Ich kauf’ mir … nix.

Herzlichen Glückwunsch, Sony und Microsoft – mit eurer Hinhaltetaktik bei den Exclusives habt ihr einen Kunden verloren. Zumindest vorerst.

Ich erinnere mich noch gut daran, als wir in der alten consol.AT-Redaktion zum ersten Mal von der neuen Konsolengeneration hörten. Damals noch unter dem Codenamen Orbis wurden schon die abenteuerlichsten Spekulationen rund um Preis, Ausrichtung und Hardware gestellt. Einig waren wir uns aber alle, dass dieses Gerät in Sachen “Konsole vor dem Fernseher” das letzte gesprochene Wort sein würde – so, wie sich die Gerüchte damals anhörten. Als dann die offizielle Vorstellung Anfang 2013 erfolgte und nach und nach Details bekannt wurden, war klar: Dieses Ding muss in meine Wohnung!

Dann zog Microsoft nach und präsentierte seine Xbox One. Sah zwar aus wie ein Ziegelstein mit Figurproblemen, aber auch hier machte die Hardware einen mehr als soliden Eindruck, und der Xbox-Controller war ja schon immer das höchste der Gefühle in Sachen Controller-Steuerung gewesen. Ach verdammt, auf einmal hatte ich gemischte Wünsche – welche der verdammten Konsolen soll es denn jetzt werden?

Oh, wie wir auf den Konsolenkrieg getrimmt wurden. Aber wie geht das, mit zwei Verliererseiten? //Bildrecht bei giga.de

Oh, wie wir auf den Konsolenkrieg getrimmt wurden. Aber wie geht das, mit zwei Verliererseiten? //Bildrecht bei giga.de

Ich schloss also mit mir selbst eine Art Pakt: Ich würde mich danach richten, welche Plattform die für mich besseren Exklusivtitel anbietet. Die Entwickler dieser Firma würden meine hart verdienten Euros in den Rachen geworfen bekommen.

Wir schreiben Mitte 2015 und mir reicht es – ich kaufe mir jetzt ein E-Schlagzeug.

Don’t hate the player

Dabei war ich bis vor einer Woche noch mehr oder weniger motiviert, mir endlich eine der beiden Konsolen zuzulegen. Trotz des (subjektiv) besseren Controllers, den wir an anderer Stelle schon analysiert haben, war die Endauswahl auf eine PlayStation 4 gefallen. Die Spieleserien, die Sony in der Hinterhand hat, sind für mich einfach die stärkeren Zugpferde, und alles in allem erscheint mir Sony die “angenehmere” Produktphilosophie – Stichwort “Spiele herborgen” – zu haben; es sollte also der schicke schwarze Monolith werden. Zusätzlich hatten zwei große österreichische Elektronik-Märkte auch noch eine Aktion gestartet, bei der man mit einem Foto seiner alten Konsole 100 € Rabatt auf sämtliche PS4-Bundles geltend machen konnte. Die logische Wahl wäre der sofortige Kauf inklusive mehrerer Games gewesen, oder?

Jein.

Klar, 25 % Rabatt auf eine relativ neue Konsole sind schon mal eine Ansage, und natürlich hätte ich auch meinen Spaß mit der Konsole gehabt. Aber dann hat mir mein zumindest in Teilen noch rational denkendes Hirn zwei Gedanken eingejagt, welche die Handbremse an meiner Geldbörse anzogen. Bereit?

1) Alter, du hast sowieso keine Zeit. Sei dir doch mal ehrlich: Es ist Sommer. Du hast zwei Jobs. Nebenbei auch noch einen Blog. Zusätzlich eine Freundin, Spaß am Fahrrad fahren und bauen sowie einen gar nicht mal so alten PC. Der spielt im Moment einen Klassiker von 1999 ab, über den du auch bald noch schreiben wirst, der aber eh grade dein gesamtes Spielezeit-Budget frisst – also wo genau willst du denn noch eine PlayStation 4 sinnvoll unterbringen?

2) Alter, was willst du denn auf dem Ding spielen? Schon klar, Bloodborne ist wahrscheinlich der geilste Scheiß seit der Erfindung von Quietscheenten im Regenbogendesign, und auf InFamous: Second Son hast du auch irgendwie Bock, aber danach ..? Bald zwei Jahre nach dem Release der neuen Konsolengeneration gibt es noch immer nicht genug triftige Gründe, um sich so einen Ziegel unter den Fernseher zu legen. Hier, nimm lieber das da, da kannst du auch noch draufhauen, wenn du wütend bist.

Aggressionsbewältigung und Rhythmusschulung - und somit meine Alternative zur aktuellen Konsolengeneration. //Bildrechte bei musikmachen.de

Aggressionsbewältigung und Rhythmusschulung – und somit meine Alternative zur aktuellen Konsolengeneration. //Bildrechte bei musikmachen.de

… and don’t hate me

Gut, das klingt jetzt gleich mal wieder dramatischer, als es eigentlich ist. Und ja, natürlich findet man schon genug Spiele, die einen Kauf der Konsole (welcher der beiden auch immer) rechtfertigen. Aber wirklich wenige davon sind ein Erlebnis, das ich nur noch und exklusiv und überhaupt nur da auf der einen Konsole erleben kann. Spätestens seit dem unten stehenden Poster von Assassin’s Creed Syndicate sollte diese Illusion dahin sein.  (EDIT: Das Poster war ein – noch dazu schlechter – Fake, dem ich im Hitzeschwall aufgesessen bin. Bitte um Verzeihung und danke an Leser Martin Fornleitner für den Hinweis!)

Und ja, auch mit Nicht-Exklusivtiteln kann man natürlich massenhaft Spaß auf der Konsole haben. Ich halt nicht. Ich zieh’ dann vielleicht nächstes Jahr nach. Oder im Jahr danach. Wir werden sehen.

Es eilt ja nicht.

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.

No comments yet.

Leave Your Reply