle der Screenshots: http://www.sierra.com/kingsquest

Written by: Christoph Sepin

Space Cowboy Bei consol.AT habe ich früher immer versteckte Botschaften in meine Artikel eingebaut, aber das weiß außer mir niemand. Und seit es das nicht mehr gibt, braucht man ja irgendwas anderes zu tun. Für CONTINUE möchte ich mir die kleinen Dinge der Spielewelt ansehen, die manch einer vielleicht übersieht. Die Indies und Kickstarter-Kampagnen. Und ab und zu vielleicht eine positive Geschichte aus der Gamingumgebung. Weil geraunzt wird sowieso schon genug.