Der versteckte Zeitfresser im Wohnzimmer

Wer kennt das nicht: Man kommt abends nach Hause, Schuhe ins Eck geknallt, raus aus der Hose, rein in den Jogging-Anzug und ab auf die Couch, ausspannen. Voller Freude legt man einen der lang ersehnten Blockbuster in die Konsole ein und ehe man sich versieht ist es drei Uhr früh. Jeden Tag.

Als Redakteur eines Hobby-Projektes hat man es schwer, alles unter einen Hut zu bringen. Da ist zum einen der Job, der wohl die meiste Zeit des Tages in Anspruch nimmt; man trifft sich mit Freunden und unternimmt gemeinsam was; oder man muss sich um andere Dinge kümmern, die kurzfristig alle Pläne über den Haufen werfen. Wenn man dann mal Zeit für sich hat, kommt man oft gar nicht dazu, die Spiele zu spielen, auf die man monatelang gewartet hat. Ein Review-Muster nach dem anderen sollte abgearbeitet werden (Klingt schlimmer, als es ist. Glaubt mir!) und die Knüller, die schon subtil „Zeitfresser“ im Titel stehen haben, lässt man dann doch lieber mal länger liegen. Eigentlich schade, denn gerade das sind die Perlen, die man gespielt haben sollte. Nun, ein Review zu den folgenden Spielen zu bringen, ist Wochen nach deren Veröffentlichung eher sinnlos. Einerseits hat sie bereits der Großteil von euch gespielt und selbst ohne redaktionelle Meinung wären diese wohl in eurer Konsole gelandet. Daher fasse ich mich einfach kurz und schildere meine Eindrücke der drei von mir lang ersehnten Blockbuster, nach jeweils rund fünf bis zehn Stunden Spielzeit.


Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain

Die Metal-Gear-Reihe gehört schlicht und einfach in jede ernst zu nehmende Videospielsammlung. Punkt. Zumindest einen Teil daraus sollte man auf alle Fälle gespielt haben; meine persönliche Empfehlung tendiert zu Metal Gear Solid 3: Snake Eater. Was Hideo Kojima da inszeniert setzt sich gleich mit großen Hollywood-Blockbustern, die es so richtig krachen lassen. Dementsprechend hyped war mein gesamter Freundeskreis und ein Day-One-Kauf war natürlich Ehrensache. Am selbigen Abend verschluckte die Konsole bereits die ersten drei Stunden, weitere folgten in den darauf folgenden Tagen. Das Gameplay ist nicht mit dem von alten Tagen zu vergleichen. Metal Gear macht hier alles richtig. Die Steuerung ist viel geschmeidiger und eingängiger als noch in Teil 4 und auch grafisch haut mich das Spiel immer wieder um. Lustig ist auch euer Begleiter: ein anfangs noch kleiner Hund, den ihr in der Wüste findet. Dieser kann euch bei den unzähligen Haupt- und Sidequests helfen, ebenso, wie auch die rekrutierten Soldaten, die ihr auf eurem Weg mit dem Ballon nach Hause in eure Basis schickt, welche zunehmend wächst und gedeiht.

Spiele der Metal-Gear-Reihe brauchten bei mir immer eine Eingewöhnungsphase, bis ich dann in einem guten Flow war. Das hatte ich bei The Phantom Pain überhaupt nicht. Man merkt einfach schon in den ersten Stunden, dass jeder verdammte Cent gut in dieses Spiel investiert war. Auch wenn Konami das anders sieht. Aber die Geschichte hat ja glücklicherweise ein Ende genommen. Kojima ist frei und bereit für Neues!

McPölzl’s persönliche Geil-o-mat-Wertung: Hell yeah!

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain kann in allen Belangen überzeugen. Made possible by Hideo Kojima.

Metal Gear Solid V: The Phantom Pain kann in allen Belangen überzeugen. Made possible by Hideo Kojima.


Fallout 4

So we meet again. Ich war ja immer schon ein großer Fan der Idee und des Settings in Fallout. Die postapokalyptische Stimmung gepaart mit einer fahlen Landschaft hat einfach seinen ganz eigenen Charme. Bislang war aber das Gameplay immer wieder ein Abturner für mich. Zu behäbig war die Steuerung, zu umfangreich die Möglichkeiten. Man könnte fast meinen, man hantiert an einer Doktorarbeit rum, während man sich durch das Inventar und die unzähligen Menüs klickt. So verlor ich immer recht schnell den Fokus auf mein eigentliches Ziel. Shortcuts auswendig lernen, Kampfablauf studieren, mit NPCs Reden, irgendwelchen Leuten was bringen; ach, wo war nochmals die Stadt, wo ich hin muss? Fallout 3 musste dann nach einigen Stunden schließlich anderen Spielen weichen, ich wurde einfach nicht warm damit.

