Heroes of the Storm im Team-Review!

Am 2. Juni entsprang Heroes of the Storm endlich dem Beta-Stadium, wir haben uns Blizzards MOBA seit Beginn der Closed Beta zusammen und auch auf eigene Faust angesehen, gejubelt und geschrien. Wie gut es also geworden ist und für welchen Spielertyp HotS sich eignet, klären wir im Team.

Christoph, der gelegentliche MOBA-Spieler. Liebt und hasst das Genre gleichermaßen:

League of Legends. Kein anderes Spiel habe ich häufiger de- und installiert als „DAS“ MOBA auf dem Markt. Es war ein ständiges Auf und Ab, ein lästiges Hin und Her. Faszination und Würgereiz, Luftsprünge und Wutanfälle. Bis dato lagen solche Emotionen noch nie so nah beieinander und genau das führte zu dieser Hassliebe. Heroes of the Storm sollte es nun richten. Der Ansatz, alles ein wenig entspannter anzugehen, mit 20-30 Minuten kürzere Partien zu etablieren, den Last-Hit abzuschaffen und vor allem Erfahrungspunkte zu teilen, holten endlich das Team in den Mittelpunkt. Das funktioniert auch erstaunlich gut auf, ohne ein Zusammenspiel aller ist das Spiel schon fast verloren. Ich hatte das Glück auf meinem Weg hin zur Helden-Höchststufe 40 immer mit Freunden zu spielen, so konnten wir gemeinsam die sieben unterschiedlichen Karten und Spielmechaniken, und diese sind letztendlich entscheidend, sowie die genialen Charaktere aus den Blizzard-Universen in mehr als 230 Partien kennenzulernen, zu meistern und zu siegen.

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Und was soll ich sagen? Blizzard hat das Casual-MOBA für Zwischendurch erschaffen und spricht mit den Charakteren ebenso StarCraft- als auch Diablo– oder WoW-Spieler an. Warum nicht also mal kostenlos reinschnuppern und seinen Videospielliebling auf eine andere Art und Weise kennenlernen? Blizzard, I see what you did there! Im Gegensatz zu LoL bietet HotS durch die sieben unterschiedlichen Maps einiges mehr an Abwechslung: Jede Map besitzt nicht nur ein anderes Settings, auch die Mechanik ist unterschiedlich. Mal sammeln wir Münzen, um sie einem Kanonenkugel-speienden Piraten zu übergeben, ein anderes Mal beschwören wir durch eingesammelte Totenköpfe ein für uns kämpfendes Monster, das auf die Verteidigungswälle der Gegner eindrescht. Neben dieser Kernaufgabe, sind auf der Karte viele kleinere Camps verstreut, die zwischendurch und in kleineren Teams gesäubert werden sollten, um zusätzlichen Druck aufzubauen.

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Das alles wird im bekannten comichaft-anmutenden Grafikstil Blizzards verpackt, mit einem fairen Free-2-Play-Konzept versehen und schon stehen euch nette Stunden bereit. Sollte das euer Anspruch an ein MOBA sein, dann nichts wie rein in das Gefecht! Wenn nicht, hört euch die Meinung meiner Kollegen an, denn insbesondere in der weiteren Charakterentwicklung schränkt HotS die Spieler (bewusst) ein, das könnte einigen wiederum missfallen.

Alex, der Mann, der für dieses Genre offenbar nicht geschaffen ist:

Ich habe tatsächlich jedes Blizzard Game gespielt, dass es auf diesem Planeten je gegeben hat und fast alle davon habe ich geliebt – den MOBA-Hype mache ich aber auch mit Heroes of the Storm nicht mit. Schon bei WarCraft III haben mir die Duelle mit Menschen (PvP) nicht mehr so viel Spaß gemacht wie noch im Vorgänger bzw. in StarCraft. So verstehe ich die Faszination hinter dem 5vs5 Gedanken zwar, kann mich von ihm aber nicht gefangen nehmen lassen. Das liegt sicher nicht an den von mir über die Jahre lieb gewonnenen Figuren, die mir hier abwechselnd aufgetischt und passend in das Spielkonzept gequetscht werden, oder auch an der Blizzard-typischen Comic-Optik. Viel mehr kann ich mit dem Konzept an sich nicht viel anfangen. Dieses minutenlange herumtänzeln, bis es Sinn macht anzugreifen, diese automatisch generierten Truppen, die ebenfalls nur den Sinn haben das Spiel zu verzögern und die gegen Ende ewig werdenden Wartezeiten. All das macht mich einfach nicht an.

Da kommt es verstärkend hinzu, und da widerspreche ich gern dem Kollegen, dass ich das Preismodell für überzogen halte (10 Euro für ein Unicorn?) und sich mir das Balancing wohl erst nach mehr Zeit im Spiel erschlossen hätte. Heroes of the Storm macht seine Sache uns eine einsteigerfreundliche Version in das aktuell so erfolgreiche Genre zu bieten sicher nicht schlecht, mir selbst fehlt es aber an der Motivation mich in dieses kompetitive Gameplay einzuarbeiten. Dafür bietet mir das Spiel insgesamt zu wenig. Für mich wird die Abkürzung Hots deshalb weiterhin für Heart of the Swarm stehen, auch weil ich schon sehnsüchtig auf das letzte Kapitel der StarCraft 2 Trilogie warte – Legacy of the Void. Ich weiß, andere Baustelle, aber meine Baustelle ;).

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Blex, der erstaunlich indifferent ist

Im Normalfall wäre ein Ding wie Heroes of the Storm ein gefundenes Fressen für mich, um mal wieder großkalibrig auf die Industrie hinzurotzen: Ein free2play-Spiel, in dem es aber (ohne eine Zeitmaschine für mehr Zeitressourcen) schier unmöglich ist, brauchbare Charaktere freizuschalten. Team-Level, damit auch der letzte Honk mitzocken kann. Die von Kollegen Alex erwähnten Einhörner für 10 (ZEHN!) Euro, die einfach nix bringen. Und über die (geschichtstechnische) Sinnhaftigkeit, sämtliche Blizzard-Charaktere in einem Spiel zusammenzuführen, nur um auch wirklich jeden Fan aus seiner kleinen Ecke abzuholen, kann man garantiert auch ein wenig streiten. Aber: Ich find’s komischerweise okay.

Ich weiß nicht, was Blizzard in dieser Hinsicht mit mir anstellt, aber Mechaniken, die anderswo katastrophale Brechreize in meinem Spielerzentrum auslösen, lassen mich hier kalt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Rest des Spiels sehr gut balanciert ist und sowohl für Neueinsteiger ins Genre als auch Veteranen Relevantes bietet, selbst ohne große Massen an Geld gegen den Monitor zu werfen. Wer auf einem flammenden Regenbogeneinhorn in die Schlacht reiten will, kann das natürlich machen, muss aber ordentlich dafür löhnen. Das ist nun mal die free2play-Kultur, die wir uns als Spieler in den letzten Jahren gezüchtet haben, und es ist wohl an der Zeit, dass wir das auch so akzeptieren.

Was hinter der free2play- und Comic-Fassade von HotS bleibt ist ein überdurchschnittliches MOBA – nicht mehr, aber definitiv auch nicht weniger. Ich persönlich werde wohl hin und wieder eine Runde mit Freunden darin drehen, schon alleine um mit Diablo der alten Kerrigan auf die Mütze geben zu können. Ein neues WarCraft, in das Stunden, Tage und Wochen meiner Lebenszeit fließen, ist es jedoch nicht. Schuh an Blizzard, hört ihr meinen Wunsch?

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Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.