iOS 8: Leistungsschub der Updates im Test

Neue iOS-Versionen bringen schon lange nicht mehr nur Neuerungen mit sich. Immer häufiger muss auch Abschied genommen werden. Abschied von einem schnellen und ruckelfreiem System, das sich durch kurze Ladezeiten und daraus resultierenden Spaß auszeichnete. Mit iOS 7 begann für mich diese Spirale und erreichte mit iOS 8 ihren derzeitigen Zenit. Ihr wollt wissen, wie schlimm der Umstieg auf iOS 8 mit altgediegenen Geräten wirklich ist? Ich hab auf einem iPad mini der 1. Generation nachgemessen.

Nachdem iOS 7 in seiner Urversion mein damaliges iPhone 4 lahmlegte und ich jedem vom Update abriet, besserte Apple nach mehreren Monaten nach. Es wurde erträglicher, dennoch hakte es in den Einstellungen gleichermaßen wie beim Öffnen von Ordnern oder beim Einblenden der Suche. Auch von einigen Apps, wie etwa Facebook, verabschiedete ich mich schnell, denn die Ladezeiten glichen der schlimmsten Folter. Doch wie kann man seine Finger vom Update-Klick fernhalten, wenn Apple mit einem brandneuen Design und vielen Verbesserungen daherkommt? Gar nicht, denn ich war zu schwach und konnte einfach nicht widerstehen.

Mit der Veröffentlichung von iOS 7 endete die Softwareversorgung des iPhone 4, mit dem diesjährigen Release von iOS 8 trifft es gleich drei alternde Geräte. Betroffen sind iPhone 4S, iPad 2 und die erste Generation des iPad mini. Letzteres Sorgenkind ist in meinem Besitz und das iOS 7-Debakel steckte noch in den Knochen. Entweder auf das Update, neue Funktionen und mehr Sicherheit verzichten oder erneut ein brauchbares System per Update zerschrotten. Nach drei Tagen konnte ich meine Finger nicht mehr zügeln, zu groß war die Neugier auf das Austesten der noch besseren Symbiose aus iPhone und MacBook. Wieder fiel ich auf die Nase: iOS 8.0 war schrecklich, grausam, furchtbar. Ständige Hänger im Menü, ein unbrauchbarer App Store und ein noch langsamer Safari-Browser. Von Wut und Frust getrieben, nahm ich die Stoppuhr zur Hand und verglich jedes der kommenden Update bis hin zu iOS 8.1.2 hinsichtlich der Bootzeiten, Startzeiten ausgewählter Apps und der wahrgenommenen Performance.

Testmethode

Bei meinem iPad mini der 1. Generation handelt es sich um die WLAN-Version mit 16 GB Speicher. Die Tests wurden direkt am Tag des Updates durchgeführt, alle Apps waren auf dem aktuellen Stand. Die Bootzeiten als auch die Startzeiten einzelner Apps wurden zwei Mal durchgeführt. Jedes Mal vor dem Start einer App wurde der Speicher geleert, sodass der verfügbare Arbeitsspeicher nicht noch Dateien beinhaltete oder als Flaschenhals das System zusätzlich lahmlegte. Gemessen wurde ganz unfachmännisch mit Stoppuhr. Dabei habe ich versucht möglichst gleichzeitig die Apps aufzurufen und die Stoppuhr zu betätigen. Gestoppt wurde sobald sich etwaige Ladesequenzen verabschiedeten bzw. Content geladen wurde, der aufgrund unterschiedlicher Internetverbindungen und Schwankungen im Netzwerk eigenen Szenarien unterliegt und daher sehr wahrscheinlich nicht iOS 8 anzurechen ist.

Bootzeiten: Lange lebe iOS 7!

Ein iPad neustarten? Kommt selten vor, macht sich aber besonders krass bemerkbar: Auch mit dem derzeit aktuellen iOS 8.1.2 müssen Nutzer acht Sekunden länger warten, bis das Gerät Wischgesten eurerseits in Empfang nimmt. Eine spürbare Besserung brachte das laut Apple leistungsoptimierende iOS 8.1.1 Update nicht.

