Kinder das kennt ihr nimmer – Postkarten

Letztens bin ich in einer befreundeten Wohnung, die sind weniger anspruchsvoll als Menschen, an einer Postkartenwand vorbeigegangen. Früher hatte man das. Postkarten. Familie und Freunde schrieben aus dem Urlaub ein paar nette Worte. Eine Tradition, die nicht mehr existiert. Zumindest nicht in meiner digitalen Welt. Schade.

„Herzliche Urlaubsgrüße,“ oder „Hier ist es warm, wie ist es bei euch?“ Was heute dank Instagram, Twitter und FB täglich auf uns einprasselt, gab es damals in kleinen Dosen (nicht RedBull!). Handgeschrieben, vielleicht sogar ein bisserl lustig – und vor allem an EINE Person adressiert. Kein Massenverteiler, kein „ich stell’s mal ins Internet“ – nein, man musste die Adresse und den Namen der Person kennen, an die man abschickte. Ehrlich, heute wär ich damit auch überfordert, speziell nachdem auch auf FB die ganz lustigen Leut ihre Nachnamen verdrehen und damit glauben, für die Nachwelt ihre Spuren zu verwischen. Egal, ich schreib eh keine Karten mehr.

Das Wichtigste aber glaub ich war die Zeit, die man damit verbrachte. Lustige Motive suchen, ein paar Zeilen überlegen und versuchen, mit dem geringen Platz auszukommen. Lesen konnte man es meist selbst nicht mehr, weil der Kopf vom Sangria schwer war oder auch die Hand, weil sie bereits für das Schreiben der 10. Karte herhalten musste. Mit all diesem Einsatz schenkte man der Person wichtige Urlaubszeit ohne dass Gott und die Welt davon erfuhren. Ok, der Oma schrieb man immer ähnliche Dinge. „Uns geht es gut“, „Das Essen ist toll“ usw. aber für Freunde oder Klassenkollegen griff man schonmal in die Kreativkiste. Ein paar von diesen Karten hab ich selbstverständlich aufgehoben – viele davon sind aber nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Aus Gründen.

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Ich habe seit Jahren keine Postkarten bekommen oder geschrieben. Wozu auch? Die Suche nach Briefmarken wurde immer schwieriger und kostete auch was. Das Internet ist dank WLAN mittlerweile von Sri Lanka bis Grönland gratis. Ich will gar nicht sagen, dass ich etwas vermisse, aber das Internet kann man sich leider nicht so schön an die Wand hängen wie witzige Postkarten aus Rhodos oder Bibione. Aber das kennen wir ja von unseren leeren DVD- und Bücherregalen schon länger. Die Wohnung der Zukunft kann definitiv kleiner werden.

Back to topic. Nur ganz selten wird diese moderne und emotionslose Welt durchbrochen und hier kommt das Learning dieses Beitrags. Stellt Leuten doch auch mal ein Foto auf die Chronik (FB) oder twittert sie direkt aus dem Urlaub an. Das hebt die Stimmung, ehrlich. Ich hab zB vom lieben Kollegen Hanns Peter und ein paar anderen mir bekannten Branchenvertretern einen solchen Gruß von der E3 auf die Pinnwand geschickt bekommen. Einen halblustigen Satz dazu und schon freut sich der kleine consalex, dass man an ihn denkt. Bitte, das soll jetzt kein Aufruf sein mir Karten wohin auch immer zu schicken. Denkt an EURE Freunde, Bekannte usw. Mich lasst in Ruhe. Mir geht es gerade nicht so gut. Die Hitze bringt mich aktuell um und zu Essen hab ich auch nix greifbar. Es soll bald regnen. Freue mich auf den nächsten Urlaub.

Schöne Grüße,

Alex

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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.