Firewatch – Eins mit der Natur

Schon mal daran gedacht, aus der Realität zu entfliehen und sich irgendwo abzusetzen, wo es niemanden gibt, außer euch selbst? Einfach abschalten, den Blick auf das Leben fokussieren und neu anfangen? Nun, dann ist Firewatch ein Pflichttitel für euch.

Die Geschichte beginnt in euren späten 20er Jahren. Ihr lernt ein Mädchen in einer Bar kennen, sprecht sie mit leichtem Damenspitz ganz unverschämt an und wie es der Zufall so will, kommt ihr beide zusammen. Das Leben nimmt seinen Lauf und gerät völlig unvorhergesehen ins Stottern. Eure Geliebte erkrankt in ihren 40ern viel zu früh an Alzheimer und wird euch kurzerhand von ihren Eltern aus den Armen gerissen, die für sie sorgen wollen. Gezeichnet vom Schicksal verspürt ihr den Drang alles hinzuschmeißen. Gerade zur rechten Zeit findet ihr ein Jobangebot als Feuerwache in der abgelegenen Wildnis von Wyoming. Euer neues Leben beginnt.

Firewatch benötigt nicht viel, um euch wie ein echter Naturbursche fühlen zu lassen.

Firewatch benötigt nicht viel, um euch wie ein echter Naturbursche fühlen zu lassen.

Eins mit der Wildniss

Euer neues Leben beginnt also in einem Feuerwachturm. Strom an, Licht aufgedreht, ein kurzer Blick auf die bescheidenen Einrichtung, da meldet sich auch schon das Walkie-Talkie. Am anderen Ende erklingt eine weibliche Stimme; ihr Name: Delilah. Wie ihr erfahrt, ist sie eure Vorgesetzte, die euch durch den neuen Job begleiten wird. Außerdem wird sie euer einziger Kontakt sein, nachdem ihr euer bisheriges Leben hinter euch gelassen habt. Schnell führt sie euch in eure Aufgaben ein: Ausschau nach Feuer und Rauch halten, das Gebiet überwachen und mit lästigen Teenagern rumschlagen. Nein, natürlich nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Ähem. Schnell wird klar, dass ihr miteinander auskommen müsst und schon nach kurzer Zeit lockert die Stimmung etwas auf, ehe sowas wie eine gute Freundschaft entsteht, ohne euch je einmal gesehen zu haben. Doch plötzlich passieren im Gebiet seltsame Geschehnisse. Zusammen mit dem Nötigsten an Equipment und Delilah am Ohr geht ihr denen auf den Grund. Es ist eine Reise voller Erkundungen, Geheimnissen und einer gesunden Portion Drama.

Alles Weitere über die Geschichte zu schreiben würde euch den Spaß am Spiel verderben. Dieses fokussiert sich auf die Erzählung einer spannenden Story, die von zwei Top-Synchronsprechern vermittelt wird. Henry, das seid ihr, leiht sich die Stimme von Mad-Men-Schauspieler Rich Sommer; sowie Cissy Jones, welche mit ihrer Stimme nicht nur Delilah verkörpert, sondern schon in Spielen wie Life is Strange, The Walking Dead: The Game oder auch Aliens: Colonial Marines mitgewirkt hat. Das rund vier Stunden lange Spektakel wird von einer besonders bezaubernden grafischen Darbietung gestützt und einem leicht melancholischen Soundtrack idyllisch untermalt. Die Story nimmt einige Wendungen, welche mich gepackt haben und ich wollte den Controller nicht mehr aus der Hand geben, ehe ich am Ende durchatmen konnte. Es ist eine Geschichte, die berührt.

Der einzigartige Stil kann gemeinsam mit dem melancholischen Soundtrack eine sehr dichte Atmosphäre erzeugen.

Der einzigartige Stil kann gemeinsam mit dem melancholischen Soundtrack eine sehr dichte Atmosphäre erzeugen.

Fazit

Firewatch ist ein sehr ruhiges Spiel und regt zum Nachdenken über das Leben an. Der für mich sehr interessant gelegte Fokus ist nicht oft in Spielen zu finden. Die dichte Atmosphäre und der dazu passende Soundtrack haben mir ein paar Stunden an Unterhaltung geboten, die ich nicht missen hätte wollen. All jene, die bereits von Spielen wie Everybody’s Gone to the Rapture begeistert waren, werden sicherlich meinen Enthusiasmus dafür teilen können. Das Spiel ist ab sofort für PS4 und PC erhältlich.

Technische Info: Das Spiel bietet derzeit zwar nur englische Sprachausgabe, kann jedoch mit deutschen Untertiteln gespielt werden. Eine deutsche Sprachausgabe soll laut Entwicklerstudio demnächst folgen.

WERTUNG: 9/10

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at