Der Amateur hat’s schwör – Eindrücke zu Project Cars

Ich glaube mein erstes Rennspiel war Chase HQ am Spectrum ZX (1989), wirklich gut war ich am virtuellen Asphalt aber nie. Trotzdem habe ich mich an die erfolgreiche Kickstarter Rennsimulation „Project Cars“ gewagt und ein paar Runden gedreht.

Wenn man bei einem Rennspiel den Reifendruck oder die Einstellungen eines Force Feedback Lenkrades einstellen kann, dann will ich mich im ersten Reflex in Embryo-Haltung in meiner Xbox One verstecken und Pink Fluffy Unicorns singen. Ja, ich bin der Typ, der Ausdauerrennen in Gran Turismo 3 mit Joypad und Aussenperspektive gespielt hat – so what? Trotzdem liebe ich das Genre in seiner ganzen Vielfalt und es gibt wenige wichtige Titel, die ich in den letzten 20 Jahren ausgelassen habe. Egal ob Daytona USA, F1 Grand PrixMario Kart oder Forza Horizon, gespielt habe ich sie alle.

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Auf Project Cars bin ich schon vor Jahren aufmerksam geworden, als mein ehemaliger Arbeitskollege Johannes Posch, seines Zeichens Rennspielexperte unserer damaligen Redaktion, das Spiel crowd-gefunded und sich immer wieder die neuesten Videos dazu angesehen hat. Seine Begeisterung für das Spiel hat sogar mich angesteckt – zumindest was die Vorfreude betrifft. Nach einigen Verschiebungen ist das Game nun endlich erschienen und ich war so frei mir das Game auf der Xbox One zu installieren.

Was erwartet man heute von einem Rennspiel – einer Rennsimulation? Sie soll Umfang haben, unique Autos und ausreichend Herausforderungen bieten. All das findet sich im Spiel. Speziell der Fuhrpark ist beeindruckend, weil in erster Linie sehr abwechslungsreich. Zwar kann man nicht, wie in manchen vergleichbaren Spielen, unter mehreren VW-Golf-Modellen wählen, dafür gibt es vom Kart, über diverse Prototypen bis hin zum Formula A Wagen fast alles, was das Herz begehrt. Mir sind speziell der Ford MkIV aufgefallen (den hatte ich als Kind als Modell) und der Lotus 98T Renault Turbo, den ich, wenn ich mich recht erinnere, bei diversen Formel 1 Rennen angefeuert habe. Nicht weil ich Lotus Fan war, aber ich mag schwarze Autos nicht erst seit Knight Rider.

So, jetzt aber zurück zu meinem Semi-naiven Ansatz, der mich von der primären Project Cars Zielgruppe unterscheidet. Ich will ja eigentlich nur ein paar Runden drehen und dabei Spaß haben – und man soll es nicht glauben, das funktioniert. Bei all den Einstellungen und dem Simulationsanspruch des Spiels, kann man die Settings so wunderbar an die eigenen Vorstellungen anpassen, dass man auch als Hobbyist schnell den Einstieg findet. Egal ob Karriere oder bei einem schnellen Rennen, von der Stärke der KI bis hin zur Rundenzahl lässt sich alles sehr fein einstellen. Die Anzahl an „Gegnern“ kann sogar auf 39 erhöht werden, was man so auf Konsolen eher selten sieht. Leider fährt die künstliche Intelligenz oft sehr unüberlegt und rammt euch unmotiviert von der Strecke. Das hätte man wohl besser machen können bzw. sollte in einem der nächsten Patches berücksichtigt werden. Auf Qualifying und Warmup darf dankenswerterweise verzichtet werden. Der Spieler mit wenig Zeit freut sich nicht nur innerlich.

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Das Handling der sehr unterschiedlichen Boliden (70!) ist spürbar anders, aber schon nach kurzer Zeit spiele ich auf den Schulter-Triggern wie auf einem Klavier und halte so auch hoch-PSige Monster gut in den Kurven. Das kann einerseits an meinem unglaublichen Können liegen, oder aber auch an der gut umgesetzten Steuerung für das Joypad. Das ist nicht selbstverständlich, wurde das Spiel doch in erster Instanz für den PC entwickelt, was man auch an der kleinen Schrift und den veränderbaren Menüs merkt.

Einen Story-Modus oder ähnliche Spielereien findet man auch bei Project Cars nicht. Die Karriere ist mit netten Vertragsangeboten und Twitter-Meldungen belebt, mehr aber auch nicht. Die Wahrheit liegt halt auf der Piste. So ist das ja auch bei all den anderen Rennspielen da draussen. Online darf natürlich auch gefahren werden, leider habe ich in meiner Testsession keine Fahrer in meiner „Spielklasse“ gefunden. Vielleicht eh besser so. Ich gewinne gerade meine ersten Rennen, da kann ich mit übermotivierter Konkurrenz ohnehin nicht viel anfangen.

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Fazit

Als Spieler mit wenig Zeit und nicht der Muse mich allzu sehr in ein Rennspiel hineinzuARBEITEN, bin ich mit Project Cars sehr glücklich. Die zahlreichen Strecken und Autos motivieren immer wieder für eine schnelle Runde, die Regenrennen sehen einfach toll aus und auch sonst macht das Spiel eigentlich nichts wirklich falsch, abgesehen von der angesprochenen KI, die einem das Leben unnötig schwer macht. Was fehlt ist der große Name, was in der heutigen Marketing-getriebenen Zeit sicher eine Bremse auf dem Weg nach oben sein kann und die meines Erachtens nicht vorhandene Lücke, die das Spiel füllen will. Aber mal abwarten. Vielleicht entwickelt sich die Serie ja doch noch zu einem Dauerbrenner auf der Konsolen- und PC-Piste, der uns die nächsten Jahre noch viel Freude bereiten wird.

Das Spiel ist für PC, PS4 und Xbox One erhältlich. Versionen für SteamOS und Wii U sollen folgen.

Hier haben wir noch ein Video auf youtube gefunden, das ein netter Landsmann mit Lenkrad und VR-Brille aufgenommen hat. Er beschreibt manche Details des Spiels etwas akkurater, was wir euch nicht vorenthalten wollten 🙂


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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.