Das sollte Fallout 4 wieder ändern. Noch bevor ich das Spiel zum ersten Mal startete, ging ein Aufschrei im Internet los und sogar Freunde schickten mir entsetzte Nachrichten: „Was haben die mit Fallout gemacht“? Nun, zur Erklärung: Offenbar war nicht nur die schwache Story und das lieblose Dahinplätschern des Spiels an sich ein Dorn im Auge der Fans, sondern auch die grundlegende Vereinfachung des Handlings. Keine Doktorarbeiten mehr? Klingt nach meinem Ding! Nach gut fünf Stunden Spielzeit muss ich mir dann aber doch wieder eingestehen: auch Fallout 4 wird nicht meine große Liebe. Zwar macht das Spiel richtig Laune und oben angesprochene Kritikpunkte treffen mich persönlich nur tangential, aber es ist nach wie vor zu behäbig und es wirkt mehr wie Arbeit für mich, als Unterhaltung. Schade eigentlich.

McPölzl’s Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

Der neueste Ableger war bei hartgesottenen Fans nicht ganz so beliebt, dafür zugänglicher für Neulinge.

Der neueste Ableger war bei hartgesottenen Fans nicht ganz so beliebt, dafür zugänglicher für Neulinge.


Xenoblade Chronicles X

Den ersten Teil von Nintendo’s grandiosem Meisterwerk hatte ich sowohl auf Wii als auch dem 3DS verschlungen. Damals hatte ich offenbar noch Zeit dafür. Die Wii U musste ohnehin mal entstaubt werden, also rein ins Laufwerk damit! Als erstes setzte ich mir mal eine Brille auf. Beim Bundesheer meinten sie zwar, ich sehe wie ein Adler, aber das, was die Xenoblade-Entwickler hier verbrochen haben, ist auch für mich zu viel des Guten. Die saßen während der Entwicklung offenbar nur wenige Zentimeter vom Monitor weg, sonst hätten sie bemerkt, dass man in den Menüs eine Lupe braucht, um das alles lesen zu können. Charakter erstellt, weiter geht’s. Na wenigstens sind die Dialoge im Spiel davon nicht betroffen. Ah Sprachausgabe. Sehr schön. Zwar nur teilweise, aber immerhin.

Nach dem ganzen Gefasel geht es dann das erste Mal raus in die Wildnis. Wow. Eine einfach wunderschöne Welt, die seinesgleichen sucht. Überall vegetiert die Natur, viele kleine Monster suchen einen Kampf mit mir, ehe um die Ecke ein riesiger Koloss erscheint. Gemeinsam mit meinen Anhängern begebe ich mich also ins Gefecht, welches in Echtzeit abläuft. Erklärt wird nur wenig. Hätte ich nicht schon den Vorgänger gespielt, wüsste ich nicht, wie man kämpft. Egal, der Erfolg war mein. Weiter geht’s in eine riesige Stadt, wo es an allen Ecken und Enden etwas zu entdecken gibt. Ich bekomme Übungsmissionen und werde durch ein Tutorial geleitet. Und das bleibt dann auch ein Weilchen so.

Die Geschwindigkeit, mit der ich meinem Ziel näher komme, ist gering. Viel zu viel Zeit verbringe ich in Gesprächen oder Videosequenzen. Der Kulturschock sitzt tief. Vor allem, nachdem davor bereits beide oben stehenden Spiele angespielt wurden. Ich bin gerade im knallharten JRPG-Genre gelandet. Das ist keinesfalls schlecht, nur benötigt diese Art von Spiel viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit, als es vielleicht ein Metal Gear benötigt. Xenoblade Chronicles X gefällt mir ausgesprochen gut und ich finde, es sollte jeder JRPG Fan definitiv mal einen Blick darauf werfen. Aber ob es mit dem Rest der Spielerschaft kompatibel ist, wage ich zu bezweifeln.

McPölzl’s östliches Reiseabenteuer in Kurzfassung: Top, aber man sollte einen Reiseführer mitbringen.

Xenoblade Chronicles X ist ein wahrlicher Zeitfresser auf Nintendos Wii U.

Xenoblade Chronicles X ist ein wahrlicher Zeitfresser auf Nintendos Wii U.

Wir bedanken uns bei Nintendo Österreich und Bethesda für die Bereitstellung der Testmuster.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at