Ein Civilization VI Review und wie es dazu kam

1. Civilization VI ist wunderschön

Die bereits erwähnte und vor Release viel diskutierte neue Comic-Ästhetik von Civ VI gefällt mir gut. Sie tut der Stimmung des Spiels keinen Abbruch, und seien wir ehrlich: Es war noch nie besonders realistisch, Stonehenge in die Wüste direkt neben die Pyramiden zu bauen, da braucht man sich wegen einer Änderung im Grafikstil nicht wegen mangelndem Realismus beschweren.

Die Animationen der Einheiten sind liebevoll detailreich und besonders die neuen Kurzfilmchen bei Fertigstellung eines Wunders, die den Aufbau aus allen Winkeln und in jeder Tages- und Nachtstimmung zeigen, sind ein Augenschmaus. Die Städte haben endlich den Namen “Stadt” verdient: Waren in Civilization V noch alle Wunder und Spezialgebäute irgendwie auf das eine Feld gepfercht, haben Ständte nun durch die neuen Distrikte und eigene Geländefelder für Wunder richtig Platz zum Atmen und Scheinen.

Die Große Bibliothek in der Dämmerung. Jedes Wunder beansprucht nun ein eigenes Geländefeld.

Die Große Bibliothek in der Dämmerung. Jedes Wunder beansprucht nun ein eigenes Geländefeld.

2. Zivile Einheiten: Handwerker, Eskorten und Händler

Die erste grundlegende Änderung im Vergleich zum Vorgänger fällt auf, sobald wir unseren ersten Handwerker produziert haben. Handwerker benötigen jetzt nicht mehr eine bestimmte Rundenzahl, um ein Geländefeld zu modernisieren, sondern verbrauchen sich automatisch nach drei Aktionen (diese Anzahl kann durch Politiken im späteren Spielverlauf erhöht werden). Eine ungewohnte, aber sinnvolle Neuerung, denn: Es gibt in Civ VI generell viel weniger Felder zu modernisieren, da alle Wunder und die neuen Bezirke jeweils ein eigenes Geländefeld beanspruchen. Außerdem fällt der Straßenbau, mit dem man Handwerker in Civ V noch rundenlang beschäftigen konnte, weg: Straßen werden nun automatisch durch Händler erstellt, sobald wir diese auf eine Handelsroute schicken.

Unser Siedler ist mit seiner Militäreskorte wesentlich sicherer unterwegs.

Unser Siedler ist mit seiner Militäreskorte wesentlich sicherer unterwegs als allein.

Um unsere Siedler und Handwerker zu schützen, können wir sie nun mit militärischen Einheiten verknüpfen, eine Option, die in Civilization V schmerzlich vermisst wurde. Vorbei die Sorge, dass Barbaren oder feindliche Zivilisationen uns unsere teuren Siedler einfach entführen, die Eskorte weicht nicht von ihrer Seite. Probleme habe ich hier nur hin und wieder bei weiten Strecken auf See festgestellt, wenn die Marineeinheit einen signifikant weiteren Bewegungsradius als die zivile Einheit hatte. Hier konnten sich zum Beispiel Admiräle und ihre Panzerschiffeskorten schon einmal verlieren.

Eine weitere gute Neuerung ist, dass sowohl Handwerker als auch Händler nun auf Land- und Wasserfeldern agieren. Wir müssen keine eigenen Arbeitsboote oder Handelsschiffe mehr produzieren. Unser Händler verwandelt sich an der Küste automatisch in ein Boot, was nun epische Handelsrouten über Kontinente und Ozeane hinweg ermöglicht. Handwerkseinheiten wiederrum können Wasserressourcen ebenso wie Ressourcenfelder an Land modernisieren.

