Jammern auf hohem Niveau – das war 2014!

Als Anfang Dezember die „Game Awards“ verliehen wurden und Dragon Age: Inquisition zum Spiel des Jahres 2014 gekürt wurde, war ich mir sicher: das war kein überdurchschnittliches Gaming-Jahr. Bei genauerer Betrachtung war es doch geprägt von HD-Remakes (GTA V, The Last of Us), Spielen mit technischen Hick-ups (Assassin’s Creed: Unity, DriveClub) und Patch-intensiven Neuankömmlingen (Titanfall, Watch Dogs).

Doch wenn ich einen Schritt zurück gehe und die erneut hohe Dichte an großartigen Spielen wahrnehme, dann war es zumindest für Multiplattformbesitzer kein schlechtes Jahr. Witzigerweise hat sich speziell die Wii U, mittlerweile auf Platz 3 der „Next-Gen“-Verkaufszahlen, mit vielen Titeln in mein Herz gespielt. Mario Kart 8, Bayonetta 2 und Super Smash Bros. Wii U haben mich als Paket dieses Jahr sogar am meisten begeistert. Ja, ich spiele immer wieder FarCry 4 und Dragon Age: Inquisition weiter, aber so richtig haben mich die zwei optisch sehr hübschen Games nicht abgeholt.

Mutliplayer-technisch hat mich Destiny lange begeistert, leider bin ich für’s Grinden mittlerweile zu alt, FIFA 15 und auch NBA 2K15 waren gewohnt stark. Die üblichen Verdächtigen also, wenn man Destiny auch noch als konsequente Fortführung der Halo-Reihe sieht. Child of Light habe ich mit meiner Freundin gemeinsam durchgespielt, Kudos an Ubisoft für diesen Titel, Civilization: Beyond Earth liegt sicherheitshalber noch originalverpackt in der Ecke und Hearthstone ist noch immer mein fast täglicher Begleiter – wenn auch in sehr kurzen Dosen.

Abgerundet wurde dieses für mich zwar unspektakuläre aber trotzdem unterhaltsame Spielejahr von Kingdom Rush: Origins (iOS), Threes! (iOS) und Geometry Wars 3. Topgames zum kleinen Preis. Müsste ich deshalb eine Top 3 für 2014 abgeben, ich würde mir schwertun. Es waren wirklich viele gute Games, aber bei keinem musste ich heim eilen, um endlich weiterspielen zu können. Das erwarte ich mir von 2015 – Highlights, die man so noch nicht gesehen hat. Wünschen darf man sich doch etwas. Es ist doch Weihnachten.

– Alex Amon

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Ach, der Amon. Immer nur am Raunzen (oder Meckern). Dabei war doch 2014 zwar (zugegeben) kein Jahr, an das sich Games-Connaisseure noch in kommenden Jahrzehnten ergötzen wie an einem gut gereiften Rotwein aus dem Bordeux, aber schlecht reden braucht man es ebenso nicht.

Gerade Titanfall hat eigentlich viel mehr Lob verdient. Klar, die Community hat sich relativ schnell wieder von dem Game abgewandt (warum eigentlich?), aber an sich wurde hier der logische Weg des Shooters auf die nächste Generation weitergedacht: Noch schneller, neue Fortbewegungsmöglichkeiten, Mechs. Außerdem sollte an dieser Stelle auch die coolste Neuerung im Waffenbereich des Jahres gelobt werden: Die Smart Pistol MK5. Gleichermaßen geliebt und verhasst, verfolgen die Kugeln dieser Waffe ihr Ziel erbarmungslos, sobald es mal nach ein paar Sekunden erfasst wurde. Furchtbar nervig und gut.

