Diablo 3 ist der letzte Mist

… und trotzdem spiele ich es wie ein Blöder. Eine Selbstanalyse.

Diablo. Der Teufel. Der Gegenspieler, Luzifer, der Gefallene – er hat viele Namen. Doch nur einer von all diesen ist auch der Titel einer der bekanntesten Spieleserien aus dem Hause Blizzard geworden, und das ist nun mal das große D. Vor mittlerweile vier Jahren erschien mit Diablo 3 der dritte Teil der geschichtsträchtigen RPG-Serie, die das Prinzip „schnitzeln & looten“ voll und ganz verinnerlicht hat – und die Userzahlen sind dank konstanter Updates, einem großen Erweiterungspaket und einer aktiven Community hoch wie eh und je.

Das Ziel, der Namensgeber, die Nemesis - Diablo. //Bildrechte bei Blizzard

Das Ziel, der Namensgeber, die Nemesis – Diablo. //Bildrechte bei Blizzard

Seit mittlerweile sechs Wochen und über hundert Spielstunden zähle ich mich auch zu diesem illustren Kreis der Click-to-Kill-Menschen – und ich bin zu beinahe gleichen Teilen angepisst darüber und unterhalten davon, wie sehr mich dieses Spiel fesselt.

The bad, the worse and the bullshit

Fangen wir mit der Story bruhahahaha. Nein, ehrlich – alle Leute, die Diablo 3 der Story wegen spielen, haben meinen vollen Segen, aber nachvollziehen kann ich das nicht. Ja, es kann schon irgendwie faszinierend sein, dem endlosen Kampf zwischen Himmel und Hölle zuzusehen, aber in der Endausführung ist die Umsetzung der Story zu hölzern, zu wenig wuchtig erzählt. Ausgenommen davon sind wie in jedem Blizzard-Titel die Zwischensequenzen, bei denen man freudig mit den Ohren schlackert und dankend an den Tag denkt, an dem zum ersten Mal Strom durch einen Transistorchip geflossen ist: CGI-Grafik sieht nirgendwo schöner und detaillierter aus als bei Blizzard-Zwischensequenzen, Punkt.

Der Aufwand, den diese Clips aber zweifellos bedeuten, verhindert aber gleichzeitig auch, dass größere Story-Abschnitte per Video und somit packender erzählt werden können. Klar, wenn (von mir amateurhaft überschätzte) 90 % des Entwicklerteams dauerhaft an der Rendersoftware hocken, geht in der normalen Spieleentwicklung nichts weiter; also wird doch wieder der größte Teil der Geschichte über gefundene Audio-Logs transportiert. Das ist durchaus charmant, weil die Sprecher cool sind; auf der Höhe der Zeit ist es aber dennoch nicht. Außerdem bin ich immer noch ein bisschen böse, weil die Erweiterung Reaper of Souls erneut mit einer Bombast-Videosequenz beginnt, mich aber nach dem Bezwingen des Todes selbst (!!!) nur mit einer Art animiertem Papyrus-Comic entlässt. Da wäre die umgekehrte Reihenfolge ja noch besser gewesen – aber okay, das liegt wahrscheinlich im Auge des Betrachters.

Nicht im Auge des Betrachters liegt hingegen die Tatsache, dass die Entwickler bei Diablo immer schon mal gern an den Charakter-Modellen gespart haben. Schon Diablo 2 hatte die zweifelhafte Tugend, Modelle bis zum Erbrechen zu recyclen. Wo in Akt I die roten Höllengnome noch richtig schick aussehen, wünscht man sich spätestens in Akt III bei ihrer gefühlten fünften, lilablassrosa Inkarnation, dass sich die Goblins zum Teufel scheren und man hier ein bisschen mehr Mut zur Kreativität gehabt hätte. Diablo 3 geht da definitiv keinen anderen Weg; stellenweise fühle ich mich sogar noch mehr verarscht, da die Char-Modelle reine 3D-Interpretationen ihrer 2D-Gegenstücke aus Teil zwei sind. Im Endeffekt sind sie aber auch nur Staffage für steil nach unten sinkende Lebensbalken, die ich auch noch schnell wegklicken werde –  Schwamm drüber.

