Ein Civilization VI Review und wie es dazu kam

Über 50 Spielstunden später, und hier ist es nun: Mein Civilization VI Review. Gut Ding will eben Weile haben. Dass die Autorin beim Testen in das tiefe „nur noch eine Runde“-Loch gefallen ist, beweist, dass auch die neueste Ausgabe von Firaxis‘ ewiger Strategie-Reihe das Suchtpotenzial seiner Vorgänger innehat. Mehr vom Alten und Bekannten? Ja, aber mit einigen spannenden Neuerungen.

Was will Kleopatra eigentlich von mir? Zum wiederholten Male bezeichnet sie mich als schwachen Wurm, der ihrer Aufmerksamkeit nicht würdig sei. Warum schreit sie mich dann alle paar Runden an, dass mein Militär zu schwach sei? Dann flirtet sie wieder schamlos mit mir und macht dieses Ding mit ihren Augenbrauen, ihr wisst schon. Ich will doch eigentlich nur Stonehenge in der Wüste bauen! Das alles klingt irgendwie vertraut? Kein Wunder: Nach Civilization V und dem Abstecher Beyond Earth können wir uns in Sid Meyer’s Civilization VI endlich wieder auf der Erde mit den Völkern dieser Welt und ihren mehr oder minder charismatischen Anführern um die Weltherrschaft streiten.

Was bisher geschah…

Ihr kennt das vielleicht: Ihr geht davon aus, ein Game wird euch gut gefallen und dann schiebt ihr den Anfang immer wieder hinaus, weil ihr schon im Vorhinein wisst, dass dieses Spiel euch viele Stunden eures Lebens kosten wird. Man kommt um die 30 einfach nicht mehr so einfach damit davon, für Tage von der Bildfläche zu verschwinden um anschließend mit einem verschämten „Sorry, ich hatte da ein Barbarenproblem und dann hat Kleopatra rumgemuckt.“ wieder aus der Versenkung aufzutauchen.

Somit gestehe ich also direkt von Anfang an: Civilization VI ist erst mein zweites Civ Game. Nach meiner Anno, Age of Empires und Command & Conquer Suchterei der Echtzeitstrategie war mir der Sprung ins rundenbasierte 4X Genre zu heikel, von einem kurzen spannenden Ausflug in Endless Legend vor ein paar Jahren einmal abgesehen. Bis zum Frühjahr 2016, als die Civ Games auf einmal im Steam Sale auftauchten und ich „versehentlich“ Civilization V startete und ich dann Mitte Oktober Chef Michi P. um den Review Code zu Civ 6 anflehte. Ich bereue nichts! Der Rest ist (Welt-)Geschichte.

Ziel: Weltherrschaft, obviously.

Ziel dieses Reviews: Weltherrschaft, obviously.

Dies ist also ein Review mit meinem relativ frischen Paar Augen, ohne die jahrzehntelange Legacy der Reihe, aber mit einer Passion für Strategie und Geschichte. Einen Civilization Review zu schreiben, ist eine Herausforderung. Wenige Spiele sind komplexer, und ein „angespielt“ bedeutet hier mindestens eine Standardpartie bis Punktesieg in Runde 500, was auf mittlerem Schwierigkeitsgrad gut und gern 12 Stunden in Anspruch nehmen kann.

Erste Schritte in Civilization VI

Nun aber zum wichtigsten Teil dieses Artikels: Civilization VI Galore! Anfangen tun wir als Herrscher über eine kleine Zivilisation, die ihren ersten Boden im neuen Gebiet beanspruchen muss. Es ist es unser hehres Ziel, zur alles beherrschenden Weltmacht der Moderne aufzusteigen. Der Weg dorthin ist lang und steinig, und kann auf die verschiedensten Arten angegangen werden.

Vernichten wir unsere Gegner mit unserer unschlagbaren Militärüberlegenheit oder locken wir für einen Kultursieg große Maler, Schriftsteller und Musiker in unsere Städte, um mit ihren Werken unsere Museen, Amphitheater und Kinos zu füllen? Werden wir die Heimat von großen Wissenschaftlern und Erfindern und senden zum Sieg die ersten Menschen ins All? Oder versuchen wir als religiöser Anführer die Städte aller Zivilisationen zu unserem Glauben zu bekehren – und somit die Voraussetzungen für den neu eingeführten Religionssieg zu erfüllen. Je nachdem, welche Civ wir auswählen, sind verschiedene Siegszenarios naheliegender, jede hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, was schon einiges an Überlegung vor Start der ersten Partie verlangt.

Jeder Herrscher, hier Königin Viktoria für die Briten, hat besondere Eigenschaften sowie eine Spezialeinheit.

