Das Nintendo Classic Mini – Ein Fall für die Vitrine

Eigentlich hätte ich Psychologie studieren sollen. Mich würde nämlich tatsächlich interessieren, was in unserem Hirn passiert, wenn Erinnerungen getriggert werden. Tschisi Eis, ein neuer Film mit Schwarzenegger – oder eben ein „neues“ NES.

Ich selbst bin erst mit dem SNES in die Konsolenwelt eingestiegen. Das NES kannte ich nur von Freunden. Dunkel kann ich mich an Duck Hunt und Super Mario Bros. 2 erinnern. Es war schon spannend, die fünf Pixel in drei Farben von links nach rechts laufen zu sehen, aber wirklich begeistert hat mich dann erst die 16-Bit-Welt. Trotzdem hab ich mich vom Hype anstecken lassen und mir ein Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System bestellt. Wer nicht? Wirklich damit spielen werde ich aber selten.

Das hat interessanterweise primär mit dem kurzen Controller-Kabel zu tun. Man muss sich die Konsole schon auf den Schoß stellen, um nicht 5cm vor dem 50-Zöller sitzen zu müssen. Das ist ungefähr so sinnvoll wie kein Stromkabel beizulegen, sondern nur ein USB-Kabel. Das sind so die kleinen Hindernisse, die Nintendo von uns übersprungen wissen will, um zum ersten Mal ins Menü zu gelangen. Dieses ist überraschend aufgeräumt, bietet drei Bildmodi und auch sonst kann man sich eigentlich an dieser Stelle über nichts beschweren. Und ich beschwere mich gerne.

Hach, Nostalgie ...

Hach, Nostalgie …

Die Spiele selbst … nun, sagen wir es ist eine Zeitreise. All jene, die mit Zelda, Mario und Metroid aufgewachsen sind, werden der hakeligen Steuerung und dem Piep-Sound sicher etwas abgewinnen können. Alle anderen verlassen fluchtartig das Zimmer – außer sie haben sich vorher an dem spitzen Controller schon die Pulsadern aufgeschnitten. Ergonomie war früher offenbar noch teuer.

Ich will jetzt gar nicht über die zehn von mir gespielten Spiele haten (z.B. Ninja Gaiden) und schon gar nicht über die zehn Games, die ich gar nicht anschauen wollte (z.B. Mega Man 2). Aber dann gibt es da so eine Handvoll Spiele, die funktionieren heute mindestens so gut wie damals. Dr. Mario etwa. Nach zwei Stunden Spielzeit habe ich das erste Mal bemerkt, dass ich schon Bräune vom TV eingefangen habe, weil ich so nah sitze. Das Spiel ist aber unglaublich und beweist, dass eine gute Spielidee zeitlos ist. Auch eines meiner absoluten Lieblingsspiele aller Zeiten, Bubble Bobble, könnte ich jeden Tag aufs Neue starten.

30 der wohl prägendsten Spiele von so mancher Kindheit.

30 der wohl prägendsten Spiele von so mancher Kindheit.

Was in jedem Fall erreicht wird ist, dass man sich bei aktuellen Spielen nie wieder über schlechtes Handling oder einen zu harten Schwierigkeitsgrad aufregen sollte. Damals war nicht alles besser. Dennoch sieht man in praktisch jedem der 30 Games, welchen Einfluss sie auf die Branche hatten und größtenteils Genre definiert haben. Allein die Tatsache, dass viele der Marken noch leben bzw. geistige Nachfolger noch immer für begeisterte Gamer sorgen, ist die wirkliche Leistung dieser Spielesammlung – die sich aktuell übrigens nicht erweitern lässt.

70 Euro ist in jedem Fall ein Kampfpreis für diesen Erinnerungsflash – zumindest für Zeitzeugen – und Psychologen.

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.