Fragments of Him

Walking-Simulator-Spiele schießen derzeit wie Frühlingsblümchen aus dem Boden. Die storylastigen Spiele mit wenig Interaktion, welche aber mit emotionaler Erzählung punkten wollen, konnten in der Vergangenheit durchaus überzeugen. Geht das mit Fragments of Him diesmal auch wieder gut?

Es ist ein ganz  normaler Morgen. Der Wecker läutet, Will geht seiner täglichen Routine nach, ehe er die Schlüssel aus der Schale nimmt, die Wohnung verlässt und sich mit dem Auto Richtung Arbeit begibt. Während er seinen Gedanken freien Lauf lässt und man sich als Spieler die Gegend aus dem Beifahrersitz ansieht, geschieht es eines unachtsamen Momentes, wie es wohl kommen musste. Ein Autounfall lässt unseren Mittelpunkt der Geschichte dahinscheiden, doch die Erzählung soll an diesem Punkt erst ihren Anfang finden.

Das Spiel erzählt mehrere Beziehungsgeschichten.

Das Spiel erzählt mehrere Beziehungsgeschichten.

Das sehr einfach gehaltene, jedoch optisch schön in Sepia stilisierte Spiel beschränkt eure Steuerung auf ein Minimum. Nichts soll von der Erzählung der Geschichte ablenken. Ihr steuert den Blickwinkel der Welt um euch herum wie ein Kameramann, der die Protagonisten verfolgt. Die Interaktion wird mit einem einzelnen Button am Controller oder der linken Maustaste aktiviert. Hin und wieder gibt es kleine Verzweigungen auf eurem Weg, welche die Geschichte anders erscheinen lassen, aber keine wirklichen Auswirkungen auf das Spiel selbst haben.

Die Interaktion ist simpel gehalten. So kann man sich auf die Story konzentrieren.

Die Interaktion ist simpel gehalten. So kann man sich auf die Story konzentrieren.

Die Erzählung wird aus vier verschiedenen Blickwinkeln betrachtet: Sarah, der einstigen Freundin von Will, unserer Hauptfigur; Harry, dem Freund und seiner Großmutter. Jede einzelne Person hat eine andere Beziehung zu ihm und erzählt dementsprechend eine andere Sicht der Dinge. Viel kann an dieser Stelle dazu aber nicht verraten werden, da sich das Spiel rein auf die Story fokussiert und jeder Satz darüber schon zu viel preisgeben würde. Lasst es mich aber so ausdrücken: die einzelnen bits and pieces könnten unterschiedlicher nicht sein.

Am Ende bleibt ein trauriges Gefühl zurück.

Am Ende bleibt ein trauriges Gefühl zurück.

Leider ist das Spiel mit einer Spielzeit von rund zwei Stunden enorm kurz geraten. Man muss es jedoch mit einem Film vergleichen, lehnt sich das Spiel doch sehr an dieses Medium an. Die Geschichte verleiht einem manchmal Gänsehaut, wenn man sich selbst in dieser wiedererkennt oder zumindest mit Teilen davon konform geht. Am Ende wird traurigerweise eure Interaktion auf einfallslose Art und Weise gefordert, was dem Spiel einen etwas fahlen Beigeschmack gibt. Es ist eine emotionale Geschichte, die manche Leute enorm ansprechen wird, andere wiederum gar nicht. Habt ihr einen geliebten Menschen in eurem Leben verloren, wird das Spiel sicherlich zünden. Andernfalls könnte der Abspann nicht früher über den Bildschirm rollen. Der Stil und das Art-Design bleiben aber unabhängig davon wohl zeitlos, wie Erinnerungen in unserem Herzen.

Wir bedanken uns beim Hersteller für die Bereitstellung eines Testmusters.

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at