Filme, die keinen Spaß mehr machen

Warum früher alles besser war und diese Zeit nicht mehr zurückkommen wird.

Seit geraumer Zeit bedrückt mich vermehrt ein ungutes Gefühl, wenn meine Augen einen neuen–sogenannten–Blockbuster zu sehen bekommen. Ich bin ein großer Freund der Unterhaltung in Form von bewegten Bildern, doch scheint es mir immer weniger zu gefallen meine Zeit mit dem Medium „Film“ zu verbringen. Was ist also passiert?

Zum Einstieg möchte ich erst mal den Eindruck schildern, wie sich ein monumental angekündigter Kassenschlager für mich heutzutage anfühlt: 90% CGI Effekte; 3D bis zum Abwinken und ohne Ausweichmöglichkeit; 90/60/90 Tussen mit stapelweise Holz vor der Hütte und Schlauchboten im Gesicht; Sixpacks-Bubies, so weit das Auge reicht; unnatürliche Farbfilter, die schier alle Farben des Lichtspektrums stehlen und einen schönen Löffel voll DUBSTEEEEEEEP!!

Sehen wir mal davon ab, dass in den meisten Fällen die fahl schmeckende Story heutzutage nur noch als notwendiger Füller verwendet wird, das oben Beschriebene ausgiebig im Film unterkommen zu lassen. In Überlänge versteht sich, denn das Kinoticket zu zweit darf es keinesfalls ermöglichen im Anschluss noch Drinks unter Freunden im Budget zu beinhalten. Warum muss heute alles nur noch größer und aufwändiger; schneller und lauter oder länger und eintöniger sein?

Audrey Hepburn

Audrey Hepburn in Breakfast at Tiffany’s

Fangen wir bei den Schauspielern an. Es hat sich zum Usus entwickelt, dass aus Sicht von Hollywood der Zuseher nur noch Topmodels zu sehen bekommen will. Dicke Titten, geiler Arsch. Hat die männlichen Jugend von heute tatsächlich kein anderes Bild mehr von Frauen? Was ist aus Ikonen wie Audrey Hepburn oder Jodie Foster geworden? Das waren doch noch richtige Frauen und mit Verlaub: die konnten auch noch schauspielern! Jedes Mal, wenn ich hingegen eine Megan Fox über die Kinoleinwand stolzieren sehe, meldet sich früher oder später der unausweichliche Brechreiz bei mir.

Al Pacino als Tony Montana in Scarface

Al Pacino als Tony Montana in Scarface

Nehmen wir auch gleich die männlichen Pondons als Beispiel: So schön die Sixpacks der Herren der Schöpfung auch sein mögen, so unbeeindruckt bin ich zumeist von der Schauspielleistung deren Träger. Wenn ich da hingegen an einen Humphrey Bogart denke, der gekonnt seinen Charme spielen lässt oder auch einen Al Pacino oder Jack Nicholson, die weiß Gott keine Schönheiten sind, aber mir Geschichten und Figuren glaubhaft verkaufen können, dann ist es kein Wunder, dass ich lediglich Filme aus dem letzten Jahrtausend auf meiner Favoritenliste sehe.

Und warum hat sich CGI als Standard für sämtliche Filmszenen durchgesetzt? Wo sind die Zeiten hin, als man noch echte, wunderschöne Landschaften präsentiert bekam? Genau darum hat es sich doch gelohnt, das Lichtspielhaus seines Vertrauens aufzusuchen. Pompöse Bilder auf pompöser Diagonale. Die künstlichen Ableger aus dem Computer kann ich mir getrost auch zu Hause ansehen. Bestes Beispiel dafür ist der neueste Ableger der Mad Max Reihe Fury Road. Hier sind zwar echte Landschaftsaufnahmen zu sehen, aber mehr als der Boden unter den Füßen ist im finalen Film leider nicht echt.

