Elementary Minute: die Wissens App aus Österreich

Talente gibt es viele in Österreich und eines davon haben wir letztens im App Store entdeckt. Elementary Minute, vom steirischen Studenten Klemens Strasser entwickelt, will uns nicht nur spielend Wissen beibringen, es hat bereits einen App Preis von Apple abgestaubt. Ein Interview über Ideen, Ziele und wie man es im App-Dschungel trotzdem schaffen kann.

Programmiert man eine Wissensapp weil man glaubt, dass die Leute generell dümmer werden?
Ich glaub nicht, dass die Leute dümmer werden. Aber ich glaube, dass viele ihre wertvolle Zeit verschenken. Ich merk es ja selbst an mir. Wenn ich irgendwo warte, dann scrolle ich oft durch meine Facebook Timeline, ohne das viel davon hängen bleibt. Diese kurzen Zeitabschnitte könnte man einfach viel besser nutzen, und ich denke eine Runde Elementary Minute kann ein guter Zeitvertreib sein.

Elementary Minute Platforms

Erzähl uns bitte ein wenig zu dir. Du studierst auf der TU Graz?
Ja genau, ich studiere seit knapp drei Jahren Informatik an der TU Graz und werde hoffentlich noch diesen Sommer mit meinem Bachelor fertig. Davor habe ich fünf Jahre den Elektronik-Zweig der HTL Bulme in Graz/Gösting besucht, wo ich meine ersten Programmierkentnisse erlangt habe.
Ich selbst komme eigentlich aus Voitsberg, verbringe aber meine meiste Zeit in Graz. Ich geh gern mit Freunden zum Pub Quiz oder auf Konzerte, spiele gerne Videospiele und hör viel zu viele Podcasts.

War Elementary Minute ein Ergebnis eines Projekts oder eine spontane Idee?
Elementary Minute war eine rein spontane Idee. Ich bin in meinem Zimmer gesessen, hab auf meine Armbanduhr geschaut und gedacht, dass es doch nett wäre ein kleines Quiz Spiel auf einer Apple Watch zu haben, bei dem man nur durch swipen seine Antwort gibt.  Die Apple Watch war damals noch nicht mal angekündigt, weswegen ich einfach anfing eine iPhone-Version zu basteln. Nach wenigen Tagen war dann der erste Prototyp fertig. Es hat dann aber noch mehrere Monate gedauert, bis ich mit der App richtig zufrieden war und sie released wurde.
Rückblickend war das ganze eigentlich ein etwas verrückter Plan. Ich hatte Objective-C, die Programmiersprache mit der damals üblicherweise für iOS entwickelt wurde, nur aus einem Buch gelernt und hatte noch kaum mit ihr programmiert. Auch mit den meisten Frameworks hatte ich damals noch nicht mal gearbeitet. Ich hatte nicht mal ein iPhone, auf dem ich das Spiel ausprobieren konnte, weil ich es mir damals nicht leisten konnte. Und doch habe ich das Projekt gestartet, weil mich sowohl die iOS Plattform, als auch Objective-C einfach fasziniert haben.

Das swipen ist ja mittlerweile in. Jobs, potenzielle Freundinnen – alles kann man her- bzw. wegwischen. Wie sehr lässt man sich als App-Programmierer von solchen Ideen bezüglich der eigenen Arbeit beeinflussen?
Grundsätzlich wird man natürlich von jeder Idee etwas beeinflusst, und das ist gut so. Es ist ja auch etwas schönes, wenn sich kreative Menschen gegenseitig zu noch Größerem inspirieren. Aber die Idee des Swipens von Elementary Minute hat nichts mit Tinder zu tun. Im April 2014, als ich mit Elementary Minute begonnen habe, hatte ich noch nie von Tinder gehört. Ich bin erst nach dem Release des Spiels von anderen auf die Ähnlichkeit hingewiesen worden.
Ansonsten gibt es eigentlich wenig Apps, die einen großen Einfluss auf Elementary Minute hatten. Dafür fallen mir duzende ein, die die Ideen hinter meinem neuen Spiel beeinflussen.

