Ich und die Apple Watch

1,5 Jahre. Normalerweise überlege ich nicht so lange, ob ich mir etwas kaufen möchte, aber bei der Apple Watch war ich wirklich unschlüssig. Braucht man das? Die meisten sagen recht entschlossen: Nein. Irgendwie haben sie recht, aber ich hab mich trotzdem daran gewöhnt und will sie nicht mehr missen.

Was ich gleich mal loswerden will: wenn jemand vor Smartwatches keine Uhren getragen hat, dann braucht er tatsächlich auch keine Smartwatch. Eine Uhr zu tragen ist Einstellungssache. Viele haben es über die Jahre verlernt oder vergessen, warum man einen Zeitanzeiger am Handgelenk tragen muss (Schmuck, anyone?), wenn man das Handy eh immer in der Hand hat. Ich will mir aber genau das abgewöhnen. Die Smartwatch als SekräterIn. Ein kurzer Blick und ich weiß, ob ich das Handy aus der Tasche holen muss. Ah, nur ein inhaltsleeres Update in der Whats App Gruppe. Ein „OK“ im Facebook-Chat. Handy bleibt stecken. Ich konzentriere mich auf mein Gegenüber und weiß auch wieder wie spät es ist.

Aber gut, es gibt ja noch andere Funktionen. Fitness- bzw. Bewegungsapps, aber die nutze ich kaum. Ganz spannend zu wissen, wie viele Schritte man heute gegangen ist und die regelmäßige Erinnerung am Handgelenk, dass man doch wieder mal aufstehen soll, ist ganz witzig. Im Auto nutze ich die Watch mittlerweile als Freisprecheinrichtung – mit mittelmäßigem Klang. Man soll aber ohnehin nicht lange telefonieren wenn man fährt. Wetter-Check und Pulsmesser, speziell beim Rainbow Six spielen, sind nette Features, die ich im Falle von Langeweile nutze. Den Skin der Uhr tausche ich gelegentlich, die Auswahl ist aber mau.

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Tatsächlich nutze ich die Apple Watch primär als Uhr, deren leuchtendes Display sich speziell in dunklen Umgebungen als sinnvoll erweist. Bei meinem Gebrauch, und das sind doch einige Nachrichten am Tag, die ich keck kurz mit Smileys beantworte, weil man auf dem Display nicht tippen kann, hält die Uhr aktuell zwei volle Tage. Länger als mein Mobiltelefon. Klar, die Bluetooth-Aktivierung kostet zusätzlich Akku, aber mehr als einen Tag bin ich davor mit meinem iPhone 6 auch nicht ausgekommen. So gesehen hat sich meine Lebensqualität mit der Apple Watch tatsächlich erhöht. Es sind kleine Dinge zugegebenermaßen, aber ich diskutiere auch mit Freunden, ob man sich ein Samsung S6 oder ein iPhone 6S kaufen soll – first world problems. Sieht man sich die aktuelle Weltlage an, dann sind das alles nicht besonders wichtige Dinge, über die wir hier sprechen. Aber immerhin spannender als die Bundespräsidentenwahl in meinem Heimatland Österreich. So finde ich zumindest. Oh, meine Uhr hat vibriert. Mein Reminder fürs Kino heute. The Revenant. Mal schauen, ob er die Oscar-Nominierungen wert ist.

Oh, ihr werdet euch sicher fragen, warum ich nicht noch ein paar Monate gewartet habe, falls bald eine neue Version angekündigt wird. Ach, die Uhr läutet das Ende meiner Beziehung mit Apple ein. So lange Telefon und Uhr miteinander funktionieren, trage ich das Erbe von Steve Jobs noch mit mir rum. In drei Jahren wird ohnehin alles anders sein und dann wechsle ich zu einem anderen Anbieter. Google vielleicht … oder einem chinesischen Hersteller, den ich jetzt noch gar nicht kenne. Schau ma mal. Ob Smartwatches dann mehr können bzw. dank dem einen Killerfeature eine größere Rechtfertigung an meinem Handgelenk besitzen weiß ich nicht. Ich bin aber recht sicher, dass ich dieser Technik treu bleibe. Ich habe mich tatsächlich daran gewöhnt. An dieses kleine Spielzeug an meinem Handgelenk. Mehr ist es nicht. Viel mehr will es vielleicht aber auch gar nicht sein.

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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.