Gravity Rush 2 – Ready to takeoff!

Nach Kat’s erstem gravitations-freien Ausflug steht nun Teil zwei in den Startlöchern. Drei, zwei, eins, abheben!

Fortsetzungen. Ein unglaublich unbeliebter Begriff in meinem Wortschatz. Hollywood hat wohl die meiste Schuld daran, indem man endlos hohe Nummern an das Ende bekannter Titel schreibt oder kultige 80er-Schinken neu auflegt und somit viele Fans verärgert, nur um ein paar Dollar mehr zu ernten – und die Gaming-Branche hat das eiskalt übernommen. Jährlich erscheinende Fortsetzungen sind mittlerweile ebenso flach und langweilig, wie die meisten Reboots. Schlechte Vorzeichen also für Protagonistin Kat und ihren Gravity Rush 2. Aber Ausnahmen bestätigen doch die Regel, nicht wahr?

Kat ist zurück und teilt wieder ordentlich aus!

Kat ist zurück und teilt wieder ordentlich aus!

Gravity Rush war einst ein Spiel für die PS Vita. Fragt man heutzutage Sony nach dieser Konsole, wird nur ein verdutztes „bitte was?“ zurückkommen. Die PS Vita existiert schlichtweg nicht und hat sie auch niemals. Aber einige Perlen gab es dann ja doch auf den verdrängten vergessenen Handheld und PS4-Besitzer können sich glücklich schätzen, dass ein paar davon ein HD-Remaster erfahren haben. So auch Teil eins von Kat’s Abenteuern und das ziemlich beeindruckend, wie ihr hier lesen könnt. Gravity Rush 2 baut auf dem auf, ändert die Formel jedoch nicht allzu sehr.

Wie es das Unglück so will, seid ihr mit eurem Partner Syd in einen Gravitationssturm geraten. Wie es jedoch der Zufall so will, landet ihr in einer Siedlung, die eure Hilfe benötigt. Doch erst mal heißt es: sich akklimatisieren. Und das fällt schwerer als gedacht, denn die Bewohner der Siedlung müssen gegen ihren Willen das geldbringende Erz abbauen. Irgendwas ist faul an der Sache und unsere Protagonistin möchte dem auf den Grund gehen. Doch durch den Verlust von Dusty, ihrer Katze, kann sie die Gravitation nicht mehr manipulieren und muss sich wohl oder übel dem demotivierenden Treiben fügen. Nach und nach lernt ihr die Siedlung Banga und deren raue Anführerin Lisa besser kennen und geht nicht nur der Geschichte eurer neuen (temporären) Heimat, sondern auch der eurer neu gewonnenen Busenfreundin auf den Grund.

Nur nicht den Kopf verlieren. Oftmals kann es sein, dass ihr nicht mehr wisst, wo oben und unten ist.

Nur nicht den Kopf verlieren. Oftmals kann es sein, dass ihr nicht mehr wisst, wo oben und unten ist.

Nachdem uns Gravity Rush 2 einen unglaublich langweiligen und trägen Einstieg präsentiert, geht es nach rund 60-90 Minuten endlich zur Sache. Träge und langweilig deshalb, weil Teil zwei sich exakt so steuern, wie Teil eins und es für alte Haudegen nichts Neues zu lernen gibt. Es ist ein Tutorial, das abgespult werden muss, ob man will oder nicht. Dann ist eines aber klar: Kat will zurück nach Hekseville, wo sie herkommt und das so schnell wie möglich, denn die Nevi (bereits bekannt aus Gravity Rush) treiben noch immer ihr Unwesen.

Um das zu erreichen müsst ihr eine Reihe von Quests erledigen, die auf eurer Map erscheinen. Gravity Rush 2 strahlt dabei ein wenig Open-World-Feeling aus, da es viel mehr Side-Quests zu finden gibt, als jene, die euch in der Haupt-Story weiterbringen. An allen Ecken und Enden gibt es kleine Aufgaben, die recht unterhaltsam sind. Zumindest anfangs, denn nach einer gewissen Zeit wiederholen sich diese oder haben den fahlen Beigeschmack von „Füll-Quests“, um die Spielzeit künstlich zu verlängern. Viele der Aufgaben sind oft auf den ersten Versuch nicht klar oder simple „du musst X finden“-Spielchen, die oftmals auch einen nervigen Charakter haben. Wie dem auch sei, einen Preis für ausgefallene Quests gewinn Gravity Rush 2 leider nicht.

