Halo 5 – ein Fa(n)zit

Wenn dich eine Spieleserie einmal 15 Jahre begleitet, dann schreibst du darüber keinen objektiven Text mehr. Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich euch kurz vor dem Release des fünften Teils an meinen Erlebnissen mit Team Osiris und Team Blue teilhaben lassen. 

Ich galt in der consol.AT-Redaktion lange Zeit als Hater was die Halo-Serie betrifft. Das stimmte aber nie. Ich habe nur die wirr erzählte Story nie verstanden. Ok, diese Liebesgeschichte zwischen dem grünen Helmträger und der weiblichen künstlichen Intelligenz ohne BH war schon ein cooler Fetisch, aber sonst war mir das Ableben diverser Nebencharaktere immer mehr als egal. Storytelling war einfach nie der Schwerpunkt der Serie, die bis heute fünf Hauptteile, mehr oder weniger spannende Seitenarme (Reach, Wars, ODST), zwei „Mobile-Games“ (Spartan Assault, Spartan Strike) und zwei Remakes (Combat Evolved Anniversary, The Master Chief Collection) verpasst bekommen hat. Um die Geschichte rund um die „Halos“, den Arbiter und die Forerunners zu verstehen, musste man allerdings in Foren unterwegs sein oder die gleichnamigen Bücher lesen. Macht ja nix, Halo spielte man ja primär deshalb, weil es einfach der am besten zu steuernde Shooter auf Konsolen war – mittlerweile gibt es zumindest Destiny (auch von Entwickler Bungie) auf Augenhöhe.

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Nathan Fillion darf eine der vielen Nebenrollen im Spiel übernehmen und liefert auch ein paar unterhaltsame Zeilen.

Mit Halo 5 lässt 343 Industries nun die Fortsetzung zum mittlerweile bereits drei Jahre alten Halo 4 auf uns los. Die Story hab ich in dieser Zeit natürlich schon wieder vergessen, aber die Entwickler schaffen es, mich trotzdem schnell in die Sci-Fi-Welt zu ziehen. Top Zwischensequenzen lenken mich schnell davon ab, dass der Master Chief diesmal nur eine von vielen Hauptrollen spielt. Zumindest findet man sich immer in der Haut von Spartanern wieder, die in zwei Vierergruppen (Team Osiris & Team Blue) auf die Suche nach Cortana gehen – ihr wisst schon, die künstliche Intelligenz ohne BH. Das Team-Feature hat den Hintergrund, dass man die komplette Kampagne, ca. 10h lang, mit bis zu drei Freunden durchspielen kann. Top! Habt ihr gar nicht so viele Freunde, dann übernimmt die KI (hat diesmal nichts mit einem BH zu tun) die verbleibenden Figuren. Figuren trifft es dabei sehr gut, denn obwohl manche ein paar Zeilen sprechen dürfen und mit Nathan Fillion (Firefly, Castle) auch ein bekanntes Gesicht dabei ist, bleiben die Figuren platt. Eine Krankheit der Serie – I’m sorry.

Spielerisch wird Bekanntes geboten. Zwei Waffen können getragen, kein dual-wielding, und ein paar Granaten zusätzlich eingesteckt werden. Munition ist knapp, was euch zu oftmaligem Waffenwechsel zwingt. Schade, denn so habe ich kaum die Standardwaffen der UNSC benutzt, sondern bin regelmäßig mit (zum Teil cool designten) Alienwaffen auf die Jagd gegangen. Die Gegner sind zum Großteil bekannt und so warten nur wenige Überraschungen auf Kenner der Serie. Auch Gefährtetechnisch darf und muss man mit vielen Deja-vu’s rechnen. Die einzige wirkliche Neuerung ist die Möglichkeit durch bestimmte Teile von Gebäuden oder Felsformationen mit einer gezielten Dash-Attacke zu springen. Das ermöglicht in manchen Levels neue Pfade, die das sonst sehr lineare Design ein wenig aufbrechen.

Ein Video mit Gameplay tauchte kurzfristig auf youtube auf.

Ein Video mit Gameplay tauchte kurzfristig auf youtube auf.

Wie in Gears of War geht ihr bei zu vielen eingesteckten Treffern zu Boden und könnt dann von euren Kameraden „wiederbelebt“ werden. Das funktioniert auch mit der KI (nein, nicht die nackte!) ganz gut, auf höheren Schwierigkeitsgraden empfehlen wir allerdings menschliche Mitspieler. Neuerungen wie Level ups, Perks oder ähnliches sucht man serientypisch vergebens. Wie das kommende Battlefront hat man das Gefühl, spielerisch einen Shooter aus den 2000ern zu spielen. Auch die Spannungskurve wabbelt ein wenig vor sich hin, auch wenn in spannenden Situationen praktisch immer Zwischensequenzen für einen erhöhten Puls sorgen. Das Spiel selbst plätschert auf hohem Niveau vor sich hin. Wunderschöne und abwechslungsreiche Hintergründe, spielerisch interessante Auseinandersetzungen, aber eine emotionale und Michael-Bay-ähnliche Explosions-Achterbahnfahrt wird es nie. Das stört mich, eingefleische Halo-Fans werden das aber verzeihen. Es war bis auf wenige Momente nie anders.

Aber was heißt das jetzt? Mauzt der Amon wieder rum und zeigt endlich sein wahres Hater-Gesicht? Mitnichten. Ich habe fast jede Minute des Spiels genossen, sei es weil ich Spartaner einfach cool finde, das Gameplay einfach souverän top ist oder die Gefechte immer fordernd waren. Über das Ende darf und möchte ich euch nichts verraten … deshalb kann ich hier wirklich nix schreiben. Gnargl. Schaut einfach selbst. Mein Fazit ist, dass ihr den Kauf nicht bereuen werdet. Ich bin nach meinem ersten Durchgang sofort motiviert, mit Freunden auf einem höheren Schwierigkeitsgrad neu zu starten. Klar, ein paar Kleinigkeiten stören mich und ein bisserl epischer hätt ich es mir gewünscht, aber wer emotional auch nur mit einer Faser seines Spielerkörpers Halo-Fan ist, der wird mit Halo viel Freude haben – und dabei hab ich noch gar nicht den Multiplayer-Modus gespielt. Der wird aber sicher auch gut, war er meiner Meinung nach doch immer auch Zugpferd für die Serie (Halo 3 ftw!). Ich mach da aber auch nochmal einen Update-Artikel in den nächsten Wochen und der Kollege McPölzl durfte auf einem Halo-Event schon mal reinschauen.

Fazit

Gratulation 343. Ihr habt mit Halo 5 einen würdigen Einstand auf der Xbox One geschafft und mir eines der spielerischen Highlights im Jahr 2015 beschert. Danke dafür. Jetzt dürft ihr auch in spätestens zwei Jahren die Fortsetzung bringen. Ihr wisst warum!

Zielgruppe:

– Halo Fans und all jene, die schonmal was im Halo-Universum zu tun hatten
– Freunde von unkomplizierten Shootern
– Leute, die gerne Exklusivtitel spielen
– Science Fiction (Nathan Fillion) Anhänger

Keine Zielgruppe:

– Neueinsteiger haben es schwer den Geschehnissen auf dem Bildschirm zu folgen. Wem das egal ist, findet zumindest einen guten Shooter vor.
– Hater

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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.