I pressed Start to continue

Angenommen, ihr habt zehn Jahre genau das gemacht, was euch Spaß macht. Und dann werdet ihr aus diesem Traum herausgerissen. Eine Krise ist vorprogrammiert. Diese Krise hatte ich die letzten Wochen.

Ich war Chefredakteur. Von einem Magazin, das ich von der ersten bis zur letzten Seite selber gestalten konnte. Mit der Hilfe von Menschen, die ich über Jahre lieb gewonnen hatte und die meine Marotten kannten und damit umgehen konnten. Ah, der Amon wieder. Regt sich auf, weil der Artikel nicht fertig ist, freut sich aber dann, wenn er dafür ’ne Ecke besser wird. Ach ja, und mit Videospielen hatte die Geschichte auch noch zu tun. Fu**, wir wurden auch fürs Videospielen bezahlt. Ein Traum für viele, den wir tatsächlich leben konnten. Außerdem konnten wir uns die Welt anschauen, unsere Vorbilder wie Heinrich Lenhardt treffen und ab und zu mit Publishern streiten, weil die Wertung zu niedrig war. … sorry, Manhunt war leider wirklich scheiße! 😉

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Podcast zum Anno-Teil für die Wii mit Andreas Suika.

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Oft getroffen, nur einmal angesprochen. Für dieses Foto. Heinrich L., mein Vorbild in der Branche – damals. Hintergrund war ein Tomb Raider Visit bei Core Design in SF. Guter Trip. 15 Minuten dem Dev. beim Spielen zugesehen und ein kurzes Interview. Dafür vier Tage in San Francisco verbracht. Alles richtig gemacht.

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Mein Lieblings-Entwickler, gleich nach Sproing, besucht. Für ein WoW-Addon, obwohl ich gar nicht mehr gespielt habe. Ich wollte das damals erst angekündigte StarCraft II spielen. Ging leider nicht. Schade.

Doch dann kam die Insolvenz. Es hatte sich schon abgezeichnet. Das mit YouTube hatten wir zuwenig ernst genommen, online ist in AT schwer zu vermarkten und unser Marketing war über die Jahre müde geworden. Ohne Schuldige benennen zu wollen, am Ende hieß es halt: aus die Maus, wie das vielen anderen Magazinen in dieser Zeit auch passiert ist.

Aber es sind einige Liter Wasser die Donau lang gelaufen und zahlreiche Reissäcke sind in China umgefallen und so haben wir mittlerweile fast alle ein neues Zuhause gefunden. Einer arbeitet in der PR, ein anderer bei einer Agentur usw. Dass wir Anpassungsschwierigkeiten haben zeigt dieser Blog. Ich laufe nicht nachdenklich nach Hause um eine neue PR-Meldung zu schreiben, ich möchte über Spiele und die Branche schreiben. Wie mich diese Dinge bewegen, wie sie sich teilweise in die falsche Richtung entwickeln und warum manches auch ganz gut funktioniert und wächst. Man wird leider nicht mehr so gehört wie früher. Man ist underground/indie. So wie die Leute, die sich früher bei uns beworben haben. Aber das ist ok. Wir schreiben auch für uns. Des Schreibens Willens. Auch eine Eigenschaft, die das Jobprofil mittelfristig ruiniert hat. Schreiben will irgendwie jeder. Zurecht. Es hat etwas Befreiendes. Es ist mitunter das Beste auf dieser Welt.

Nach einem Jahr im neuen Job ging es mir mittelgut. Ich bin in einer Firma, wo die Chefs tatsächlich zuhören, Feedback geben und das Arbeitsumfeld möglichst attraktiv für jeden Mitarbeiter gestalten wollen. Ich habe eben diese Mitarbeiter an meiner Seite, von denen viele über die Monate zu Ansprechpartnern geworden sind und in denen ich auch Potenzial für Freundschaften sehe. Trotzdem war ich unglücklich. Ich wollte wieder Chefredakteur sein. Von einem Videospielmagazin. Das ist, was ich kann und tun will. Die spannenden Games vor allen anderen (außer dem Gameinformer) sehen und eine Redaktion führen, die ihren Job liebt. Themen aussuchen, mich in Wertungen irren und das für viele unverständliche Coverbild aussuchen. Aber wie eine alte Liebe wird diese Zeit nicht mehr zurückkommen. Print kämpft ums Überleben und Online – ach, da ließe sich viel verbessern.

Aber ich bin nicht mehr Teil davon, auch wenn ich diesen Blog hier als letzten Strohhalm mit dieser alten Liebe füllen möchte.

