Halo Wars 2

Im Echtzeit-Strategie-Genre gab es bislang eher wenige Vertreter auf den heimischen Konsolen. Nun setzt Microsoft mit Halo Wars 2 dem langen Warten aber ein Ende.

Wer kann sich noch an das Jahr 2000 erinnern, als Starcraft 64 das Licht der Konsolenwelt am Nintendo 64 erblickte? Wohl nur die Wenigsten. Echtzeit-Strategie; kurz: RTS; war und ist immer noch die Stärke des PC-Marktes. Vorwiegend aufgrund der komplexen Steuerung, welche sich nur schwer auf einen handelsüblichen Konsolen-Controller übertragen lässt. Aber spätestens seit Diablo III auf Konsolen fremd gegangen ist und sich bewährt hat, sollten Kritiker verstummt sein. Denn nicht nur Halo Wars hatte 2009 schon bewiesen, dass es kein Ding der Unmöglichkeit ist, RTS auf die Heimkonsole zu bringen, sondern auch schon viele andere Vertreter davor (wie beispielsweise Battalion Wars, Command & Conquer oder auch RUSE). Nun erscheint endlich der lang ersehnte zweite Teil der Halo Wars Saga und dank Xbox Play Anywhere nicht nur am PC, sondern auch auf der Xbox One.

Halo Wars 2

Halo Wars 2 bietet ein sehr familiäres Bild für Halo-Fans. Warthogs und Banshees düsen über das Spielfeld und auch die bereits bekannten Spartans sind wieder mit an Bord. Nur dass es diesmal eben eine etwas andere Art von Spiel ist. Die Story – um das gleich vorweg zu nehmen – ist Flach wie eine Scheibe Brot. Aber das macht nichts, denn primär liegt der Fokus ja auch auf den Kämpfen. Dennoch dreht sich die Geschichte um euer Schiff, die Spirit of Fire und dabei kann eine Figur ganz besonders glänzen: der Cortana-Ersatz namens Isabel. Sie ist eine der emotionalsten Charaktere im Spiel. Alle anderen sind weniger euphorisch und mehr aufs Kämpfen aus. Gut so. Die Cutscenes zwischen den einzelnen Missionen, welche die rund achtstündige Story erzählen und von denen es insgesamt zwölf an der Zahl gibt, sind kaum von Filmszenen mit echten Schauspielern zu unterscheiden. Hier blieb mir einige Male der Mund offen stehen. Weniger oft dafür im Spiel selbst, dieses bedient sich einer recht schlichten und zweckdienlichen Grafik, aber auch eines sehr einfachen Gameplays.

Halo Wars 2

Wo StarCraft eher auf Schnelligkeit und Taktik ausgelegt ist, verlangt euch Halo Wars 2 nichts weiter ab, als das zu tun, was quasi von euch verlangt wird. Ihr baut auf vorgegebenen Basen eure Gebäude und erntet dadurch Ressourcen, welche wiederum neue Gebäude und Kämpfer ins Geschehen bringen. Ihr könnt von normalen Marines bis hin zu mit Flammenwerfern ausgestatteten Robo-Mechs, sowie diversen Fahrzeugen und auch Flugvehikeln eure ultimative Armee zusammenstellen und in den Kampf ziehen. Die Kampagne leitet euch mit gewissen Hauptaufgaben sowie Nebenquests pro Mission durch das Spiel, welche am Ende alle unterschiedlich viele Punkte abwerfen und Medaillen sowie Kartenpacks freischalten. Einen schönen Boost kann man während der Missionen noch durch die Anführer-Fähigkeiten erlangen, welche mit einem Cooldown ausgestattete Angriffe auslösen. Beispielsweise einen Raketenbeschuss oder Minen von oben, sollte die Situation mal brenzlig werden oder auch einen EMP, sowie Marines auf Abruf. Alles in allem ein nicht zu tiefgreifendes, aber dennoch unterhaltsames Spielprinzip, welches vor allem jenen gefallen wird (mir eingeschlossen), die StarCraft zu hektisch finden oder denen das Halo-Universum einfach mehr zusagt.

Halo Wars 2

Die Steuerung am PC ist eingängig und gut gelöst. Am Controller hat man das ebenfalls sehr gut umsetzen können, aber in den meisten Situationen kann man seine Kommandos einfach nicht so schnell wie gewollt eingeben, weshalb ich das Spielen am PC bevorzugt habe.

Die vorhin angesprochenen Kartenpacks schaltet ihr übrigens für den Blitz-Modus frei. Dieser Modus basiert weniger auf Taktik als auf Glück und der Stärke eures Kartendecks. Anstatt Ressourcen zu farmen und Einheiten zu bauen, spielt ihr einfach die dementsprechenden Karten, um diese ins Spiel zu holen. Blitz ist ein schneller und lustiger Modus für Zwischendurch, durch den Glücksfaktor aber nicht immer nervenschonend.

Abschließend sei noch der kooperative Ableger von Blitz erwähnt, Firefight, den ihr aber auch alleine spielen könnt. In diesem Modus kämpft ihr gegen eine stetig ansteigende Anzahl an Widersachern an, die euch nicht nur zu überrennen versuchen, sondern auch zwei der drei Punkte auf der Map einnehmen wollen. Dieser ist perfekt für die Kartenmechanik und wird euch sicherlich einige Stunden lang unterhalten. Für Zwischendurch ist es jedenfalls immer eine Runde wert.

Fazit

Halo Wars 2 hat mich als StarCraft-Noob sehr gut unterhalten und war auch angenehm zu spielen. Mein Problem bei StarCraft ist einfach, dass es mir zu hektisch ist und man, um besser zu werden, unzählige Stunden reinstecken muss, ohne etwas anderes nebenher spielen zu können. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Es gibt aber auch in Halo Wars 2 diverse Multiplayer-Szenarien, die ihr mit all eurer Freizeit zuschütten könnt. Diese haben mich jedoch kalt gelassen. Wer also ein tiefgründiges Review dazu sucht, der ist leider bei mir falsch. Wer Einzelspieler- oder kooperative Unterhaltung für die Couch sucht, aber absolut richtig. Denn genau dieser Zielgruppe kann ich das Spiel wärmstens empfehlen.

WERTUNG: 8/10

Wir bedanken uns bei Xbox Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at