Jungbrunnen oder Abstellgleis: iOS 9 auf alten iDevices

Nutzer eines iPhone 4s, iPad 2 und iPad mini 1 dürfen sich auf ein weiteres Jahr mit Updates freuen. Freude, die sich schnell in Frust verwandeln kann, da das letztjährige Update auf iOS 8 viele Geräte zu lahmenden Krücken verwandelte. Mein kleines iPad musste daher abermals als Testkaninchen herhalten, am neuen Betaprogramm teilnehmen und direkt zum finalen Release updaten.

Der Umstieg auf iOS 8 liegt mir noch schwer im Magen. Mein relativ flottes iPad mini 1 mutierte zur Schnarchnase. Booten, Apps starten, Texte eingeben, alles war fortan mit erheblich mehr Ladezeit verbunden. Ich kam einfach nicht drumherum, die Finger kribbelten und der Updatewunsch wuchs. Trotz beschnittener Features und der Gewissheit, dass mit einem halben Gigabyte Arbeitsspeicher und dem in die Jahre gekommenen A5-Chip keine tolle Performance garantiert war. Die Neugier siegte, ich verzweifelte. Die Problematik verfolgte ich Update für Update, zückte die Stoppuhr und maß nach: Apple konnte zwar noch an der Performanceschraube drehen, das alte iOS 7-Feeling kam jedoch nicht mehr zurück – mehr Details hierzu im iOS 8-Update-Artikel.

„iOS 9? Pah, das erscheint nicht für iPhone 4s oder gar iPad mini 1“, dürfte sich die Mehrheit der Apple-Nutzer gedacht haben, welche die Updatezyklen des Konzerns verfolgen. Doch Apple gönnt diesen Geräten ein weiteres Jahr Aktualität. Dieser löblichen Geste stand ich skeptisch gegenüber. Mein iPad durfte nicht noch langsamer werden, ich wollte abwarten, Tests lesen, dann entscheiden. So die Theorie, in der Praxis siegte die Neugier…

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Die Supportliste ist lang, die Sorge daher umso größer: Wie schlagen sich iPhone 4s, iPad 2 und das iPad mini mit iOS 9?

Wie ich einfach nicht daraus lerne

Durch das neue Beta Software-Programm von Apple können nun auch private Nutzer ohne Entwicklerlizenz ihre Geräte mit frühreifen Versionen von iOS (und OS X) versorgen. Das versüßte mir das Unterfangen und Getreu dem Motto „Schlimmer kann es nicht werden“, sprang ich auf den Zug auf und bereute direkt meine Entscheidung. Die drei öffentlichen Betaversionen von iOS 9 richteten meinem iPad mini noch mehr zu: iMessage ist zum Erliegen langsam geworden, die Menüführung alles andere als flüssig und das Starten jeglicher Apps kostete nochmals mehr Zeit als unter iOS 8. Ich war der festen Überzeugung, dass ich meinem Tablet die finale Version von iOS 9 erspare und zur alten Version zurückkehre. Doch begünstigt durch meine Faulheit, ein fehlendes iTunes-Backup und ein zu spätes Wiederherstellen, blieb mir nur der Wechsel zu iOS 9. Am Releasetag. Zwei Stunden nach Veröffentlichung. Kopfschütteln, Augenrollen, Lachen oder Weinen, ich konnte mich nicht entscheiden.

Der Schlachtplan: Wenn ich mir den Weg ungleich erschwere, dann beginnen wir mit einem frischen Start: das iPad wird neu aufgesetzt, ohne Altdaten, die Cloud muss es richten! Stunden vergingen.

Schneller! Langsamer! Schneller! Wie denn jetzt?