Woran ich bei diesem Spiel (okay, eigentlich allen Spielen dieser Art) einfach nicht vorbeisehen kann ist, wie stumpf die gesamte Kiste eigentlich ist. Sobald man einmal durch die Story durch ist, wird nur noch der Adventure-Modus gespielt, in dem alle Areale der Kampagne frei anwählbar sind – und hier wird nun gegrindet, bis das Hirn vor Repetition aus Nase und Ohren gleichermaßen tropft. Klicksi links, Klicksi rechts, zwei Spezialattacken – Gegnergruppe fällt um, und mögen ihnen alle Erzengel und geringeren Dämonen gnädig sein, wenn sie nicht mindestens drei Legendary Items droppen! Welche das sind, das hat man ja schon zuvor im Internet gelesen: Einer der wenigen Diablo-Spieler, die ihren Unterhalt mit dem Streamen dieses Spiels verdienen können (und dementsprechend gut über die Zahlen-Mechaniken dahinter weiß), gibt einen Build aus Items und Buffs für jeden Charaktertyp vor, mit dem man am besten auf Monsterjagd geht; eine überwältigende Mehrheit der Spieler geht fortan nur noch auf Grind-Gemetzel, um ja sämtliche Items zu bekommen. Das kostet Zeit, viel Zeit – von Nerven mal ganz abgesehen. Kreatives Austoben beim Umbau von Sets? Passiert selten – meistens wird stur auf das vorgegebene Set losgegangen; sobald es komplettiert ist, wird ein bisschen damit rumgespielt und anschließend das passende Set für den nächsten Charakter gesucht. Verdammt, in dieser Hinsicht muss ich mich ja selber an der Nase nehmen, aber deswegen bin ich noch lange nicht glücklich darüber.

Looten. Grinden. Leveln. Bis die Vorgabe erfüllt ist. Wiederholen. //Bildrechte bei digitaltrends.com

Looten. Grinden. Leveln. Bis die Vorgabe erfüllt ist. Wiederholen. //Bildrechte bei digitaltrends.com

Komm mal runter, Junge (oder Mädchen)

Warum also spiele ich dieses Ding, diese Ausgeburt der abgenutzten Maustasten also immer noch und wahrscheinlich auch noch für einige weitere Zeit? Das liegt hauptsächlich an zwei Faktoren, die auch noch zusammenhängen – it’s a science, yo!

Denn nämlich gerade dadurch, dass Diablo 3 dermaßen repetitiv ist, so mit dem Stumpf-Sein kokettiert, so linear ist, ist es der perfekte Feierabendbegleiter. Klar, man könnte auch eine einfach Serie anmachen und sich auf die Couch lümmeln – doch die einfachen Serien sind mittlerweile den Weg der Dinosaurier gegangen und ausgestorben (nein, meines Wissens nach hat sie kein Meteorit getroffen). An ihre Stelle sind hochkomplexe und unglaublich stark finanzierte Konstrukte getreten, die ich aus vielen Gründen liebe; ihr Abschaltpotential für’s Gehirn ist aber definitiv keiner davon. Und auch Call of Duty Black Ops 3 hat in mir nicht mehr dieses gesuchte Flow-Gefühl aufgebracht, wie ich bereits an anderer Stelle geschrieben habe. Doch das manchmal untertags so strapazierte Gehirn sucht seinen Ausweg, seine „chance to unwind“, und so klicke ich nun beinahe jeden Abend statt auf mein getreues Steam-Icon auf die Konkurrenz aus dem Hause Blizzard.

Wenn ich eine Party schmeiße, kannst kommen. Mit bis zu vier Leuten. //Bildrechte bei gamona.de

Wenn ich eine Party schmeiße, kannst kommen. Mit bis zu vier Leuten. //Bildrechte bei buffed.de

Doch daneben ist noch ein anderes Desktop-Icon, das ersteres perfekt ergänzt: Skype. Durch die Möglichkeit, in Diablo 3 mit bis zu drei anderen Spielern gleichzeitig zu zocken, ist die VoIP-Telefonie der ideale Kommunikationsbegleiter. Durch die Einfachheit des Spiels an sich hat man nämlich gehörig Kapazitäten frei, um auch neben der Zockerei noch gemütlich über das Tagesgeschehen, die neuesten Filme, Gott und die Welt oder über simplen Schwachsinn zu plaudern. Für mich geht es mittlerweile fast schon hauptsächlich um diese Gespräche unter Freunden – in einer Zeit, in der alle immer verplanter und über den Erdball verstreuter sind, ist man über solche Gelegenheiten furchtbar dankbar.

Warum spiele ich also immer noch Diablo 3? Vermutlich, weil es meine persönliche Version des After-Work-Bieres mit guten Freunden ist. Mal mit, mal ohne Bier – aber immer mit Freunden.

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.