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Appstarts: Gemischtes Bild

Ein besseres Bild zeichnet sich bei den Startzeiten von ausgewählten Apps ab. Von den zwölf Kandidaten starten YouTube, Badland und eBay schneller, sofern aktuelle iOS 8-Updates aufgespielt sind. Auch die Kamera-App von Apple ist seit dem neuesten Update spürbar flotter. Die größten Bauchschmerzen bereitet jedoch der hauseigene App Store: Schrecklich lange Wartezeiten stehen euch bevor, daran änderte auch keines der Updates, es wurde sogar noch schlimmer. Die übrigen sieben Apps starten in etwa gleich schnell oder langsam – je nach Betrachtungsweise und gewohnter Geschwindigkeit.

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Alltagsperformance und Fazit

Ungeachtet der Boot- und Startzeiten war das Nutzererlebnis mit iOS 8.0 und 8.0.2 grausam. Start- und Homebildschirm, Menüs und Ordner wurden gleichermaßen von kleinen Rucklern beherrscht, die kaum flüssige Wischgesten zuließen. Die folgenden Updates beseitigten die Ruckelorgie und verhalfen dem iPad mini zur alten Stärke – bis auf kleinere Ausnahmen.

App Store und Safari bleiben die Sorgenkinder der neuen iOS-Version. Erster lädt nicht nur ewig, auch die Bedienung hakt insbesondere beim Wechseln der Tabs sowie beim Durchscrollen der Charts. Letzterer scheint ein enormes Problem mit dem halben Gigabyte Arbeitsspeicher zu haben: Bei mehreren Tabs muss Safari die Website in fast allen Fällen neu laden, die Bedienung von Favoriten, Leseliste und Verlauf frusten aufgrund der niedrigen Performance stark.

Das abschließende Fazit lässt sich einfach festhalten: Apple hat durch kontinuierliche Updates die Performance von iOS 8 auf alten Geräten zwar verbessert, hinkt aber dem Vorgänger hinterher – so geschehen auch beim Wechsel von iOS 6 auf Version 7. Da der Neuling keine neue Optik, dafür aber einige sehr interessante Funktionen bietet, müsst ihr abwägen: Falls ihr nicht auf sie verzichten könnt und unbedingt die Telefon- und SMS-Features sowie die Bearbeitung von Dokumenten auf mehreren Apple-Geräten nutzen wollt, dann dürft ihr zum jetzigen Zeitpunkt updaten. Das Betriebssystem läuft runder als zum Start im September, besser wird es sehr wahrscheinlich aber nicht mehr werden. Das hat jedenfalls die Geschichte rund um iOS 7 gezeigt. Falls ihr auf die neuen Funktionen verzichten könnt und keine weiteren Geräte mit abgebissenem Apfel besitzt, dann könnt ihr auf iOS 8 verzichten und euer Gerät in Würde altern lassen.

iOS 8 Beine machen

Ihr habt iOS 8 und wünscht euch wieder mehr Performance? Ein paar Tricks gibt’s, um das System ein wenig zu beschleunigen:

  1. Animationen reduzieren: Wählt in Einstellungen > Allgemein > Bedienungshilfen aus und schaltet Bewegung reduzieren ein.
  2. Hintergrundaktualisierung deaktivieren: Wählt in Einstellungen > Allgemein > Hintergrundaktualisierung und schaltet sie entweder komplett oder nur für ausgewählte Apps ab.
  3. Transparenz reduzieren: Persönlich nutze ich diese Einstellung nicht, da sie iOS viel Schönheit raubt, manche schwören aber drauf. Wählt hierfür Einstellungen > Allgemein > Bedienungshilfen. Unter Kontrast erhöhen findet ihr die Option Transparenz reduzieren, aktiviert sie.
  4. Weitere, allgemeine Tricks, die wir euch ans Herz legen möchten, aber nicht direkt die Schnelligkeit betreffen: Beendet startete Apps in regelmäßigen Abständen, löscht nicht mehr benötigte Apps, setzt euer iOS-Gerät bei kritischen Problemen per iTunes oder iCloud zurück, deaktiviert die Spotlight-Suche sowie sämtliche nicht gebrauchte Ortungsdienste.

 

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.