Gruselstunde mit Chris und Jill – Teil 1

Gute Horrorspiele sind dieser Tage wirklich rar geworden. Zwar lassen auf den ersten Blick unscheinbare Perlen wie Until Dawn oder The Evil Within aufhorchen, aber eine Spieleflut wie im Shooter-Genre darf man sich dennoch nicht erwarten. Da freut es den Genre-Fan umso mehr, dass mit der Resident Evil Collection die Ursprünge der Kult-Spieleserie in schickem HD-Gewand neu aufgelegt wurden.

Wir schreiben den 24. Juli 1998. Das S.T.A.R.S. Team wird losgeschickt, um den mysteriösen Mordfällen im Spencer-Anwesen nachzugehen, welches nicht weit von Raccoon City in einem Waldstück steht. Nachdem der Kontakt zum vorgeschickten Bravo-Team abgerissen ist, rückt das Alpha-Team, angeführt von Albert Wesker, nach, um das Verschwinden des restlichen Teams zu klären. Am Ort des Geschehens angekommen, finden sie den abgestürzten Helikopter von Team Bravo und werden kurz darauf von abscheulich verunstalteten Hunden angegriffen. Ein Mitglied des Teams wird angefallen und getötet, wodurch der Pilot des Alpha-Team-Hubschraubers panisch alleine davonfliegt. Kläglich zurückgelassen stürmen die restlichen Mitglieder (Chris Redfield, Jill Valentine, Albert Wesker and Barry Burton) in das nahe gelegene Anwesen, um Schutz zu suchen, ehe sie dort bemerken, dass etwas ganz und gar nicht stimmt.

Die restlichen Mitglieder des S.T.A.R.S. Alpha-Teams glauben noch daran, Schutz im Anwesen gewunden zu haben.

Die restlichen Mitglieder des S.T.A.R.S. Alpha-Teams glauben noch daran, Schutz im Anwesen gewunden zu haben.

Nun, wer die Geschichte von Resident Evil noch nicht kennt, ist entweder zu jung, um sie Anno 1996 auf der PlayStation erlebt zu haben oder erlebt haben zu dürfen. Oder aber, es bestand absolut kein Interesse an Horror-Spielen. Alles legitime Gründe, aber zumindest für die ersten beiden faulen Ausreden gibt es jetzt Abhilfe. Nach dem bereits 2002 erschienenen Remake für den GameCube steht uns nun ein weiteres ins Haus. Nintendos violetter Würfel konnte zwar dazumal damit prahlen, war aber von HD so weit entfernt, wie Apple heutzutage von neuen Innovationen. Dennoch diente diese Version als Vorlage für die glorreichen Neuauflagen für aktuelle Heimkonsolen. Außer der Wii U natürlich, versteht ihr die Ironie?

Der Grund, warum ich persönlich niemals ein Resident Evil länger als eine Stunde spielen konnte, war nicht mein viel zu junges Alter (come on, wer hat jemals auf die Altersbeschränkung geachtet?), sondern die verfluchte Panzer-Steuerung, die auch Lara Croft in Tomb Raider damals schon richtig unsexy wirken hat lassen. Super Mario 64 hat vorgemacht, wie sich eine Spielfigur im 3D-Raum zu steuern hat und damit auch eine Revolution in Spielen eingeführt. Resident Evil hingegen blieb der behäbigen Steuerung noch viele weitere Jahre treu, bis dann Resident Evil 4 am GameCube (Again. Irony. Can you feel it?) eine weitere Ära in der Videospielgeschichte einläutete, die heutzutage nicht mehr wegzudenken ist: die „Over-the-shoulder“-Kamera. Aber genug des Geschichtsunterrichts, jetzt mal Tacheles: Panzer-Steuerung ist nicht mehr! Party hard!

Das (optionale) Wegfallen der Panzer-Steuerung ist ein Segen. At last.

Das (optionale) Wegfallen der Panzer-Steuerung ist ein Segen. At last.

Das HD-Remake wartet also mit Alternativer Steuerung auf euch, die den Charakter am Bildschirm in die Richtung schickt, wo man den Control-Stick hin bewegt. Nostalgiker können jedoch auch der originalen Steuerung treu bleiben, warum auch immer. Neben der Auswahl zwischen 16:9 und 4:3 Bildschirmverhältnis gibt es auch die Option, Defensivwaffen automatisch einzusetzen, solltet ihr von einem Zombie angefallen werden und ihr könnt obendrein von Anfang an aus alternativen Kostümen für Chris und Jill wählen.

Zwischen diesen beiden Protagonisten müsst ihr dann anfangs auch wählen und könnt die Geschichte auf unterschiedlichste Weise erleben. Regt zumindest neben den acht unterschiedlichen Enden zum Wiederspielen an. Sonst ist das Rezept gleich geblieben: Ihr schlendert durch das Anwesen und löst dabei verschiedene Rätsel, findet Items, setzt diese irgendwo ein, tauscht sie aus oder kombiniert sie. Beim ersten Zombie scheißt ihr euch dann dezent an und alles ist gut. Der Nostalgiehammer schlägt hier gnadenlos zu und zu jedem Zeitpunkt im Spiel kommt richtig gute Atmosphäre auf. Klar nervt es, dass man nur 6 Items mit Chris bzw. 8 Items mit Jill mit sich führen kann und dass man Speicherbänder für Schreibmaschinen benötigt, die es so gut wie nirgendwo zu finden gibt, um seinen Spielstand zu speichern. Aber wisst ihr was: genau das macht den Reiz aus!

Albert Wesker mit seinem Team auf der Suche nach Team Bravo.

Albert Wesker mit seinem Team auf der Suche nach Team Bravo.

Ich ertappe mich dabei, wie mir mulmig wird, wenn ich wieder mal quer durchs Anwesen muss, um den Raum zu lösen, für welchen ich nun die passende Lösung parat habe. Nicht, weil der lang scheinende Weg mich stört, sondern weil ich nicht weiß, wie viele Zombies mich am Weg vernaschen wollen. Der Horror im Spiel funktioniert auch 2016 noch und das ist ein Zeichen dafür, dass das Spiel gut gealtert ist. Zumindest, wenn ihr gerade jemand seid, der die 90er erlebt hat. Die Call-of-Duty-Generation wird wohl herzlich wenig mit dem Spiel anfangen können. Machen wir uns nichts vor: Objektiv gesehen ist das Spiel veraltet. Sämtliche Elemente im Spiel würde man heute nicht mehr zum Einsatz bringen. Dennoch haben sie den Weg für Neues geebnet.

Fazit

Ich wollte das Remake eigentlich nur kurz anspielen und wurde stundenlang vor der Konsole gefesselt. Selbst, wenn fast jeder auf Remakes wütet und es viele nur müde belächeln, mit bis dato bereits mehr als einer Million verkauften Einheiten, geben die Verkaufszahlen Capcom recht. Und ich? Ich freue mich schon auf Teil 2 unserer Gruselstunde, dann mit Resident Evil Zero.

NOSTALGIEHAMMER-WERTUNG: 9/10

Wir bedanken uns bei Capcom für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at