Nun hab ich in den letzten Tagen diesen Switch umlegen können. Ich bin endlich in meinem neuen Leben angekommen. Ich erkenne endlich Ziele, die ich erreichen möchte, habe Menschen um mich, die diesen Weg mit mir gehen wollen und eine Firma, die in den nächsten Jahren noch viel für die Branche leisten wird. Dazu ein Netzwerk, das mir auf diesem Weg im Idealfall hilft und mich aus möglichen Tiefs erfolgreich herauszieht. Denn wir sind anspruchsvoll geworden. Wollen im Job Erfüllung, gute Bezahlung und Freundschaften gleichermaßen bedient sehen. Das sind aber Ansprüche, die nur selten Erfüllung finden. Dessen muss man sich bewusst werden und wenn man nur einen Teil davon bekommt, dann ist das ok. Jeder muss wissen, was er von seinem Job erwartet. Manche sitzen ihre 8 Stunden ab und gehen heim – ich kann das nicht. Ich will brennen, genau wie viele andere auch. Und das können wir – im richtigen Umfeld. Wir müssen es aber auch zulassen.

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Masterparty bei Sproing. Teamsieg bei unserem ersten Inhouse-Turnier hosted by Sigils (Release bald mal). Wird gut.

Ich habe meine Krise überstanden und laufe zwar noch immer nicht mit Ideen für PR-Meldungen nach Hause, aber ich habe andere Dinge, die ich mit Leidenschaft umsetzen möchte. Manchmal blättere ich die alten Fotoordner durch und verdrücke eine Träne, weil ich einer der ersten war, die Mass Effect 1 spielen durften oder Batman Arkham Asylum gemeinsam mit Fatih testen konnten (nach Gamespot einer der ersten Tests – blöde Geschichte damals ;). Es sind gute Erinnerungen. Aus einem anderen Leben. Jetzt starte ich mein neues. Es wird alles gut. Auch weil ich weiterhin mit Videospielen zu tun habe. Ich liebe Videospiele.

I pressed start to continue.

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Ubisoft hatte mal ein Playboy Spiel und lud im Rahmen der E3 in die berühmte Villa. Ich war auch da. Lang ists her.

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Jade Raymond in Montreal besuchen. Abgehakt.

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Zsolt (webstandard) interviewt den Kollegen HP (Nintendo ehem. consol.AT) auf der Gamecity im Wiener Rathaus.

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Die consol-Crew beim Weihnachts/Silvester-Podcast. Großer Spaß. Sieht man uns an 😉

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.

  • Markus H.

    Schöner Blog! Immer wieder blätter ich gerne in alten consol Heften und auch wenn ich viele Artikel noch fast auswendig kenne genieße ich sie abermals zu lesen. Man erkennt einfach, das consol ein großartiges Team hatte mit den richtigen Leuten am richtigen Platz 🙂 Ich freu mich auch immer wenn „alte consol Leute“ im shock2 podcast zu hören sind. Trotzdem geht das Leben weiter, das legendäre Consol Magazin war einfach eine grandiose Zeit! P.S.: Vielleicht gibt es ja mal ein ConsolSpecial Magazin Nr. 01?! 🙂

    • consalex

      Danke. Das mit dem Magazin. Unwahrscheinlich 🙂

  • Martin Mc Fly Fornleitner

    schnüf. tolle worte und ich finde es gut, dass du aus spass und vor allem wegen deiner leidenschaft weiter machst. die „heim“platform hat sich ja leider in eine richtung entwickelt, die wenig atraktiv wurde und kaum gute leute im team hat. finds aber schön, dass du aus der nische postest und dein ding machst. das bringt farbe in die online-welt und das schätze ich sehr an continue als auch an der zusammenarbeit mit dir bzw sproing. danke für jedes geschriebene, ehrliche wort. niemals aufgeben!

    • David

      Hallo Martin, lange nicht gelesen, myconsol ist doch schon eine Zeit lang her 🙂

      Was fehlt dir denn bei Shock 2? Feedback ist immer willkommen. Die Entwicklung weg von Videospielen als einziges Thema fand ich persönlich gut, da ich mich auch sehr für Filme, Serien, Comics, Brettspiele etc interessiere.

      David Birkner

      • Martin Mc Fly Fornleitner

        Myconsol war der beste teil, den es nicht mehr gibt. ich hab selbst was neues erschaffen, das genau das ersetzt. – was mir an shock fehlt will ich hier nicht breittreten. – wöre nichts, das mit konstruktiver kritik wieder hingebogen werden könnte. – danke dennoch.

        • David

          Okay 🙂

    • consalex

      Danke 😉 Niemals aufgeben!

  • Michael Ferstl

    Ich habe nach consol einige Zeitschriften probiert – keine hat den Flair von Consol – und Shock ist bei weitem nicht so gut wie Consol. Die alten Consol Casts hab ich mir 2-3 mal angehört, weil es einfach Spass gemacht hat Euch zuzuhören.
    Ich finde das was Ihr hier macht ist sehr gut und mir gefallen die Artikel die nicht nur von Spielen sondern dem drumherum handeln (so wie dieser) – der Seelen Striptease
    ich hoffe ihr bleibt uns lang erhalten

    • consalex

      Wir bleiben noch ein bisserl, ja 🙂

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