id liefert wieder einen Hit

Nach dem technischen Fiasko von Rage (2011) und der halbgaren Neuauflage von Doom 3 als BFG Edition (2012), serviert uns id Software mit dem Reboot von Doom endlich wieder dämonisch gute Shooter-Kost.

Es schreit, es rummst, es schmatzt und matscht. Eine Arbeitsatmosphäre, die mich zur Weißglut treiben würde. Der Doom-Marine hingegen, blüht erst dann so richtig auf. Aus den Träumen seines Jahrhunderte langen Powernappings gerissen, findet er sich in den Forschungsstationen der UAC auf dem Mars wieder, die von einer Dämoneninvasion heimgesucht wird – kurzum: business as usual. Schnell schlüpfe ich in den Prätorenanzug, entstaube das Helmchen und schreite zur Tat!

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Hier sollte auch mal wieder aufgeräumt werden…

Doom ist wieder Doom

Nach dem Horrorausflug aus Teil 3, besinnt sich id Software wieder auf alte Stärken: Die Monsterhorden rasen in den engen Gängen wieder auf mich zu, anstatt sich hinter Ecken zu verstecken und meinen Puls explodieren zu lassen. Großräumige Areale verriegeln sich automatisch und entsperren sich erst wieder, wenn die gespawnte Dämonenbrut samt Nest dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Also sprinte ich durch die Areale, sammle währenddessen Rüstung, Munition oder gar ein Quad-Damage auf, springe über Imps und Hell Knights hinweg und gebe ihn mit Schrotflinte und Maschinengewehr volles Pfund in die Schnauze. Die rasanten Kämpfe erinnern an Quake, besonders wenn ihr im Menü das Sichtfeld auf 130 Grad erweitert und das Fischaugenfeeling euch wieder in die frühen 2000er zurückholt.

Sniper-Freunde unter euch? Tja, Pech gehabt, die Entwickler zwingen euch in den Nahkampf: Nur wer verwundete Dämonen mit den Fäusten zerschlägt (Glory-Kills), bekommt weitere Medipacks und für den fachmännischen Einsatz der Kettensäge winkt zusätzliche Munition und an der mangelt es häufig.

Abgerundet werden die mitunter minutenlagen Gefechte von der perfekten Steuerung Dooms, die meine Bewegungen direkt umsetzt, und der grandiosen Atmosphäre durch Licht- und Schatteneffekte sowie dem Monsterdesign und diesem wahnsinng treibenden Soundtrack. Industrial Metal at it’s best!

Flink umherwetzen oder mit großer Wumme direkt in die Monsterhorden - It's your choice.

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Straight outta Hell

So schlage ich mich durch die Forschungsstation, um einerseits die Gegend zu entdämonisieren und andererseits die Quelle allen Übels, die für den Dämonengau verantwortliche Wissenschaftlerin, zu stoppen.

Dafür zwänge ich mich nicht nur durch enge, düstere Gänge, sondern feuere mich auch durch weite Teile der UAC-Produktionsstätten, wie etwa der Gießerei und ihren Lavaströmen, streife auf der kargen Marsoberfläche umher und statte den Dämonen dank eines Portals auch einen bleihaltigen Hausbesuch ab.

So abwechslungsreich wie das Leveldesign ist die Story allerdings nicht, weiß aber dennoch zu gefallen. Videosequenzen, Hologrammaufzeichnungen und Funkkontakte versuchen mir in den kurzen Atempausen die Geschichte näher zu bringen.

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Nicht nur verwinkelt und schlauchig: Doom bietet auch weitlaufende Areale – drinnen wie draußen.

Oldschool mit einer Prise Neuzeit

Die verwinkelten und meist auf mehreren Ebenen basierenden Level sind nicht nur mit Gegnern und Items gespickt, sondern auch mit versteckten Gängen, wo ihr Powerups für Waffen und Rüstung, Runen-Challenges für weitere Boni und gute(!) Info-Häppchen in Textform sowie begehbare Retro-Level(!!) findet. Haltet die Augen offen, es lohnt sich!

Denn obwohl Doom im Kern ein Oldschool-Shooter mit Lebens- und Rüstungsenergie ist, sind die feinen Neuerungen belebend, machen mich mit der Zeit immer stärker und schieben Langeweile einen Riegel vor: Aufgeladener Dreifachschuss für die Shotgun, Zielfassung für den Raketenwerfer, Immunität gegen explodierende Fässer, schnellere Glory Kills und Doppelsprünge sind nur eine kleine Auswahl an verfügbaren Optionen, die ich nach und nach freischalte und so den Doom-Marine genau an meine Spielweise anpasse.

Auch technisch scheint id Software wieder auf der Höhe der Zeit mitzuspielen und bietet mit der id Tech 6-Engine scharfe Pixeltapeten, tolle Licht- und Schattenspiele, auf dem PC gut glättendes TXAA und Einstelloptionen, die auch eingefleischten Nerds sowie schwächeren Rechnern gerecht werden sollten. Übrigens sind Kinderkrankheiten wie bei Rage passé, vorausgesetzt ihr verwendet die jeweils neuesten Treiber für eure Grafikkarten, dann sollte dem 60-fps-Erlebnis nichts mehr im Weg stehen.

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Rüstung und Waffen lassen sich an euren Spielstil anpassen.

Fazit

Doom ist zurück! In seiner schönsten Pracht gelingt es id Software die Balance zwischen Oldschool und Neuzeit zu halten und trifft damit voll ins Schwarze. Vorbei ist das Horrorszenario aus Teil 3, die Action trumpft wieder auf, im Gepäck einen brachialen Soundtrack und unzählige Monsterhorden. Die seichte Story braucht es nicht, auch wenn sich die Entwickler bemühen. Die Goodies abseits des Weges, die Anpassungsfähigkeiten und Challenges der Level wiegen das locker wieder auf.

Wertung: 9/10

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Ein Wiedersehen mit der alten Geliebten gibt es auch! <3

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.