Ich bin selten BATMAN, weil meine Freundin ist verhext

Wertungen. Spricht polygon vom „besten Game dieser Konsolengeneration“ (Witcher 3 hat nur 8.5 bekommen) wettern Gamespot oder 4players gegen die Einfallslosigkeit des neuen Batman-Games von Rocksteady. Meine Meinung ist gespalten. Genau wie meine PS4. Lasst mich kurz erklären.

„Du, Schatz, wann darf ich denn wieder an die Konsole?“ Diese und ähnliche Formulierungen muss ich aktuell öfter mal durch die Wohnung rufen. Meine Freundin spielt nämlich Witcher 3. Sie ist sozusagen mein Endgegner, wenn ich an die PS4 möchte. Da können Joker und Two-Face einpacken. Deshalb möchte ich gar nicht so sehr auf Batman eingehen und stattdessen ein paar Vergleiche ziehen, die mir so beim Spielen UND Zuschauen aufgefallen sind. Batman Reviews gibt es ja ohnehin schon ausreichend und über die damit verbundenen Fauxpas wurde auch schon gesprochen.

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Meine Vorgeschichte mit beiden Serien ist durchwachsen. Witcher 1 + 2 kenne ich primär von Erzählungen und vom über-die-Schulter-schauen. Teil 3 habe ich ein paar Stunden gespielt – meins ist es leider nicht. Ich bastle mir in Rollenspielen lieber meinen eigenen Charakter und aktuell ist mein Zeitbudget einfach nicht groß genug für ein Spiel dieses Umfangs. Deshalb fiel meine Wahl auch auf den aktuellen Batman-Teil, der statt in 80 sogar in unter 20 Stunden zu bewältigen sein soll. Seinen Anfang nahm die Serie rund um den dunklen Ritter 2009. Arkham Asylum war auch für meinen damaligen Job eine tolle Geschichte. Nachdem mein Arbeitskollege Fatih und ich die Preview des Spiels in der Redaktion hatten war klar, dass wir schnell an die Review rankommen mussten. Wir haben den damaligen PR-Kollegen sogar in München abgefangen, nur um an die Disk zu kommen. Am Radar hatten das Spiel nämlich die Wenigsten. Warum, das ist mir bis heute nicht klar. Wir hatten in der consol.AT in jedem Fall den ersten deutschsprachigen Test und haben 90+ gegeben. Schwierig, weil gamespot laut Gerüchten für die hohe Wertung Anzeigen kassiert hat … war ne doofe Situation. Am Ende wussten aber alle Gamer, das Spiel hatte die Wertung verdient. Selten so einen geilen Einstieg in ein Videospiel erlebt. Joker. Asylum. Großartig.

Das neue Batman hat auch was. Speziell die Anleihen an die alten Teile gefallen. Detektiv sein, die Stadt erkunden und auch die Action geht gewohnt gut von der Hand. Dazu sieht das Game wirklich gut aus und fängt die Stimmung der Comics toll ein. Trotzdem fühlt sich das Spiel nicht so richtig rund an, speziell im Vergleich mit dem weißhaarigen Kollegen. Sammle 20 Bomben in der Stadt oder auch die oft sehr konstruiert wirkenden Quests des Riddlers wirken eher nach Spielzeitgenerierung als nach gut überlegten Side-Quests – wie das eben bei Witcher 3 der Fall ist. Grundsätzlich gefällt mir in Games reiten meist auch besser als Auto fahren (Red Dead > GTA) und auch in Witcher fühlt sich das Reiten wirklich danach an und kann auf Wunsch auch im Kampf genutzt werden. Bei Batman ist das Fortbewegungsmittel, das allseits bekannte Batmobil, Segen und Fluch gleichzeitig. Es gelegentlich im Kampf gegen Feinde oder auch zum Lösen von Rätseln zu benutzen ist der Abwechslung zuliebe vertretbar, den Spieler allerdings in regelmäßige Panzerschlachten zu schicken – das will ich in einem Batman-Game nicht sehen. Sorry.

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Auch die Dichte an handelnden Personen und die zusätzlich belebte Umgebung (bei Batman gibt es fast ausschließlich Bösewichte) sprechen für den weißhaarigen Helden. Dafür bieten die vielen Bat-Utensilien wieder viel Abwechslung für Rätsel, Geschicklichkeitseinlagen und Kämpfe. Speziell in den ruhigen Momenten nämlich fühlt man sich als Batman. Wenn er elegant dahinschreitet, sich auf das nächste Haus hochzieht und dann über sein Gotham blickt. Vielleicht hätte man für die Action nicht Robin und Catwoman an seine Seite stellen sollen, sondern in den lästigen Panzer-Missionen einfach Superman einfliegen lassen. DAS hätte mir gefallen.

Nachdem meine Freundin nun fast beim Ende von Witcher 3 angekommen ist und mir auch nicht mehr viel fehlt, um Gotham wieder in seinen normal-chaotischen Zustand zurückzuführen, fällt das Fazit eindeutig in Richtung Hexer aus. Ich bin trotzdem glücklich mit meiner Wahl, schließlich habe ich die meisten Stunden mit Batman: Arkham Knight sehr genossen. Um den Haussegen wieder gerade zu richten, ist unser nächstes gemeinsames Pärchenprojekt übrigens Yoshi’s Woolly World (Artikel dazu gibts bald). Auf brauchbare Multiplayer-Modi haben die beiden 18+ Titel nämlich vergessen. Macht nix, dafür hat man ja eine Nintendo-Konsole.

PS: Gestern hat meine Freundin tatsächlich Witcher 3 durchgespielt und mir begeistert von ihren Abenteuern erzählt. Und gerade hier liegt wohl der größte Unterschied zu Batman. Sie wird sich noch in Monaten an einprägsame Erlebnisse in Witcher erinnern, ich mich aber kaum an Batman (das war der Teil mit den Panzern, oder?). Ich werde es trotzdem die Tage noch bis zu einem Ende bringen. Nur um sicher zu gehen, dass Scarecrow wieder hinter Gitter wandert.

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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.

  • Michael Ferstl

    Super – the Witcher wollt ich mir nicht holen, weil ich nicht so der Rollenspieler bin. Da wär Batman die Alternative für den Sommer gewesen und jetzt sagt mir dein Bericht greif zu Witcher.