3. Bezirke, Bezirke, Bezirke

Neu in Civilization VI sind die Bezirke. Wie für Wunder und Spezialbauten benötigen sie eigene Geländefelder. Ihre richtige Platzierung mit positiven Geländeboni durch angrenzende Felder oder in manchen Fällen die direkte Nähe zum Stadtzentrum sind enorm wichtig. Dies verlangt vom Spieler, seinen Stadtaufbau gleich von Beginn an strategischer zu planen als im Vorgänger. Vorbei sind die Zeiten, wo wir unseren Bautrupp in Civ V noch haben alle Geländerfelder ausbauen lassen. Jetzt müssen wir mehr denn je die Lage an einem Fluss, neben einem Berg oder an der Küste beachten, Felder für später freilassen oder umbauen.

Nicht alle Bezirke sind direkt verfügbar, wir können sie nach und nach im Ausrichtungsbaum freischalten und bauen, außerdem ist ihre Anzahl direkt durch die jewelige Bevölkerungsgröße einer Stadt limitiert. Wir müssen uns also entscheiden, welche Bezirke wir in welcher Stadt ausbauen möchten und uns somit an jedem Standort spezialisieren. Zur Wahl stehen je nach Siegbestreben ein Wisschenschaftscampus, der Theaterdistrikt für Kultur, die Heilige Stätte, ein Unterhaltungsbezirk, um unsere Bevölkerung bei Laune zu halten, ein Industrie– sowie ein Handelsbezirk. Die Liste geht weiter mit dem Militärlager und dem Hafen und hört auch hier nicht auf. Ihr seht schon, wir benötigen viel Platz für unsere neue Stadt.

Bezirke und Wunder lassen unsere Stadt zu einer richtigen Metropole anwachsen.

Bezirke und Wunder lassen unsere Stadt zu einer richtigen Metropole anwachsen.

Abgesehen hiervon bauen wir unsere Städte wie gewohnt aus: Wir modernisieren Geländefelder, produzieren Einheiten und Gebäude. Hierbei müssen wir immer die allgemeine Stimmung im Auge behalten. Hat unsere Stadt genügend Nahrung zur Verfügung, wächst unsere Bevölkerung an, aber nur, wenn genug freier Wohnraum vorhanden ist, eine Neuerung in Civ VI. Wohnraum kann mit Spezialbauten oder Farmmodernisierungen geschaffen werden. Der Abbau von Luxusgütern sorgt für Annehmlichkeiten für unsere Bürger. Annehmlichkeiten wiederrum sorgen dafür, dass die Bürger unserer Stadt glücklich sind. Anders als in Civ V ist die Zufriedenheit somit wieder städtebasiert und nicht global, eine Änderung, die das Gameplay gerade in Kriegszeiten vereinfacht.

4. Technologie- und Ausrichtungsbaum, Politiken und Regierung

Ähnlich wie der altbekannte Technologiebaum lässt sich in Civilization VI nun auch die Entwicklung unserer kulturellen Ausrichtung ganz gezielt steuern. Während wir durch den neuen Ausrichtungsbaum voranschreiten, schalten wir neue Boni und Politiken frei. Regierung und Politiken aktualisiert die Politik und Ideale von Civ V. Anders als dort können wir im Laufe unserer Geschichte nun auch Politiken und Regierungsformen ändern, was dem Spiel eine ganz neue Dynamik verpasst.

Im neuen Ausrichtungsbaum können wir Politiken und neue Regierungsformen erforschen. Inspirations-Momente schalten Boni frei.

Im neuen Ausrichtungsbaum können wir Politiken und neue Regierungsformen erforschen. Inspirations-Momente schalten Boni frei.

Wenn wir eine neue Politik erforschen, dürfen wir unsere Politiken sofort gratis ausprobieren und unsere Regierung umstellen. So können wir zum Beispiel zu Beginn des Spiels unsere Expansion enorm vorantreiben, indem wir Siedler schneller erforschen oder +5 Kampfstärke gegen Barbaren aktivieren. Im späteren Verlauf der Partie können wir diese Vorteile dann gegen nun passendere austauschen, je nachdem was wir als nächsten Schritt zum Sieg geplant haben. Wir haben ein großes Netz an Handelswegen? Nehmen wir doch +Gold je Handelsweg mit einer anderen Zivilisation. Wir setzen auf eine starke Flotte? There’s a policy for that, too.