Installation abgeschlossen, Gerät einrichten, Apps installieren, Einstellungen konfigurieren, Cloud-Daten laden. Ersteindruck: Gar nicht mal so übel! iOS 9 reagiert recht flott auf Eingaben – Verzögerungen ist man ja schon über ein Jahr gewöhnt, Safari ist wieder bedienbar, ebenso der App Store. iMessage zwar noch ein kleines Desaster, aber im Alltag bis auf einen Gruppenchat längst obsolet. Die Frage, die nach ein paar Minuten mit dem neuen System auftauchte: Bin ich überhaupt schneller als unter iOS 8 unterwegs oder täuscht nur die schlechte Betaperformance einen Geschwindigkeitsschub vor? Die Stopphuhr kam wieder ins Spiel.

Und tatsächlich, iOS 9 auf dem iPad mini 1 ist im Mittel gemütlicher als noch iOS 8. Neben einer längeren Bootzeit, benötigen auch die meisten Apps mehr Zeit zum Starten. Aber Entwarnung: Nichts fällt aus dem Rahmen, die seit dem letzten Jahr verlangsamte Bedienung und allgemeine Trägheit haben sich nicht verschlimmert. Der Alltag kann, mit einer Prise Geduld, noch gut bewältigt werden.

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Bereit für ein weiteres Jahr: Die finale iOS 9 Version verbessert die Performance im Vergleich zu den Betas spürbar.

Neue Features: es gibt sie doch!

Aber was hatte ich denn jetzt eigentlich vom Update? Mal abgesehen von befriedigten Nerdbedürfnissen und gestopften Sicherheitslöchern. Erstmals richtiges App Multitasking? Nein. Auch kein Bild-in-Bild und von der verbesserten Spotlight-Suche muss ich auch Abstand nehmen. Und auch die neue Systemschrift ließ mich hängen. Auf einem iPhone und den neuen iPads mit Retina-Display trifft sie grandios meinen Geschmack, sieht allerdings auf alten iPads sehr ausgefranst aus und mindert dadurch das Nutzererlebnis.

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Kleine Buchstaben, verbesserte Textformatierungen und endlich angenehm Texte auswählen: Mit zwei Fingern taucht ein Cursor auf, der euch leicht Textpassagen auswählen lässt.

Zu den Höhepunkten zählt vor allem die überarbeitete Notizen-App, die nun endlich Fotos aufnimmt und Listen erstellen lässt. In diesem Zuge leistet auch die Tastatur endlich mehr: Texte können fix kopiert, ausgeschnitten und eingefügt werden. Auch die Auswahl bestimmter Textpassagen geht dank eines zwei Finger-Cursors schnell von der Hand, per Tastendruck sind diese dann ebenso flink fett, kursiv oder unterstrichen.

Ein weiteres, gerade für ältere Geräte, gelungenes Feature ist das Zurückkehren zuvor benutzter Apps. Hier spart ihr euch den Umweg um den zwar optisch schöneren, aber in der Benutzung mehr Zeit raubenden Taskmanager.

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Verbesserungen liegen im Detail: Durch „Zurück zu Nachrichten“ im linken, oberen Bereich des Screenshots, gelange ich ohne Umwege zurück zu verschiedenen Apps.

Fazit

Wer einen ähnlichen Ausrutscher wie zum Start von iOS 8 erwartet hat, kann aufatmen: iOS 9 macht eure alten iDevices nicht unbrauchbar. Apple hat ordentlich an der Performance der Betaversionen geschraubt, hinkt aber weiterhin den letzten iOS 8-Versionen hinterher. Dies ist mir glücklicherweise nicht im Alltag, sondern nur mit der Stoppuhr aufgefallen. Daher weine ich dem alten Betriebssystem nicht hinterher und freue mich stattdessen über die zwar wenigen, aber hilfreichen neuen Features. Obendrein wird mein altes Gerät über ein weiteres Jahr mit Sicherheitsupdates versorgt und ich muss mir in der gegenwärtigen Situation keine Gedanken über einen Wechseln machen. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Update wurde iOS 8 schneller, hoffentlich behält sich Apple das dieses Jahr auch bei!

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.