It’s good to be bad … again

Vor langer Zeit durfte man sich in Dungeon Keeper mal von seiner bösesten Seite zeigen. Auf den versprochenen dritten Teil wartet man als Fan der Serie bisher vergebens – doch zum Glück gibt es Kickstarter. Willkommen im War for the Overworld, Keeper!

Flashback in das Jahr 1997: Die Spice Girls dominieren mit ihrer Interpretation von Girl Power die Charts. Prinzessin Diana von Großbritannien tritt ihre letzte Autofahrt in Frankreich an. Maisie Williams – ja, die Arya aus Game of Thrones – erblickt das Licht der Welt. Und Peter Molyneux, der alte Prophet und Visionär der Gaming-Szene, plant mit seinen Bullfrog Studios den nächsten großen Wurf: Er nennt sich Dungeon Keeper.

Ja, so sag Grafik 1997 nun mal aus: Dunkel, pixelig - aber dennoch geil. //Bildrechte bei games-guide.de

Ja, so sah Grafik 1997 bei Dungeon Keeper nun mal aus: Dunkel, pixelig – aber dennoch geil. //Bildrechte bei games-guide.de

Die Grundaufgabe ist denkbar einfach und dennoch komplex: Ausgehend von einem Dungeon-Herz, das gleichzeitig die eigene Lebensenergie repräsentiert, müssen wir unter der Erde ein Netzwerk aus unterschiedlichen Räumen aufbauen. Diese Räume haben jeweils unterschiedliche Aufgaben für das eigene Reich und ziehen durch Portale auch zum jeweiligen Raum passende Monster an, deren Design auch heute noch im Kopf hängt (die SM-Folterknechtinnen namens Eiserne Jungfrau und der Teufler mit seinem aggressiven Furzen bleiben besonders in Erinnerung). Mit den so angezogenen Einheiten müssen unterschiedliche Ziele erreicht werden; prinzipiell läuft es aber darauf hinaus, dass ein mehr oder minder taktisch kluger Widersacher aus der Welt befördert werden muss, in dem sein Dungeon-Herz zerstört wird. Direkt steuern kann man seine Anti-Helden aber nicht – dafür kann man sie in die eigene Klaue nehmen (die Dungeon-Form des Mauszeigers) und dort abladen, wo man sie gerade braucht. Mit Zaubersprüchen – die euch das Spiel z.B. aus der Ego-Perspektive eines Untergebenen erleben lassen – und der Möglichkeit, an seine Untergebenen Watschen (Austrozismus; auch Ohrfeigen genannt) zur Produktivitätssteigerung zu verteilen, sowie mit einer unglaublich großen Portion schwarzem Humor wird das Gesamtpaket abgerundet, und die Rechnung geht auf: Dungeon Keeper verkauft sich blendend.

Die Großen können’s nicht

Zeitsprung vorwärts: Im Jahr 1999 bringt Bullfrog einen Nachfolger heraus. Dungeon Keeper 2 bleibt leider hinter den Erwartungen zurück und bleibt ein Ding für Fans, nicht für die Masse. Die Lizenz wird fortan auf Eis gelegt; Teil 3, dessen Trailer bereits in DK2 enthalten war, erscheint nie. Peter Molyneux verlässt in der Zwischenzeit Bullfrog, die Serie gerät irgendwann in den Entwickler-Limbo. 2013 versucht sich Electronic Arts, der derzeitige Halter der Lizenz, an einem Mobile-Game zum Thema Dungeon Keeper – und scheitert mit Anlauf. Das free2play-System des Spiels ist zum Kotzen, im Endeffekt muss man als Spieler massiv Geld einwerfen, um irgendwas von dem Spiel zu haben. Angeekelt wenden sich ehemalige Fans ab und suchen nach Alternativen.

