Der Kampf um Hyrule landet am Nintendo 3DS

Ja ihr lest richtig! Ein weiteres Spiel der The Legend of Zelda Reihe stürmt auf Nintendos Handheld. Diesmal weder mit was ganz Neuem, noch mit einem Remake – nennen wir es einfach einen „Extended Port“ von Hyrule Warriors für Wii U. Jump in!

Ich kann gar nicht genau beziffern, wie viele Stunden meines Lebens ich in Hyrule Warrios für Wii U gesteckt habe. Vermutlich um die 200. Es war einfach mal was Anderes, prinzipiell zwar nichts Neues, aber eben der erste Kontakt der Zelda-Franchise mit dem Dynasty Warriors Konzept, welches als Inspiration galt. Nun landet das Spiel also auch auf dem Nintendo 3DS respektive 2DS und bringt einige Änderungen mit sich. Gute, sowie Schlechte.

Neu in der 3DS-Version ist auch der Handlungsstrang zu The Wind Waker.

The Good

Ihr seid nach wie vor der unscheinbare Soldat, der sich dem Angriff der Moblins entgegenstellt, um Hyrule vor dem Untergang zu bewahren. Frei nach dem Motto „mittendrin statt nur dabei“, stellt ihr euch kurzerhand an die vorderste Front der Soldatenschar, nachdem die Angsthasen eurer Kompanie die Hosen gestrichen voll haben und sich im letzten Eck verstecken. Die Geschichte nimmt dabei den selben Verlauf, wie schon in der Wii U Version des Spiels, birgt jedoch nette Boni für Neukäufer. Einerseits wurde der Handlungsstrang zu The Wind Waker implementiert, welcher nach dem eigentlichen Plot angesiedelt ist und zeigt, wie das Portal zur neuen Seefahrer-Ära geöffnet wird; andererseits wird auch die Story zu Linkle, einer neuen weiblichen Protagonistin – quasi das Pendant zu Link – in mehreren Episoden erzählt. Zusätzlich wurde auch noch die Geschichte von Cia ins Spiel gepackt, welche zuvor nur als DLC für Wii U erhältlich war. Für reichlich Content ist also gesorgt!

Ebenso mit an Bord sind neue Kämpfer für euer Abenteuer. Neben Linkle werfen sich auch noch die Crew aus The Wind Waker (bestehend aus Tetra, Daphnos Johanson von Hyrule a.k.a. Roter Leuenkönig und Toon Link), sowie Horror Kid zusammen ins Getümmel und bringen auch gleich neue Waffen zur Party mit. Die debütierenden Charaktere sorgen nicht nur für frischen Wind am Schauplatz, sondern machen auch richtig Spaß. Allen voran Linkle, welche zwar nicht ganz balanced ist, aber solange die Unterhaltung nicht darunter leidet, soll uns das recht sein, wenn sie mit ihren Armbrüsten die Gegner niedermäht.

Linkle heizt ihren Gegnern mit Armbrüsten ein, gleich mit doppelter Feuerkraft.

Wie schon von der Wii U bekannt, hat es neben dem Story-Modus auch wieder der Abenteuer-Modus ins Spiel geschafft. Hier findet ihr eine Karte vor, die bereits aus dem allerersten The Legend of Zelda bekannt ist. Nach und nach müsst ihr die einzelnen Felder aufdecken, indem ihr die Herausforderungen, die ihr dort vorfindet, mit einem gewissen Rang abschließt. Dabei können die Aufgaben, die es erfordern, mit der höchsten Auszeichnung zu prahlen doch recht knackig sein. Items, die über das Feld verteilt sind, helfen euch beim Freischalten neuer Herausforderungen und erzwingen es quasi, dass ihr bereits absolvierte Aufgaben auch mehrmals spielen müsst. Was das Ganze bringt? Neue Waffen und Charaktere natürlich! Mit dem neuen Modus „My Fairy“ könnt ihr auch Feen als Verbündete gewinnen, die dann mit euch im Abenteuer-Modus mitkämpfen. Die Stunden, die ihr hier verbringen werdet, solltet ihr übrigens besser nicht mitzählen. #GoodByeLife

Am Gameplay selbst hat sich auch ein bisschen was getan. So könnt und müsst ihr am Touchscreen zwischen den Charakteren, mit denen ihr den ausgewählten Story-Abschnitt bestreitet, wechseln, um weiter zu kommen. Solltet ihr mal nicht selbst kämpfen wollen, aber eine Gefahr wittern, könnt ihr eure Mitstreiter auch an einen Ort befehligen oder auf einen Gegner ansetzen. Praktisch, wenn es von allen Seiten donnert. Stirbt jedoch einer der Charaktere, ist das Spiel vorbei.

Außerdem gewähren euch zwei neue Items im Spielverlauf eine gewisse Erleichterung. So könnt ihr euch mit der Ocarina zu Eulen-Statuen teleportieren, die ihr zuvor jedoch erst aktivieren müsst. Es ist also nicht mehr zwingend erforderlich quer über das Gebiet zu laufen, wenn ihr in Bedrängnis seid und könnt so Zeit sparen und einem drohenden K.O. nochmals aus dem Weg gehen. Mit dem neu gewonnenen Hammer könnt ihr große Scharen an Gegnern mit einem kräftigen Schlag massiv schwächen oder auch einen gewissen Endboss in die Knie zwingen.

