E3 is coming

Es ist wieder soweit. Meine Timeline ist voll mit Bildern von Flugzeugen, Burgern und demnächst von Warteschlangen. Die E3 steht in den Startlöchern. Erstmals seit 10 Jahren werde ich nicht vor Ort sein. Nicht nur ein Nachteil.

Die E3 ist toll, niemand wird euch etwas anderes erzählen. Auf der Electronic Entertainment Expo in Los Angeles seht ihr erstmals Sachen, die ganz wenige Menschen vor euch gesehen haben – dürft sie anfassen, ausprobieren und mit geschätzten Kollegen über das Gesehene fachsimpeln. Besser wirds nicht. Dass diese Flut an Artikeln, die in den nächsten Tagen aufschlägt, aber nicht nur durch das Besuchen von Partys und schicken Präsentationen möglich ist, sondern nur unter völliger Aufopferung und Schlafverzicht, das ist die andere Seite der wichtigsten Videospielmesse der Welt.

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Die Warteschlangen bei den Pressekonferenzen sind unglaublich … lang.

Als Redaktionsmitglied steigt ihr meist Freitag oder Samstag vor der E3-Woche in den Flieger.  Das bedeutet aus Österreich bzw. Deutschland eine Anreise von rund 18 Stunden (zum Flughafen, warten, fliegen, warten, umsteigen, fliegen, ankommen, warten, fahren, essen, schlafen). Das ist meist schon ein guter Einstieg, weshalb man gern privat das Wochenende mitnimmt, um nicht am nächsten Tag schon direkt zur Messe zu müssen, die am Montag mit den ersten Pressekonferenzen startet. Diese Pressekonferenztage sind für Redakteure der Albtraum. Wir hatten unser Hotel meist nicht in Downtown, das können sich nur die ganz Großen leisten, sondern hatten rund eine Stunde Anfahrtzu den meisten Locations (ja, Los Angeles ist riesig … kennt man von GTA ;). Die Schauplätze sind dann auch noch gut in der Stadt verteilt und natürlich heillos mit dem Ansturm von 500 oder mehr Journalisten überfordert. Das bedeutet Stau und danach Warteschlangen von manchmal bis zu zwei Stunden. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Sitzt man endlich am Platz schalten die US-Kollegen schon mal ihr ganzes Equipment ein, um einem mit Live-Fotos und Live-Ticker ein schlechtes Gewissen zu machen. Die wenigsten europäischen Redakteure sind mit der Ausstattung und der Manpower vor Ort, wie etwa Gametrailers, IGN.US oder Gamespot. Speziell in den letzten Jahren, wo Live-Berichterstattung und Streaming ihren Höhepunkt erreicht haben, sollte man als Otto-Normal-Journalist einfach die Stimmung aufsaugen und diese versuchen in die eigenen Artikel einfließen zu lassen. Nur hier kann man punkten, auch weil man oft vor Ort andere Eindrücke hat als die Empfänger des Live-Streams. Es war immer witzig mit Wien zu telefonieren oder in Foren zu lesen, welch gegensätzliche Stimmung oft empfangen wurde. Kreischende asiatische Kollegen bei Nintendo-PKs oder auch mal völlige Stille bei Ankündigungen. Oder das „eingekaufte“ Publikum, das in völlig abstrusen Situationen zu klatschen begann. Wirklich cool waren speziell zwei Erlebnisse für mich. Einmal, als Don Mattrick, das ist der Typ der aussieht wie Tom Cruise, in einer Microsoft-PK jedem anwesenden Journalisten eine Xbox 360 (die kleine Version) schenkte und als man nach einer Nintendo PK gleich im Anschluss erstmals den Nintendo 3DS ausprobieren konnte. Hach.

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Interviews, Interviews. Wer kennt den jungen Mann noch?

