Digimon World: Next Order Review

Die kleinen digitalen Monster sind los und diesmal wieder etwas klassischer, als beim letzten Mal.

Als Digimon-Fan hat man es nicht leicht. Einerseits steht die Serie mit den dazugehörigen Spielen stets im Schatten von Pokémon, andererseits hatten die letzten Digimon-Spiele allesamt einiges zu wünschen übrig gelassen. Als Fan der ersten Stunde wünsche ich mir nichts mehr, als eine Digimon-Welt, die farbenfroh ist und an den Anime erinnert – vorzugsweise Staffel eins. Digimon Story: Cyber Sleuth war da für mich eben ein Problemfall. Eine sterile Welt, die mich als Nachwuchs-Detektiv durch die Gegend schickt um Fälle zu lösen, konnte mich einfach nicht überzeugen. Man kämpfte zwar ab und an mit seinen Digimon, dennoch machte der Rest des Spiels einfach keinen Spaß. Nun erscheintDigimon World: Next Order endlich im Westen und verspricht Besserung.

Digimon World: Next Order

Die Story von Digimon World: Next Order ist schnell erklärt. Der Fokus liegt auf den Schülern Takuto und Shiki. Takuto war in seiner Kindheit einst ein sehr großer Digimon-Fan, der es sogar bis in die Endrunden von Turnieren geschafft hat. Als er sein altes Digivice findet, werden er und Shiki in die Digiwelt teleportiert, wo sie ihre Partner-Digimon treffen. Auch zwei weitere Schulkollegen kreuzen später ihren Weg. Gemeinsam müssen sie gegen Machinedramon ankämpfen, der hier sein Unwesen treibt. Quasi wie in guten alten Digimon-Zeiten.

Das Spiel startet mit der Auswahl von zwei Eiern gefüllt mit den Digimon eurer Wahl, welche auch umgehend schlüpfen. Danach werdet ihr ins kalte Wasser geschmissen, denn es wird zwar sehr vieles gleich umfangreich erklärt, aber am Ende dann doch nicht alles und der Informationsüberschuss kann doch etwas viel für den Spieler sein. So werdet ihr sicherlich des Öfteren die Hilfe von rumstehenden Digimon in Anspruch nehmen, die euch im Zweifelsfalle nochmals alles erklären. Das Gute gleich vorweg: Ihr lauft mit beiden Partner-Digimon durch eine fröhlich bunte Welt, mit jeder Menge Verzweigungen und unterschiedlichen Umgebungen. So müsst ihr beispielsweise durch eine mit Sandstürmen bedeckte Serverwüste hatschen oder euch auf einem Brodelvulkan die Seele raus schwitzen. Ziel ist es, jede Menge bekannter Digimon für eure Stadt rekrutieren, um die Machenschaften von Machinedramon gemeinsam einzudämmen. Ihr könnt dies durch unterschiedliche Aufgaben erledigen, die euch die Digimon aufgeben, sei es das Sammeln von verschiedenen Gegenständen oder auch das Finden anderer Digimon.

Digimon World: Next Order

Damit ihr überhaupt in der weiten Welt da draußen bestehen könnt, müsst ihr trainieren. Viel trainieren. Denn auch ein Agumon wird irgendwann mal an seine körperlichen Grenzen stoßen, wenn es nicht zu einer höheren Stufe digitiert. Dies erledigt ihr am Trainingspult, wo ihr verschiedene Statuswerte erhöhen könnt. Das nimmt eine Stunde der Tageszeit in Anspruch und macht die Digimon hungrig und müde. Sind sie übertrainiert, werden sie krank und verlieren ihr Leben. Sind sie zu hungrig, geschieht dasselbe. Ergo müsst ihr immer ein Auge auf den Status eurer Partner haben. Essen findet ihr einerseits auf der Fleischfarm, welche ihr im Laufe der Zeit ausbauen könnt (wie alle Niederlassungen im Spiel) und in der freien Natur oder auch nach Kämpfen. Und eure Digimon werden Unmengen an Futter verschlingen. Was anfangs noch witzig wirkt, wird später qualvoll und nervig: das „Geschäft verrichten“. Nicht nur, dass man ohnehin schon genug Zeit in Menüs verbringt, nein, euer Agumon hat auch noch eine sehr angeregte Verdauung. An vielen Orten auf der Map verteilt stehen Dixi-Klos rum, die eurem Digimon den Drang nehmen werden. Seid ihr jedoch außer Reichweite dieser genialen Erfindung empfiehlt sich das mobile Klo, welches aber nicht nur lustig aussieht, sondern auch schweineteuer ist. Und Geld ist das ultimative Gut im Spiel.

