Horrortrip vom Feinsten – Layers of Fear lädt zum Fürchten ein

Ich bin ein Fan von gepflegtem Horror. Gerne darf es am Abend mal ein Filmchen sein, welcher mich etwas in Unruhe bringt – sofern dieser es schafft. Bei Videospielen tat ich mir bislang immer schwer, die Glaubwürdigkeit des Gezeigten abzunehmen. Layers of Fear belehrte mich nun jedoch eines Besseren. Und wie!

Ich erwache eines Samstagvormittags, schaue noch im Halb-Delirium auf mein Handy und erblicke einen Review-Code zu Layers of Fear. Die Morgen-Müdigkeit ist augenblicklich überstanden, ich schreite zum PC und werfe den Download im Steam-Client an. Ein schneller Happen für den leeren Magen, da bimmelt es auch schon aus den Lautsprechern – Download abgeschlossen. Die Kopfhörer sitzen, die Gruseltour beginnt.

Ich finde mich in einem mir unbekannten Haus wieder. Ein Tisch in der Mitte des Raumes, rundherum Kästen und Schränke. Im Badezimmer tropft der Wasserhahn, die Türen zu anderen Räumen sind verschlossen. Einzig der Keller lädt zu einem Besuch ein, ehe ich die Treppe nach oben finde. Einige Papierschnipsel und Zeichnungen finde ich beim Schmökern in Schubläden. Sie erzählen mir von einem Clinch zwischen einem Maler und dem vermeintlichen Hausherren und Auftraggeber eines Bildes. Nach einigen Minuten Spielzeit frage ich mich, was das Ganze mit Horror zu tun haben soll. Plötzlich knallt es vor mir und ich springe aus dem Sessel. Eiskalt erwischt! Ehe ich mich versah, war ich so sehr mit dem Erforschen der Umgebung beschäftigt, dass ich richtig tief in das Spiel eintauchen konnte. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein.

Die Atmosphäre im Spiel könnte nicht dichter sein

Die Atmosphäre im Spiel könnte nicht dichter sein

Nach und nach bahne ich mir einen Weg durch das Anwesen und erfahre mehr über die Hintergründe und Geschehnisse. Nichtsahnend kommt der nächste Schreck. Ich zucke so heftig, dass mir die Maus aus der Hand fällt. Das ist neu. Aber ich lasse mich (noch) nicht aus der Ruhe bringen. Die Atmosphäre wird spürbar dichter, die Musik untermalt die düsteren Gänge phänomenal und ’schrecklich‘ intensiv. Ich frage mich, ob es eine Art Gegner im Spiel gibt, die man bekämpfen muss. Aber nichts da, das Spiel lebt von Schockmomenten und dem gnadenlosen Mindgame. Konnte ich mich die erste Stunde noch relativ souverän schlagen, kam nun der Moment wo ich wusste: nicht umdrehen! Der Adrenalinspiegel stieg aufs Maximum, ich konnte es dennoch nicht verhindern. Ich habe mich in meinem Leben noch nie selbst aus Angst so schreien gehört, wie in diesem Moment. Und das bei Tageslicht. Fuck.

Allein zuhause sollte man beim Anblick dessen lieber nicht sein

Allein zuhause sollte man beim Anblick dessen lieber nicht sein

„Alles wird gut, es ist nur ein Spiel!“, denke ich mir und schreite voran. Die Intensität legt nochmals einen Zahn zu, ich spüre, wie mein Herz rast und ich leicht zu schwitzen beginne. Was ist bloß los mit mir? Angst vor einem Videospiel? Never! Ich betrete die nächsten Gänge und erlebe einen Schreckmoment nach dem anderen. Mittlerweile habe ich zu zählen aufgehört, wie oft ich mich selbst fluchend beruhigen versuchte. Ich öffne die nächste Tür, langsam und vorsichtig. Meine Bewegungen haben mittlerweile Ameisentempo erreicht. Ich erwarte mir den nächsten Schock direkt ums Eck, doch er kommt nicht. Puh, Glück gehabt! Da drehe ich mich um und falle beinahe vom Sessel. Aus, vorbei! Ich pausiere das Spiel und atme durch. Ich verabschiede mich provisorisch von meinen Freunden per SMS. Sie lachen nur hämisch. Denen werd ich es zeigen!

Das fragt man sich öfters, wenn man sein Herz pausenlos rasen hört

Das fragt man sich öfters, wenn man sein Herz pausenlos rasen hört

Irgendwann hatte ich mich dann wohl daran gewöhnt und zumindest kleinere Schrecken konnte ich im weiteren Spielverlauf abwenden. Nach circa vier Stunden war der Spuk auch (endlich) vorbei; die Story interessant und mit netten Twists versehen. Das war es also; das Spiel, welches mich das Fürchten lehren sollte. Nun gut. Ich lege meine Kopfhörer ab, deinstalliere das Spiel, greife nach der Glücksbärchis-DVD und kuschle mich unter die Decke, leise flüsternd: „Alles wird gut, alles wird gut…“.

Fazit

Layers of Fear war eine unerwartete Überraschung. Die Horror-Spiele der letzten Jahre haben massiv an Qualität zugelegt und konnten mich des Öfteren aus der Fassung bringen; beispielsweise The Evil Within. Aber selbst dort gab es immer wieder ruhige Momente, die andauerten. Ganz anders hier. Es ist ein Trip, der ohne Abstriche das Maximum eurer Standhaftigkeit fordert. Anfangs kann das Spiel noch mit subtilen Momenten punkten, ehe es dann mit Verlauf des Fortschritts seinen Horror anders in Szene setzt und mehr mit dem Verstand spielt. Für mich persönlich wurde es zum Ende hin jedoch zu abgedreht, wodurch ich vielleicht auch nicht mehr die Schockmomente wie am Anfang hatte. Die kleinen Puzzle-Einlagen zwischendurch sind ganz nett, aber keine sonderlich große Herausforderung. Immerhin bleibt es ja ein Survival-Horror-Spiel und so dienen diese Szenen nur zur Ablenkung bis zum nächsten Aufschrei. Ingesamt ist Blooper Team ein wundervolles Horror-Spiel gelungen, das ich jedem ohne Abstriche empfehlen kann, der glaubt, eine Herausforderung dieser Art suchen zu müssen. Ich habe mich in meinem Leben jedenfalls noch nie so sehr angeschissen. Und ich bereue es nicht!

WERTUNG: 8.5/10

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

  • Michael Ferstl

    Ich hab die Preview auf der One gespielt und warte bis jetzt auf was gruseliges. Also entweder ist die Preview Version ein anderes Spiel oder ich bin komplett abgehärtet.

    • Die Wirkung eines solchen Spieles hängt natürlich immer von der eigenen Resistenz ab. Auch wenn ich die Preview nicht kenne, es wird im weiteren Verlauf des Spiels ganz anders. Der Anfang ist damit nicht zu vergleichen. //mp