Kommen wir zurück zur eigentlichen Messe. Endlich auf dem Showfloor selbst, gilt es als Fachredakteur möglichst viele Termine wahrzunehmen. Da sieht man an einem Tag schon mal 15 Präsentationen/Anspielsessions, die man speziell als freier Redakteur im Idealfall am selben Abend/in der Nacht tippt und an den Auftraggeber schickt. Das Internet ist nämlich gnadenlos. 12 Stunden später interessiert das Forza 6 oder Star Wars Battlefront Preview kaum noch jemand. Speziell wenn es dazu schon das Interview, das man vor wenigen Stunden noch selbst geführt hat, bereits im Netz der US-Kollegen gibt. Wenn dann auch noch eine spielbare Demo für die kommende Woche angekündigt wird, ist man noch ein wenig geknickter, wenn man die Zeilen in die Tasten haut. Für eine Mütze Schlaf ist trotzdem keine Zeit. Jeden Abend finden Networking-Veranstaltungen statt. Die sollte man besuchen, könnte man doch ein lustiges FB-Foto mit einem pensionierten Entwickler schießen, das dann zumindest auf der eigenen Social Media Wand für Aufsehen sorgt. Man war dabei. Mittendrin im Geschehen. Müde vielleicht, aber das spürt man in dem Moment nicht. Danke, Didi Mateschitz.

Mach doch mal Babe-Fotos. Ca 1.000. Brauchen wir für ne Gallery. Hat sonst keiner!

Mach doch mal Babe-Fotos. Ca 1.000. Brauchen wir für ne Gallery. Hat sonst keiner!

Nach einer Woche ohne längere Pausen gehts dann wieder in den Flieger in Richtung Heimat. Der Langstreckenflug eignet sich perfekt, um die letzten Geschichten zu tippen. Wenn man nur nicht so müde wäre und der Platz ein wenig mehr. Dreck, jetzt lehnt sich der Vordermann auch noch zurück und zerquetscht einem dabei fast das Notebook-Display und beide Knie gleichzeitig. Macht ja nix. Bald ist man wieder zuhause. Gut, denn vieles, was auf der E3 gezeigt wurde, hat man selbst gar nicht mitbekommen. Oh, am dritten Tag der Messe wurde ein neues Zelda angekündigt? Sony bringt eine PS4 mit 3GB Festplatte? Nichts davon gehört. Dann les ich besser die Newsstrecke der Kollegen. Damit man weiß, was man sich auf der baldigen Gamescom in jedem Fall anschauen sollte. Da geht der Wahnsinn nämlich in die Verlängerung. Zumindest ohne Jetlag. Danke Deutschland.

Ob es den Aufwand wert ist? Ja, definitiv. Ich habe in dieser Zeit so viele Menschen kennengelernt, wie andere in ihrem Leben nicht. Ich war in der Playboy-Villa, habe Interviews mit Branchengrößen und Celebrities führen können und habe so einen unglaublich intensiven Blick in die Branche bekommen. Entwickler, die drei Tage lang in ihrer kleinen Box 30 Minuten Vorträge halten und jedes Mal aufs Neue total begeistert sein müssen. Pressekonferenzen, die oft mehr versprochen haben, aber dennoch Visionen gezeigt haben, wo die Reise hingehen soll. Klar, die Partys wurden in den letzten Jahren weniger, die Personaldicke der Redaktionen hat nachgelassen, das Publikum ist noch kritischer geworden und es ist grundsätzlich nicht mehr alles so einfach wie früher – außer Fotos zu machen. Aber es ist eine Messe, die sehr wichtig für unsere Branche ist. So viel mediale Aufmerksamkeit bekommen wir das ganze restliche Jahr nicht. Deshalb freue ich mich, dass auch wenn ich dieses Jahr nicht dabei bin, die Messe stattfindet und viele Kollegen tolle Geschichten zaubern werden. Also begeistert uns. Wir lesen jede Zeile und klicken uns durch alle Bildergallerien. Versprochen.

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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.

  • Michael Ferstl

    Ich hab die E3, letztes Jahr zum ersten mal so wahr genommen und mir alle Streams angeschaut, vor Ort sein ist sicher noch um einiges imposanter, aber gemütlicher ist es zuHause im Stream alles zu verfolgen – geniese es