Das Lehrbeispiel für pay2win: Der Mobile-Ableger von Dungeon Keeper. Die Welt kotzte. //Bildrechte bei Google Play Store

Das Lehrbeispiel für pay2win: Der Mobile-Ableger von Dungeon Keeper. Die Welt kotzte. //Bildrechte bei Google Play Store

Die Erlösung zeigt sich in Form eines Kickstarter-Projektes: Ehemalige Entwickler und Fans von Dungeon Keeper wollen der Serie ohne den Lizenztitel, aber mit demselben Spirit wieder Leben einhauchen. War for the Overworld erblickt das Licht der Internet-Welt und wird entsprechend honoriert – und in der Folge auch finanziert. Die großzügigen Finanzmittel beflügeln das Team zu großen Ideen: Eines der Stretch Goals ist es zum Beispiel, den Original-Sprecher der Serie für die Aufnahmen zum Spiel zu gewinnen.

Ein Hoch auf die Kleinen!

Kickstarter ist – zu Recht – nicht ganz unumstritten in Gamer-Kreisen. Immerhin gibt man im Voraus Geld für Projekte ab, ohne zu wissen, ob sie jemals in dieser gedachten Form in den Verkauf kommen und ob man mit dem Ergebnis zufrieden sein wird. Im Fall von War for the Overworld sieht man, was für eine schmale Gratwanderung dieses System ist: Zum Release Anfang April war das Spiel aufgrund der Plethora an Bugs beinahe unspielbar – ich habe mich deshalb dazu entschlossen, trotz meinem Fantum der Dungeon Keeper-Serie bis nach meinem langen Urlaub mit dem Spielen zu warten.

Copycat? Vollkommen egal. Die Nostalgie und die Freude über ein Quasi-DK3 überspielen alles. //Bildrechte bei Subterranean Games

Copycat? Vollkommen egal. Die Nostalgie und die Freude über ein Quasi-DK3 überspielen alles. //Bildrechte bei Subterranean Games

Das Ergebnis dieser Warterei? Passt. War for the Overworld hat sich dank Patches zu einem würdigen Nachfolger für die Dungeon Keeper-Spiele entwickelt. Viel dazu sagen braucht man deswegen eigentlich auch gar nicht, denn alles, was in den oberen Zeilen steht, gilt 1:1 für dieses Spiel. Gut, man hat sich schon die Zeit für Eigenheiten genommen: Mehr Zaubersprüche, eine mehr oder weniger aufpolierte Grafik, eigene (und doch sehr bekannt scheinende) Character Models, ein Multiplayer-Modus und ein leicht überladenes Interface fallen „Wiederkehrenden“ gleich ins Auge. In meinen Augen ist dies aber mehr eine Hommage als ein schamloses Kopieren – war Dungeon Keeper doch in dem, was es sein wollte, nahezu perfekt. Die geringfüg beigefügten eigenen Zutaten runden das Gesamtpaket gut ab, und für den mehr als fairen Preis von 28 € für die Vollversion des Spiels bekommt man einige Stunden guten Spaß und Nostalgie.

Ihr habt die Schnauze voll vom hundertsten MOBA und auch keinen Bock mehr, in StarCraft II eure Runden zu drehen? Schlagt bei War for the Overworld zu (Link zu Steam) . Und werdet böse.

Richtig, richtig böse.

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.

  • Ausgezeichneter Artikel. Hast mich überzeugt. Wenn sich irgendwo ein Link zum Spiel finden würde, wäre es noch leichter. Ich bin mir noch immer sicher, daß das Spielprinzip (im Kern das erste Towerdefense) überragend auf mobile devices funktionieren würde. Wer weiß, vielleicht mach ich ja mal eins.

    • derNeue

      Danke schön für’s Feedback! Ja, ich bin böse, was Links zu Spielen angeht. Eigentlich saudumm – da merkt man, dass ich mein Business im Print gelernt habe. 😉
      Und ja, mach eines, unbedingt! Aber bitte auf Kaufbasis. Nicht wie der Erzdämon EA.