Der Foto-Modus darf natürlich nicht fehlen

Der Foto-Modus darf natürlich nicht fehlen

Dafür kann das Spiel in Sachen Farbenpracht, Story-Telling sowie dem Soundtrack punkten. Das Spiel sieht fabelhaft aus und geizt nicht mit wunderschönen Panoramen. Die Story bietet zwar keine (für uns verständliche) Sprachausgabe, ist jedoch wieder im Comic-Stil gehalten. Kästchen für Kästchen wird die Geschichte vorangetrieben, hin und wieder auch in animierter Form. Der Soundtrack ist eine perfekte Untermalung des Geschehens. In jeder nur erdenklichen Situation fällt es einem eingängig auf, wie unglaublich stimmig der Moment ist.

Auch einige Neuerungen bringt das Sequel mit sich. So könnt ihr nun ein paar neue Attacken zu den bereits bekannten erlernen und alle anderen wieder mit gesammelten Edelsteinen upgraden. Der Foto-Modus lässt euch ein Selfie schießen und ihr könnt besagten Schnappschuss online einreichen, um ihn bewerten zu lassen. Dafür gibt es genau so Belohnungen, wie für andere Fotos. Nämlich die, der versteckten Schätze. Habt ihr einen davon im Spiel gefunden, könnt ihr ein Foto vom Fundstück und der Umgebung schießen, um anderen Spielern einen Tipp zu geben. Schafft es ein Spieler durch euch den Schatz zu finden, regnet es wieder Goodies. Ihr erhaltet übrigens Fotos am laufenden Band, keine Sorge.

Raven ist eine wertvolle Verbündete von Kat

Raven ist eine wertvolle Verbündete von Kat

Auch nicht zu vergessen sind die Talismane, die euch einen passiven Boost geben. Diese sind zwar optional, stärken euch jedoch auf eurem Abenteuer ein wenig. Soll ja nichts Schlechtes sein. Übrigens ist die Spielwelt diesmal mehr als doppelt so groß, wie noch im ersten Teil. Wir wollen zwar nicht zu viel verraten, aber unter und über den Wolken verstecken sich die ein oder anderen Wow-Momente. Dennoch tut das dem Spiel nicht immer gut, da man nun auch weitere Wege hat und es manchmal das Tempo aus dem Spiel nimmt. Dennoch etwas, das einen immer wieder ins Staunen bringt.

Fazit

Den ersten Teil hatte ich fast am Stück verschlungen, nachdem dieser als PS4-Remaster erschienen ist. Auf der PS Vita war ich zwar angetan, aber hatte Schwierigkeiten damit. Sonys Heimkonsole ist eben doch der perfekte Ort für Kat’s Abenteuer. Was Gravity Rush so stark gemacht hat war, dass die Story und Erzählung gepaart mit guten Missionen einfach gepasst hat und mal etwas anderes war. Gravity Rush 2 hingegen konnte mich im Vergleich nicht ganz so fesseln. Mir sagte das Gesamtpaket des Vorgängers insgesamt einfach mehr zu. Viel zu viele Missionen hatten mich dazu veranlasst, meine Spielsession zu unterbrechen, weil sie mir nicht sinnvoll oder unterhaltsam vorkamen. Vom Rest hingegen war ich schlichtweg begeistert. Wenn mich jemand nach meiner Meinung zu diesem Titel fragt, dann müsste ich mit gemischten Gefühlen antworten. Es ist keinesfalls ein schlechtes Spiel, aber vom Hocker hat es mich leider auch nicht gehauen.

WERTUNG: 8/10

Wir bedanken uns bei Sony für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at