Aber ohne Moos nix los – das altbekannte Sprichwort bewahrheitet sich leider. Vieles will ausgebaut werden und viele Dienstleistungen rekrutierter Digimon verschlingen unzählige Bits, die Währung in Digimon World. Dass ihr davon nicht genug bekommt, liegt auf der Hand. Langsam ernährt sich eben das Eichhörnchen. Und das gilt für fast alles im Spiel. Ihr müsst schon ein wenig Geduld für dieses Open-World-RPG mitbringen, wollt ihr am Ende groß mitspielen.

Digimon World: Next Order

Verrichtet eurer Digimon dann doch mal abseits eines Klos sein Geschäft, gebt ihr im nicht genug oder das falsche zu essen oder habt ihr auf seine nötige Ruhe nach dem Training bzw. dem wohlverdienten Schlaf vergessen, wird es eurem Digimon zunehmens schlechter gehen. Was jedoch unausweichlich ist, ist der Tod eures Partners nach einigen Tagen. Diese haben nämlich nur eine gewisse Lebenszeit und können danach zwar wiedergeboren werden, dennoch war alle Arbeit, die ihr in das Training und Wohlbefinden eures Kumpels gesteckt habt, umsonst. Damit das nicht zwangsweise zu Frust mutiert, gibt es Zähmerfähigkeiten, die dem entgegenwirken sollen. So könnt ihr nicht nur die Lebensdauer von Digimon verlängern, sondern auch noch viele weitere Boni freischalten, die mit Fortdauer des Spiels dieses um einiges leichter machen. Dafür benötigt ihr jedoch Zähmerpunkte, die ihr nur durch fleißiges Kämpfen erhaltet.

Digimon World: Next Order

Apropos: das Kampfgeschehen hat sich seit Cyber Sleuth wieder geändert und geschieht nicht mehr rundenbasiert, sondern in Echtzeit. Je nachdem, wie viele Digimon ihr antrefft, bildet sich ein Kreis um euch, welchen ihr nicht verlassen könnt. Je nach Cooldown eurer Digimon greift ihr dann abwechselnd an, wobei sich euer Beisteuern lediglich auf das Anfeuern beschränkt und ihr zusätzlich noch Attacken-Befehle aussprechen könnt. Prinzipiell jedoch kämpfen all eure Digimon eigenständig. Das Anfeuern bringt jedoch Angriffspunkte, die wiederum gegen Spezialattacken „eingelöst“ werden können. Haben beide Digimon genug Angriffspunkte, können sie auch ein gemeinsamen Angriff starten bzw. eine Fusion vollführen.

Fazit

Leider ist Digimon World: Next Order nicht ganz das, was man sich als Digimon-Fan erhofft. Die Story und der gesamte Spielablauf sind nicht wirklich tiefgreifend und werden nach einigen Stunden repetitiv. Dennoch kommt man als Digimon-Fan mit viel Geduld auf seine Kosten. Alle altbekannten Racker sind vertreten und auch das Rekrutieren und Ausbauen der Stadt hat seinen Anreiz. Die Digitationen umgeben einen von nostalgischem Hauch und wenn man sein Agumon ausschimpfen muss, weil es „nur noch ein bisschen länger“ schlafen möchte, dann hat es auch den ein oder anderen Lacher parat. Dennoch ist die Idee seine Digimon nach wenigen Tagen sterben zu lassen eine sehr seltsame. So ist zwar die Möglichkeit gegeben, neue Digitationen auszuprobieren, jedoch wird damit verhindert, dass man eine Bindung zu seinem Partner aufbauen kann. Genau das was Pokémon in diesem Fall ausmacht, fehlt in Digimon World leider. Es ist demnach ein zweischneidiges Schwert, den einen wird es gefallen, den anderen nicht.

WERTUNG: 7/10

Wir bedanken uns bei Bandai Namco für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at