Das Politiksystem funktioniert mit Karten, wir können die Slots unserer ausgewählten Regierungsform an unsere Spielstrategie angepasst befüllen.

Das Politiksystem funktioniert mit Karten, wir können die Slots unserer ausgewählten Regierungsform an unsere Spielstrategie angepasst befüllen.

Zu Anfang scheint der neue zusätzliche Baum überwältigend, allerdings verleiht das neue Design und die klugen Änderungen besonders den Politiken mehr Tiefe, das System wird aber auch verständlicher. Eine weitere nette Änderung: Durch unser Gameplay können wir sowohl für den Tech-Baum als auch für den Ausrichtungsbaum Boni freischalten, die uns schneller forschen und Punkte mit weniger Runden freischalten lassen. Für Technologie helfen uns hier die “Heureka” Momente, der Ausrichtungsbaum profitiert von “Inspirationen”.  Haben wir zum Beispiel schon drei Bogenschützen, gewährt uns dies einen Bonus auf die Erforschung von “Maschinen” im Technologiebaum, womit wir wiederrum unsere Bogenschützen zu Armbrustschützen befördern können. Hier ist es wichtig abzuwägen, welche Taktik im Endeffekt weniger Züge verbraucht, und ob die für den Bonus notwendigen Bauten oder Einheiten in unsere Gesamtstrategie passen.

Inspirations- und Heureka-Momente gewähren uns fette Boni im Ausrichtungs- bzw. Forschungsbaum.

Inspirations- und Heureka-Momente gewähren uns fette Boni im Ausrichtungs- bzw. Forschungsbaum.

Durch den Ausbau unserer Bezirke und das Voranschreiten in Wissenschaft, Religion, Kultur, Militär etc. locken wir Große Persönlichkeiten in unsere Stadt. Hier stehen wir im kostanten Wettstreit mit unseren Gegnern, denn jede Persönlichkeit gibt es nur einmal je Partie. Je nachdem wie weit wir punktemäßig in einer Disziplin vorangeschritten sind, kommt der große Wissenschaftler lieber zu uns als zu der Nation, die noch in Höhlen wohnt. Hier können wir jeweils noch einmal entscheiden, ob wir die große Persönlichkeit einladen, oder sie unseren Gegnern überlassen. So sparen wir uns zwar Punkte für die nächste freischaltbare Person, unsere Gegner können sich den Verschmähten allerdings zu weniger Punkten als sonst nötig einladen. Auch hier ist nun richtig Planung gefragt.

Welche Große Persönlichkeit wird es als nächstes in unsere Stadt ziehen?

Welche Große Persönlichkeit wird es als nächstes in unsere Stadt ziehen?

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Written by: Ronja Antesberger

Social Bumblebee Seit ich mir einen eigenen PC leisten konnte, bin ich den Pixeln verfallen, und blicke auf eine lange Karriere als bürgermeisternde Schneiderin in Ultima Online, täglich raidende Assassine in EverQuest 2 und alles-und-jede-Quest-abschließender Geralt in allen Witcher Spielen zurück. Meine Liebe gilt den Strategiespielen der späten 90er, wie Age of Empires und Command & Conquer sowie jeglicher Variante an Rollenspiel. Mein Faible für Indies und Selbstdarstellung hat mich vor einigen Jahren zum Streaming und zu YouTube gebracht, und in Konsequenz auch endlich beruflich in den Bereich. Nach über einem Jahr bei der Wiener Video Game Livestreaming Plattform Hitbox konzentriere ich mich nun auf meinen selbstständigen Pfad als Social Media Marketing und PR Beraterin, Bloggerin und SchreiberlingIn for „All Things Video Games“. Ich freue mich, als Neuzugang beim Continue-Magazin dabei zu sein, wir hören uns im nächsten Podcast! Bei Fragen, Anregungen und Feedback: antesberger@continue-magazin.at oder einfach auf Twitter.

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