Vorher/Nachher Vergleich des Films Mad Max: Fury Road

Vorher/Nachher Vergleich des Films Mad Max: Fury Road

Selbiges gilt auch für Kostüme in (zumeist) Fantasy Filmen. Sehen wir uns hierzu ein Beispiel aus Der Herr der Ringe und Der Hobbit an. Wo Tolkiens Ring-Trilogie noch auf echte Requisiten und Maskenbildner gesetzt hat, die einem glaubhaft die Uruk-hai und andere Widersacher näher brachten, setze man bei der langgezogenen Cashcow Hobbit-Geschichte auf CGI, wo man nur hinblickt. Vor allem bei den Charakteren stößt mir das sehr auf und lässt mich nicht unbedingt tiefer in die Welt eintauchen sondern reißt mich eher aus dieser raus. Selbiges gilt übrigens auch für die völlig ungewohnten 48fps, aber das ist ein anderes Thema. Zur Ästhetik hat es definitiv nicht beigetragen.

Links: Eine Maske aus Der Herr der Ringe; Rechts: Eine CGI Kreation aus Der Hobbit

Links: Eine Maske aus Der Herr der Ringe; Rechts: Eine CGI Kreation aus Der Hobbit

Versteht mich nicht falsch: Es ist nicht so, als würde ich CGI verteufeln. Richtig und dezent eingesetzt kann es durchaus positiv zum Film beitragen. Aber auch hier muss man wissen, wo die Grenzen sind.

Mir fehlt auch etwas die Glaubwürdigkeit mancher Action Szenen. Hierzu möchte ich mehrere Beispiele in bewegter Form präsentieren. Sehen wir uns zwei Auto-Verfolgungsjagden an. Im ersteren Beispiel nehmen wir eine Szene aus Der große Gatsby (2013) und nachfolgend aus Ronin (1988).

Mag vielleicht Leonardo DiCaprio eine gute Figur in der CGI-Umgebung und dem schnellen Filmschnitt machen, so kann ich ihm das leider nicht abkaufen. Die Verfolgungsjagd von Robert De Niro und Jean Reno wirkt hingegen sicherlich um einiges langweiliger, wenn man die Präsentation betrachtet, dennoch ist es eine realistische Darstellung, die durchaus so stattfinden kann. Sie wirkt nicht aufgesetzt und von täuschenden Schnitten zerrissen. Und es müssen auch nicht immer die meisten Pferde unter dem Allerwertesten sein, um zu beeindrucken.

Mit Action geht es auch gleich weiter: Karate Tiger (1986) vs. Karate Kid (2010).

Jean-Claude Van Damme ist eine Maschine. Man sieht, wie der Kampf ungeschnitten und unglaublich intensiv verläuft. Hier gibt es noch echten, gekonnten Körperkontakt. Mitreißend, spannend, adrenalingeladen. Karate Kid in seiner Reboot-Fassung hat CGI, Fake-Drama-Slow-Motion und einfach alles, was man in einem Action Film nicht sehen möchte. Nein danke.

Und warum hat man mir, als leidenschaftlicher Teenage Mutant Ninja Turtles Fan, das angetan?

Leute, es macht keinen Spaß mehr. Story, Dialoge, einfach so vieles, was einst einen Film ausgemacht hat, ist in den Hintergrund gerückt. Die Filmindustrie hat ein großes Problem. Nicht mit der Majorität der Leute, sondern mit mir und vielen anderen, die sich meiner Meinung anschließen können. Die Lust auf Kinobesuche hat sich bei mir auf das Niedrigste gesunken, der Konsum neuer Werke aus Hollywood ist beinahe gänzlich vom Tagesgeschehen verschwunden und meine Befürchtung ist, dass der Reiz auf all das auch so schnell nicht mehr zurückkommen wird.

Eine der besten Dialogszenen der Filmgeschichte aus Scarface.

Schuld daran sind wohl auch all die Serien, die in den letzten Jahren das Zielpublikum gefesselt haben. Nicht nur alle Schauspieler laufen zum wöchentlichen Episodenformat über, sondern auch die einstigen Kinogeher. Zumindest bin ich in meinem Freundeskreis nicht der einzige, der die qualitativ viel hochwertigeren Produktionen von HBO, Netflix, Amazon & co. all dem vorzieht. Dort, wo noch Platz für Charakterentwicklung und packender Story ist. Kein Platz für Füllfolgen mehr, Cliffhanger, die zum Weiterschauen animieren und Schauspieler, sie wieder Schauspieler sein können.

Vielleicht wird doch nicht immer alles schlechter. Und wer weiß: Vielleicht revolutioniert ja eines Tages jemand das Filmgeschehen und ich setze mich wieder gerne ins Kino.

Ach und weil’s vielleicht nicht so rübergekommen ist: Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel 😉

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at