Du hast den Apple Design Award für Studenten und Schüler erhalten. Hat sich danach für dich was verändert? Suchst du schon ein Anwesen in Beverly Hills? 
Ich selbst bin durch das ganze darin bestätigt worden, dass ich mit dem was mir Spaß macht auch breiteren Erfolg haben kann. Erfolg heißt jetzt für mich aber nicht reich werden. Erfolg heißt viel mehr jemanden mit meinem Spiel zu Unterhalten.
Und durch die Verbreitung, die dem Apple Design Award zu verschulden ist, habe ich das wohl bei einigen Menschen geschafft. Doch das damit verdiente Geld reicht weder für ein Anwesen in Beverly Hills, noch für eine Wohnung in Graz. Es ist ein toller Zusatzverdienst für mich als Student, aber leben könnte ich davon nicht. Zumindest jetzt noch nicht.

Suchst du aktuell nach Verstärkung? Möchtest du hier einen Aufruf zB an Grafiker starten?

Ehrlich gesagt, grade nicht. Aktuell mach ich noch alles selbst, und das lauft ganz gut. Das einzige was mir immer gelegen kommt wären Beta-Tester, sowohl für Elementary Minute, als auch für mein neues Projekt. EMAppIconWer also Lust dazu hat, kann mir gerne schreiben.

Wie soll es weitergehen? Einerseits mit Elementary Minute und auch danach?
Elementary Minute hat gerade vor ein paar Tagen ein neues Themengebiet über Naturwissenschaften bekommen. Dieses Themengebiet möchte ich in den nächsten Monaten noch etwas ausbauen. Außerdem gibt es noch mindestens zwei Themengebiete, Videospiele und Geschichte, die ich in irgendeiner Form noch gerne unterbringen würde. Und vielleicht schaffe ich es auch endlich mal einen Multiplayer umzusetzen, der steht nämlich schon eine Weile auf meiner Liste.
Außerdem gibts da noch mein neues Projekt, Asymmetric. Es ist ein Puzzle-Spiel, an dem ich im Rahmen meiner Bachelor-Arbeit bastle. Wenn alles gut läuft, gibts in nicht allzu ferner Zukunft mehr Informationen dazu. Aber wer gerne davor einen Blick darauf werfen würde, der soll sich bezüglich Beta-Testing bei mir melden!

Viele junge Menschen sehnen sich gar nicht mehr nach der Arbeit in einer großen Firma, sondern wollen selbstständig an Erfolg und Ruhm arbeiten. Wie sieht es bei dir aus? Willst du in Österreich bleiben und wenn ja, wie soll die Firma aussehen, in der du schließlich arbeiten möchtest?
Grundsätzlich würde ich gerne in Österreich bleiben, weil Österreich einfach ein tolles Land ist. Ich kann es aber aus diversen Gründen nicht ausschließen, auch mal das Land zu verlassen. Ich lass das einfach auf mich zukommen.
Für mich wäre das Wichtigste in jeder Firma, dass ich mir den Spaß erhalten kann, den ich aktuell beim entwickeln meiner Spiele habe. Wenn das eine große Firma für mich leisten kann, dann würde ich auch dort arbeiten. Aber ich sehe mich eher in einem kleinen Startup, dass dazu beitragt unser Bildungssystem mit modernen Mitteln zu verbessern.

Möchtest du jungen Entwicklern in Österreich bzw. generell noch etwas mit auf den Weg geben? Einen Tipp, wie man eine gute App programmiert?
Ich würde ihnen sagen, dass sie sich nicht scheuen sollen ihre Ideen zu verwirklichen. Einfach loslegen. Vielleicht wirds nicht so wie man es sich erwartet, vielleicht kommt es auch nicht so gut bei den anderen an. Aber ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen bringt einem nicht nur unglaublich viel Erfahrung, sondern macht einfach Spaß. Und ich denke mit Spaß und Eifer entstehen auch die besten Apps.

Math Classic

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.