(C)ori and the Blind Forest

Was wäre das für eine grenzgeniale Überschrift für diesen Artikel gewesen, hätte diesen unsere Cori geschrieben. Knapp daneben, aber ich wollte ihn mir dennoch nicht entgehen lassen und stürze mich, ein bisschen in mich selbst hineinschmunzelnd, in das Vorzeige-Metroidvania aus Österreich.

Lange ist es her, als ich Hand an mein erstes Metroid Spiel gelegt hatte. Es war im Sommer 2003, als mir ein guter Freund auf der Nivea-Tour in meiner steirischen Heimat Metroid Fusion in die Hand drückte und meinte, dass ich mir das mal ansehen sollte. Ich hatte mir zwar ein halbes Jahr davor schon Metroid Prime für den GameCube gekauft und nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch angefangen abgöttisch zu lieben, aber der erste Ausflug in das klassische 2D-Metroidvania Genre kam dann eben erst in besagtem Sommer auf dem GameBoy Advance. Und seither sollte sich meine Leidenschaft für Videospiele schlagartig ändern.

Ori und sein Freund Naru durchleben eine emotionale Reise, erzählt in wunderschönen Bildern.

Ori und sein Freund Naru durchleben eine emotionale Reise, erzählt in wunderschönen Bildern.

Mit Ori and the Blind Forest erschien vor fast genau einem Jahr ein an dieses Genre angelehntes Machwerk für Xbox One und PC, welches vor allem durch seinen an aktuelle Rayman-Spiele angelehnten Art-Style, sowie den fantastischen orchestralen Soundtrack aus der Masse heraussticht. Zudem wurde das Spiel von den Moon Studios entwickelt, die ihren ‚Firmensitz‘ in Österreich haben. Ist doch schön für unser patriotisches Herz, nicht? Nun, ich betone es absichtlich so verzwickt, weil ein gewisser Herr Thomas Mahler sehr wenig mit Österreich in Verbindung gebracht werden will, spricht man ihn darauf an. Mein geschätzter Kollege Alex hat einen wunderbaren Beitrag dazu geschrieben. Aber nachdem wir uns heute nicht mit den Eskapaden von heimischen Höhenflug-Artisten beschäftigen, sondern mit dem Spiel selbst, sollte uns das nicht kümmern. Dennoch ist es spannend zu beobachten, wie man pünktlich zum Release der Definitive Edition von Ori wieder etwas Aufmerksamkeit in den Medien schindet. Die Publicity-Maschine hat wieder mal zugeschlagen.

Die Welt von Ori and the Blind Forest ist riesig und bietet jede Menge Geheimnisse, die es zu erkunden gilt.

Die Welt von Ori and the Blind Forest ist riesig und bietet jede Menge Geheimnisse, die es zu erkunden gilt.

Zugegebenermaßen ist das Spiel eine Offenbarung für alle Fans des Genres. Man hat hier alle Elemente aus den oben genannten Spieleserien in ein wirklich empfehlenswertes Gesamtwerk verpackt. Zum einen wäre da eine Geschichte, die gut erzählt wird und mit wunderschönen Animationen, sowie dem dazu passenden Soundtrack untermalt ist; zum anderen eine Steuerung, die exakt das tut, was sie soll. Ori setzt auf perfektes Movement und gezielte Aktionen. Ein Fehler und man wird gnadenlos bestraft. Hier dienen die manuell und taktisch klug einsetzbaren Rücksetzpunkte als unverzichtbare Hilfe, um nicht den Kopf pausenlos gegen den Tisch zu knallen, wenn einen der Gegner one-hittet. Wo wir es schon ansprechen: der Schwierigkeitsgrad ist brutal. Glücklicherweise gibt es in der Definitive Edition die Möglichkeit, diesen nach belieben anzupassen.

Die Abwechslung wird groß geschrieben: Immer wieder gilt es neue, knackige Herausforderungen zu meistern!

Die Abwechslung wird groß geschrieben: Immer wieder gilt es neue, knackige Herausforderungen zu meistern!

Die zu erlangenden Skills aus dem sehr großzügig gespickten Fähigkeitenbaum machen das Spiel im weiteren Verlauf nicht nur einfacher, sondern sind auch unumgänglich. Dennoch sind manche Stellen im Spiel nicht nur viel zu schwer, sondern einfach nur nervig (so ziemlich alle Stellen mit Kuro, der Eule) oder Trial-and-Error Schwachsinn (alle Fluchtszenen nach Levelabschluss). Und hier trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen: Ich konnte meinen Controller einfach nicht ablegen, weil mich Ori an den PC respektive der Xbox One fesselte. Aber bei besagten Szenen legte ich eine Pause von mehreren Tagen ein, weil ich den Controller sonst gegen den Bildschirm geknallt hätte. Und das ist einfach kein gutes Game-Design. Trial-and-Error sollte nicht teilweise das Ziel eines Spiel werden, welches sich davor nahezu perfekt präsentiert.

Fazit

Was soll ich sagen? Als alter Metroidvania-Haudegen hatte ich die PC-Version förmlich verschlungen. Mit der Definitive Edition auf der Xbox One geht es mir nun ähnlich, aber nachdem das Spiel teilweise künstlich erschwert wird und ich besagte Stellen schon kommen sehe, vergeht mir wieder die Lust darauf, weil es ansonsten zwar richtig knackig, aber eben fair ist. Das Erkunden der Welt mit wunderbar abwechslungsreichen Abschnitten macht Spaß; die Suche nach neuen Power-Ups, Lebens- oder Manaessenzen ist eine gelungene Abwechslung und auch der Soundtrack bildet zusammen mit den visuellen Impressionen ein nie dagewesenes Erlebnis. Die Definitive Edition bietet jetzt nicht wirklich einen Mehrwert für Spieler, kommt der erweiterte Umfang der Neuauflage doch eher einem Gratis-Patch gleich. Ein Upgrade lohnt also wenig. Jeder der Ori and the Blind Forest aber noch nicht gespielt hat und sich mit Metroid & Co. identifizieren kann, sollte definitiv nicht nur ein Auge drauf werfen.

WERTUNG: 8/10

Wir bedanken uns bei Microsoft Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at