Games sind in der #Mitte angekommen …

Endlich vorbei. Meine 14. Gamescom, ich war tatsächlich auf jeder einzelnen, war anstrengend aber auch wunderschön. Mein Fazit: Games sind in der Mitte angekommen. Warum ich diesen mir so verhassten Spruch als Überschrift nutze, erkläre ich in den folgenden Zeilen.

Einmal im Jahr berichten alle über dieses verrückte Hobby „Videospiele“. Sender, Zeitschriften und Radiostationen, die die Thematik ein ganzes Jahr nicht einmal mit dem Selfiestick berühren würden, erzählen uns über diese „Ballerspiele“, die „verrückt Verkleideten“ und den enormen Umsatz, den diese Branche mittlerweile macht. Jedes Jahr aufs Neue fühle ich mich in dieser Zeit, als wär mein Hobby Curling oder Synchronschwimmen während den Winter- bzw. Sommerspielen. Medien zeigen auf uns, wie die Mädchen, die während meiner Schulzeit auf mich gezeigt haben. Schau, der Typ spielt Videospiele. Igitt.

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Knapp 30 Jahre später ist es besser geworden. Satireseiten berichten immerhin über diesen verrückten Klemptner Mario  und Bayern2 stellt sich mit Fans in die unendlichen Warteschlangen bei Call of Duty. Auch wenn ich teilweise bezweifeln möchte, dass sich die 50% der Menschheit, die sich auch den Rest des Jahres nicht für Games interessieren, diese Artikel durchlesen werden, zumindest handelt es sich dabei nicht um einen bezahlten Spot, den man sonst übers Jahr, speziell kurz vor dem Weihnachtsgeschäft, breit verteilt sieht. Aber auch diese werden gelesen. Wird das neue FIFA wirklich wieder das beste aller Zeiten? Gibt es dieses Jahr bei Assassin’s Creed endlich eine spielerische Überraschung? Welches Mario-Game hat Nintendo dieses Jahr zu bieten?

Während die 50% der Menschheit, die sich das ganze Jahr für Games interessieren, die verbleibenden 11,5 Monate über 8GB Patches, unfaire DLC-Politik und die nächste Release-Verschiebung ärgert, ist in dieser Woche alles super. Neuankündigungen, Goodies für Fans und Journalisten und einmal mehr unzählige Redaktionen, die auf den Hype VR-Brillen aufspringen. Auch in sechs ORF-Beiträgen (TV Station in Österreich), in einem davon ist auch meine Wenigkeit kurz zu sehen, ist Virtual Reality der nächste große Shit. Klar, wie viele Multiplayer-Maps das neue Halo hat, ist für eine Nachrichtensendung nahezu unerheblich. So mittig sind wir dann doch noch nicht. Und bei diesem VR kann man zumindest immer einen Typen mit so lustiger Brille zeigen und dem Zuseher vorschwärmen, wie immersiv diese Erfahrung ist und wir nah dem Holodeck aus Star Trek kommen – Star Trek ist ja fast wirklich schon Allgemeinwissen, oder? Aber war dieser Hype mit den Brillen nicht letztes Jahr auch schon da? Und das Jahr davor? Gut, mittlerweile gibt es nicht mehr nur zwei, sondern gleich fünf Hersteller von solchen Brillen. Da wird auch ordentlich Marketing-Budget dahinter sein. Darf man in jedem Fall hoffen.

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Quelle: Polygon.com

Die Frage ist ja, sind TV und Radio wirklich noch die Meinungsbildner der Zukunft? Viel lieber spannen die Hersteller heute Youtube-Stars vor ihre Games, die 100% die richtige Zielgruppe treffen, von ihren Fans verehrt werden und „glaubwürdig“ für Marken werben. Muss man sich als Magazin noch immer rechtfertigen, wenn man eine Fallout 4 Anzeige im Heft hat und dem Spiel dann auch eine 90+ Wertung gibt, amüsieren sich Stars wie Gronkh und Co. ganz offen mit den Firmenverantwortlichen. Keine Vorwürfe, nur Autogrammwünsche. Alles richtig gemacht.

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Quelle: Bethesda

Die Umsätze steigen, wenn auch meist bei den gleichen fünf Firmen, und mittlerweile hat die Branche auch den Umstieg auf free2play gut gemeistert und damit neue Zielgruppen erschlossen. Genau wie mit diesen vielzitierten Indie-Games, von denen es auf der Messe auch gefühlte 10 Millionen gab. Bald spielen wir also alle, egal ob wir uns als Gamer bezeichnen oder nicht. Egal, ob wir uns auf Twitter bei #gamergate Diskussionen angesprochen fühlen und egal, ob wir uns auf der Gamescom in die langen Schlangen stellen oder lieber bequem online pre-ordern. Spätestens 2018 denkt sich dann wohl auch die 50+ Generation: Wir sind tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Bitte redet nicht über uns, als wären wir es nicht.

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.