The Bad

Zu allererst mal sei erwähnt, dass die Wii U Version mit einem Co-op Modus ausgestattet war, welcher richtig brillant glänzte. Ein Spieler konnte am Fernseher mit beispielsweise dem Pro-Controller spielen während Spieler zwei am Wii U Gamepad seinen Schaden anrichtete. Aufgrund eines Datenverlusts hatte ich das Vergnügen den Story-Modus von Hyrule Warriors gleich zwei Mal durchzuspielen. Einmal alleine und einmal zu zweit. Letzteres war ganz anders zu spielen: weniger hektisch, da man sich aufteilen konnte und natürlich lustiger, weil Co-op immer eine soziale Komponente mit sich bringt, die einem Singleplayer-Spiel einfach fehlt. Schade also, dass Hyrule Warriors Legends für den 3DS Co-op gänzlich aus dem Repertoire gestrichen hat.

Tetra ist auch mit an Bord und gesellt sich zu den zahlreichen Kämpfern.

Zum einen ist erfreulich, dass Nintendo dem Spiel zwar Codes beilegt, welche die neuen Kapitel der 3DS-Version auch auf der Wii U freischalten; bitter jedoch, dass der gesamte DLC, welcher bereits für die Wii U gekauft wurde, nicht kostenfrei am 3DS spielbar ist. Hier wird man nochmals zur Kasse gebeten, was im Jahre 2016 etwas dreist wirkt, gibt es doch auf konkurrierenden Plattformen, wie iOS oder auch dem PlayStation-Universum, Cross-Buy. Außerdem sind diese DLC Inhalte noch nicht verfügbar und werden erst in den nächsten Monaten bereitgestellt. Für ein quasi „altes Spiel“ unverständlich in vielerlei Hinsicht.

The Ugly

Leider ist aus technischer Sicht Hyrule Warriors Legends eine Katastrophe. Das Spiel wird ausdrücklich für den New Nintendo 3DS empfohlen, also der etwas stärkeren Version des normalen Nintendo 3DS. Das hat auch einen triftigen Grund: Das Spiel ist auf älteren Geräten quasi unspielbar. Bislang gab es mit Xenoblade Chronicles 3D nur ein Spiel, welches exklusiv für den New 3DS erschien, wenn man mal von den kürzlich angekündigten Super NES Titeln absieht. Die Frage ist also, ob es nicht hier auch besser gewesen wäre, so vorzugehen.

Das Spiel an sich wurde ohnehin schon massiv abgespeckt. Von Gegnerscharen, wie auf der Wii U keine Spur und auch die grafische Repräsentation ist stark durch die Hardware limitiert worden. Fairerweise muss man sagen, dass das Spiel am kleinen Bildschirm zwar ganz annehmlich aussieht, aber weit Weg von der Pracht und Detailverliebtheit der Wii U Version steht. Nun liegt der Sinn im Nintendo 3DS für mich darin, dass ich Spiele in stereoskopischem 3D spielen kann, ohne eine Brille auf meinem Zinken sitzen zu haben. Und genau hier wird es ungemütlich: Schafft das Spiel am New 3DS in 2D-Darstellung mehr oder weniger konstante 30fps, sinken diese auf ernüchternde 20fps, sobald der 3D-Regler aufgedreht wird. Durch den 3D-Effekt wirkt das Spiel jedoch plastischer und schöner, als die simple 2D-Darstellung.

Legt man das Spiel auf dem normalen 3DS ein, welchen die meisten der Käufer ihr Eigen nennen dürfen, so enttäuscht das Spiel vorneweg schon mit mickrigen, sowie nicht konstanten 20fps in der 2D-Darstellung. Dreht man hier den 3D-Regler nach oben, passiert nichts, denn der 3D Effekt wurde auf diesen Geräten gänzlich deaktiviert. Ist wohl auch besser so, da die Frames, die pro Sekunde unser Auge streifen, dann wohl an einer Hand abzuzählen gewesen wären. Dennoch ein deftiger Sitzer, macht es doch das Killer-Feature des 3DS obsolet.

Um die Unterschiede der Versionen zu verdeutlichen, möchte ich auf ein Video von DigitalFoundry hinweisen:

Fazit

Hyrule Warrios Legends ist eine Hassliebe. Die erweiterte Story und die vielen Änderungen im Detail machen das Spiel nur noch besser, als schon von der Wii U bekannt. Leider ist der fehlende Co-op Modus etwas, das mich sehr traurig stimmt. Durch diesen hatte das Spiel auf der Heimkonsole schon viel mehr Spaß gemacht, als es nochmals alleine durchspielen zu müssen. Auch die technischen Einschränkungen und der massive visuelle Downgrade trüben leider den Spaß am Spiel. Wenn ich vergleichsweise die Wii U Version ins Laufwerk lege, habe ich einfach mehr Freude daran. Der fehlende stereoskopische 3D Effekt besiegelt für mich das Résumé dann endgültig. Fehlend, weil ich kein Spiel am 3DS ohne diesem spielen möchte. Für 2D Darstellung wechsle ich lieber auf mein Smartphone mit Retina-Bildschirm, bei dem ich kein Augenkrebs bekomme und welches in der Lage ist, Konsolengrafik zu erreichen. Ist Hyrule Warriors Legends deshalb ein schlechtes Spiel? Mitnichten! Es war das für mich meist gespielte Spiel des letzten Jahres. Aber die 3DS Version macht mich mehr unglücklich, als ich befürchtet hatte. Und objektiv betrachtet ist es das schlechtere Spiel, hat man die Wahl zwischen beiden Versionen. Somit: Wer eine Wii U hat, soll sich lieber das Original holen. 3DS Besitzer, die das Risiko einer Enttäuschung eingehen wollen, seien vorab gewarnt.

WERTUNG: 6/10

Wir bedanken uns bei Nintendo Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at