Königin Viktoria eignet sich für alle, die Kolonien auf fremde Kontinenten gründen und zur Seemacht aufsteigen möchten. Mit dem Britischen Museum liegt auch das Streben nach einem Kultursieg nahe.

Der Beginn ist noch einfach, wir starten mit einer Siedler-Einheit um mit unserer Zivilisation eine erste Heimat zu besiedeln und einer Einheit Krieger für rudimentären Schutz. Das Spiel schreitet dann zügig voran: Nach dem ersten Siedeln produzieren wir schnell einen Kornspeicher, um unsere Nahrungsmittelproduktion anzukurbeln und die Bevölkerungskapazität zu erhöhen. Unsere Kriegereinheit erkundet währenddessen die unmittelbare Nachbarschaft unseres neuen Zentrums als aufstrebende Weltmacht, auf der Suche nach freundlichen Eingeborenendörfern, die die Alten Ruinen aus Civ 5 ersetzen, und um die allgegenwärtigen Barbarenlager aufzuspüren. Hierbei sollten wir uns nicht allzu weit von der Siedlung entfernen, mit einem überraschenden Angriff von Barbaren oder anderen Zivilisationen ist gerade zu Spielbeginn auch auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden immer zu rechnen. Schnell produzieren wir deshalb einen Späher, der von nun an die Erkundung übernimmt, während der Krieger unsere Stadt beschützt. So weit, so gut.

Barbaren sind besonders zu Beginn einer Partie eine wahre Plage.

Barbaren sind besonders zu Beginn einer Partie eine wahre Plage, ihr Besiegen bringt gute Boni in Form von Gold oder einem Heureka.

So simpel geht es allerdings nicht weiter. Die neue comicartige Grafik darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Spiel es in sich hat. Civilization VI ist eines der komplexesten Spiele, die ich je in die Hände bekommen habe. Es gibt Systeme in Systemen im System. Via Diplomatie kommunizieren wir etwa mit anderen Zivilisationen und mit Stadtstaaten, alle mit spezifischen Eigenschaften, Agenden und Agressionsleveln. Zum Handeln können wir anderen Herrschern entweder direkt Angebote machen, oder Handelsrouten aufbauen, die gleichzeitig unser Straßennetz ausbauen und unsere Freundschaft festigen. In Stadtstaaten können wir Delegierte entsenden und uns so einzigartige Boni sichern. Wir erforschen wissenschaftlichen Fortschritt und verfeinern im Laufe des Spiels immer mehr unsere politische Ausrichtung und die Werte unserer Herrschaft. Spionage, Archäologie, Weltwunder, alles ist dabei.

London ist auf gutem Wege zur Weltmetropole. Die Pyramieden als Wahrzeichen sind hier für Civ Veteranen nichts Überraschendes.

London ist auf gutem Wege zur Weltmetropole. Die Pyramiden als Wahrzeichen sind hier für Civ-Veteranen nichts Überraschendes.

Ich war froh, vorher schon in Civilization V „geübt“ zu haben, so musste ich mich nur auf die Neuerungen konzentrieren. Im Tutorial habe ich mich nach einem Pop-Up Wahn in den ersten fünfzehn Spielminuten relativ allein gelassen gefühlt. Zumal man das Tutorial zwar bis zum Herrschaftssieg spielen kann, es aber nicht zwischendurch speichern darf. In einem Spiel, in dem sich selbst die Tutorialpartie hinziehen kann, ein Problem. Auch sind im Tutorial gewisse Spielfunktionen deaktiviert (zum Beispiel kann man zivile und militärische Einheiten zwar im Verbund zusammenlegen, sie aber nicht wieder trennen).

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Written by: Ronja Antesberger

Social Bumblebee Seit ich mir einen eigenen PC leisten konnte, bin ich den Pixeln verfallen, und blicke auf eine lange Karriere als bürgermeisternde Schneiderin in Ultima Online, täglich raidende Assassine in EverQuest 2 und alles-und-jede-Quest-abschließender Geralt in allen Witcher Spielen zurück. Meine Liebe gilt den Strategiespielen der späten 90er, wie Age of Empires und Command & Conquer sowie jeglicher Variante an Rollenspiel. Mein Faible für Indies und Selbstdarstellung hat mich vor einigen Jahren zum Streaming und zu YouTube gebracht, und in Konsequenz auch endlich beruflich in den Bereich. Nach über einem Jahr bei der Wiener Video Game Livestreaming Plattform Hitbox konzentriere ich mich nun auf meinen selbstständigen Pfad als Social Media Marketing und PR Beraterin, Bloggerin und SchreiberlingIn for „All Things Video Games“. Ich freue mich, als Neuzugang beim Continue-Magazin dabei zu sein, wir hören uns im nächsten Podcast! Bei Fragen, Anregungen und Feedback: antesberger@continue-magazin.at oder einfach auf Twitter.