Ende April wurde auch den Masochisten unter uns wieder ein schönes Geschenk zuteil: Dark Souls 2 landete auf Konsolen und PCs und wurde zu Beginn gar nicht mal so gut aufgenommen. Auch für mich selbst waren da einige Änderungen drinnen, mit denen ich nicht wirklich viel anfangen konnte. Fast Travel schon zu Beginn, nicht mehr ganz so perfektes Leveldesign, stellenweise recyclete Gegner – irgendwie hatte man das Gefühl, alles schon mal besser in Dark Souls gesehen zu haben; sollte die Abwesenheit von Mastermind Hidetaka Miyazaki im Produktionsteam (der Herr ist im Moment mit der Entwicklung vom Quasi-Nachfolger Bloodborne beschäftigt, der im März erscheint) so eine dicke Delle in die Rüstung geschlagen haben? Mit ein wenig zeitlichem Abstand kann ich entwarnen: Dark Souls 2 ist zwar nicht die spielerische Perfektion, die der erste Teil dargestellt hat, muss es aber auch nicht sein. Es ist eine wunderbare Fortsetzung, die in Sachen Design einige andere Wege einschlägt und sonst gewohnt gut-harte Kost für Action-Rollenspieler bietet. Außerdem sind die DLCs wunderschön und auch noch mal einen Tacken schwerer als das Hauptspiel. Dafür erwarten wir uns aber mit Bloodborne wieder ein absolutes Spiel des Jahres, okay, Hidetaka-san?

Eine der positiven Entwicklungen des Jahres ist für mich auch, dass der lokale Versus- und Koop-Modus wieder ein wenig stärker vertreten ist. Vergessen wir mal eben AAA-Dinger wie GTA V, das zwar großartig unterhält, aber meist nur eine Person vor die Konsole fesselt, und erfreuen wir uns wieder an reiner freundschaftlicher Watschen-Austeilerei! Beispiele gefällig? Am PC wäre da das herrlich reduzierte Nidhogg, benannt nach der weltenverschlingenden Schlange aus der nordischen Mythologie. In minimaler Pixel-Optik geht es im sidescrollenden Schwertkampf-Simulator mano á mano; Ziel ist es, das gegnerische Ende des Bildschirms zu erreichen. Klingt nicht spannend, garantiert aber Schreikrämpfe und mehrtägige Gesprächspausen unter Freunden. Fast schon wie GoldenEye 64 damals.

Ebenso gabs für die Schlachten auf der Couch Trials Fusion von Ubisoft. Man könnte behaupten, dass hier nur ein altbekanntes Konzept genommen und mit neuen Maps neu aufgegossen wurde, und irgendwie stimmt es ja auch – aber gleichzeitig ist jedes neue Trials ein Grund zum Feiern, Bier kaufen und Freunde zur Controller-Schlacht einladen.

Stimmungsmäßig in eine ganz andere, düstere Richtung ging man gegen Ende des Jahres mit This War Of Mine. Steht man in so ziemlich jedem anderen Spiel auf der Seite der Supersieger, wird hier die Kehrseite von Krieg gezeigt: Man spielt eine ganze Gruppe von Flüchtlingen und Überlebenden in einer Stadt in einem ungenannten Krieg. Nahrung und medizinische Versorgung sind knapp, Gefahren lauern überall, menschliche Abgründe tun sich auf einmal vor einem auf. Wie soll man sich fühlen, wenn man dringend benötigtes Essen in einem verlassenen Gebäude findet, nur um später zurückzukehren und zu sehen, dass man die eigentlichen Bewohner des Hauses zum Hungertod verdammt hat? This War Of Mine schnürt einem regelmäßig die Kehle zu, ganz ohne High-End-Grafik und gerenderte Zwischensequenzen. Die eigene Psyche ergänzt fehlende Teile – ein wichtiges Beispiel dafür, was Computerspiele auch leisten können.

Einige hundert Worte später und nur Stunden vor dem Jahreswechsel bemerke ich: Eine persönliche Best-of-Liste 2014 ganz ohne Assassin´s Creed und Call of Duty? Tatsache. Obwohl ich bisher jeden Teil beider Serien geliebt und gefeiert habe (manche mehr, manche sehr viel weniger – ich schau´ dich an, Assassin´s Creed III!), habe ich auf einer unterschwelligen Ebene beschlossen, dieses Jahr beide neuen Einträge auszulassen. Ich brauche sie gerade einfach nicht – es gibt so viel Neues, Spannendes zu spielen. Und nach all dem, was es zu Unity zu lesen gibt, kann ich im Nachhinein auch froh darüber sein. Vielleicht hole ich das alles nächstes Jahr nach, wenn dann die nagelneue PlayStation 4 ins Haus kommt und ich wieder mehr Zeit habe.

Ich freue mich drauf.

– Alex Schuh

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Im Gegensatz zu den beiden Herren und ihrer obigen Meinung, bin ich mehr als zufrieden mit dem Spielejahr 2014 – sofern sich mein Blick auf Nintendo richtet. Denn heuer eroberte die Wii U mein Wohnzimmer und bereitete nicht nur mir, sondern auch meinen WG-Bewohnern enormen Spielspaß. Welche Spiele mein Gamingjahr 2014 bestimmten und was sich sonst in der Szene getan hat, lest ihr in den folgenden Zeilen.

Der Hype war astronomisch, das Spiel an sich gut, aber so schnell vergessen, wie es auf dem Schlachtfeld zugeht: Titanfall entzückte mich im März, machte einige Stunden durch erfrischendes Gameplay Spaß, doch war nach einigen Tagen schon wieder von der Platte gefegt. Wieso? Bis heute kann ich diese Frage nur mit Mutmaßungen beantworten. Gerüchte um einen Nachfolger, wiederholende Rabattaktionen um horrende Prozente, fehlende Abwechslung, bescheidene DLC-Häppchen… Titanfall ist Hit und Enttäuschung zugleich. Das neuerschienene Call of Duty: Advanced Warfare raubt dem Shooter zudem einige Alleinstellungsmerkmale des Gameplays und machen es noch unattraktiver.

Der nächste stundenfressende Titel mit dem ich eine Hassliebe-Beziehung pflege, hört auf den Namen Diablo III und das im März releaste Addon Reaper of Souls. Bereits vor Release besserte Blizzard ausgiebig nach und schuf das Diablo, welches sich Spieler seit der Veröffentlichung 2012 gewünscht hatten. Der Start des Addons ließ den Koffeeinbedarf steigen und kurze Nächte Realität werden. Nach gut 100 Stunden dankte ich ab, hatte für das Geld viele schönen Stunden gehabt, gab mir aber immer noch nicht das gewisse Etwas, das ich mir erhofft hatte.

Von nun an regierte Nintendo mit einigen Abstrichen (Alien: Isolation für PC, Papers, Please für iOS) mein Spielejahr und präsentierte Titel, an denen sich Entwickler und Publisher für PS4 und Xbox One ein Beispiel nehmen sollten: Unfertige Spiele und vorprogrammierte Patch-Nachlieferungen oder stotternde Animationen und niedrige Framerates sind auf der Wii U ein Fremdwort und trotzen dem traurigen Trend der Szene, Spiele zu früh auf den Markt zu bringen und Kunden dafür leiden zu lassen. Mit Mario Kart 8, Donkey Kong Country: Tropical Freeze und Super Smash Bros. for Wii U sind gleich drei exklusive Nintendo-Spiele unter meinen Favoriten.

Die Kombination aus PC und Wii U lässt für mich kaum Wünsche offen und auch die Zukunft sieht mehr als rosig aus. Für den PC stehen mit GTA V und The Witcher 3 zwei heiße Kandidaten auf die Gaming-Krone 2015 bereit. Beide Spiele wurden mehrmals verschoben, hoffentlich um an der Performance zu schrauben (Hey Rockstar!) und die letzten Bugs aus dem Spiel zu verbannen (Hey CD Projekt RED!). Als Nintendo-Fan stehen sieben Pflichtkäufe an, darunter die noch unbenannten Ableger von The Legend of Zelda und Star Fox sowie das putzige Yoshi’s Woolly World.

– Christoph Liedtke

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.