Casual Games verändern die Spielelandschaft!?

In den letzten Jahren veränderten Smartphones und Tablets die Spielgewohnheiten der Zocker. Durch Casual Games kamen auch spielefremde Anwender wortwörtlich in Berührung mit der digitalen Unterhaltung. Die großen drei Konsolenhersteller – Microsoft, Nintendo und Sony – buhlen zwar weiterhin um die Vorherrschaft im Wohnzimmer, doch die portablen Geräte dringen mit ihren Spielen nicht nur in eben dieses ein, sondern besitzen eine Vormachtstellung an jedem erdenklichen Ort.

Die gelobten Jahre

Als im Jahr 2005 Microsofts Xbox 360 und Sonys PlayStation 3 erschienen und im Jahr darauf Nintendos Wii das Licht der Welt erblickte, war der Spielemarkt noch recht überschaubar. Spieler besaßen entweder eine stationäre Konsole, wahrscheinlich von besagten Unternehmen, oder einen PC. Mobile Spielekonsolen, in Form eines Nintendo DS oder einer portablen PlayStation, kamen auf einen Marktanteil von knapp 25%. Smartphones waren noch in den Kinderschuhen und verzauberten höchstens ein paar Geeks, an Tablets verschwendete niemand auch nur einen Gedanken. Soziale Netzwerke bauten sich vereinzelt auf, doch gespielt wurde auf diesen Plattformen nicht. Zocker wanden sich nach der Schule, dem Studium oder getaner Arbeit ihrem Spielgerät zu. Allein, mit Freunden oder Millionen von Menschen im Internet spielten sie nicht selten mehrere Stunden am Tag.

Die Jahre verstrichen und neue Technologien eroberten die Welt. Die Smartphones, allen voran Apples iPhone, verkauften sich millionenfach. Auch die Spieleentwickler begriffen es schnell: Auf den kleinen Geräten wird gern gespielt. Sei es beim Warten auf den Bus oder während der Vorlesung, eine kurzzeitige Unterhaltung lehnte kaum jemand ab. Schnell erschloss sich ein komplett neuer Markt. Die Casual Games zogen die Massen in den Bann. Alteingesessene Spieler und auch Nichtspieler downloadeten die kleinen Spiele-Apps. Wir bombadierten verbarrikadierte Schweine, erhoben das Schwert gegen Früchte, zerschnitten Seile, fügten Süßigkeiten zusammen, verhalfen einem kleinen Vogel zum Fliegen und beschützen das Grundstück vor Zombieattacken. Das Smartphone wurde zur mobilen Spielekonsole und lehrte dem (3)DS von Nintendo und den vielen Varianten der PSP von Sony das Fürchten. Mit der Veröffentlichung des ersten iPads und dem anschließenden Tabletboom wuchs das Geschäft mit den Apps weiter.

Erinnerungen an die ersten Casual Games

Ich kann mich noch gut an die ersten Monate mit dem iPhone 4 erinnern. Die Tastatur meines PCs verstaubte ebenso wie die Controller der Wii und das Fieber der Mini-Spiele packte mich. Mit dem iPad Mini wurde es nochmals auf einen neuen Höchststand gebracht, aber jedes Mal landete ich wieder auf dem PC und der Konsole, die mobilen Begleiter dienten immer weniger dem Spielspaß, Alltagsaufgaben rückten wieder in den Vordergrund.

Die erste Ernüchterung trat nach ein paar Monaten ein, denn die Spiele versuchen zwar immer eine andere Geschichte mit knuffigen Charakteren und einer bunten Welt zu verbinden, gleichen sich aber zum größten Teil: Ich erlerne ein paar neue Wischgesten, muss etwas verbinden, das Gerät kippen und ein wenig kombinieren. Das alles wird in leicht veränderte Abschnitte unterteilt, mit Achievements sowie einem leichten Schwierigkeitsgrad versehen und zum kleinen Preis im App Store angeboten. Fertig ist das nächste One-Hit-Wonder. Millionen Spieler schlagen beim kurzen Zeitvertreib zu, die meisten der Casual Games geraten innerhalb von Monaten wieder in die verdiente Belanglosigkeit.

Haben sich unsere Spieleigenschaften verändert?

Ungehindert dieser offensichtlichen Todesspirale äußerten sich auch vermehrt klassische Entwickler zu der Veränderung des Spielemarktes. Die Masse habe im Vergleich zu früher nicht mehr die selbe Zeit, um sich Spielen zu widmen und könne daher nur für wenige Minuten, dafür aber mehrmals täglich, in ein Spiel hineintauchen. Als ich das in meinem Freundeskreis ansprach, die allesamt Smartphones besitzen und teilweise Tablets besitzen, kamen zum schnell zu einem einheitlichen Ergebnis: Her mit euren gigantischen Meisterwerken! Zwar haben wir wirklich weniger Zeit zum Spielen, dies ändert aber nicht die Art und Weise, wie wir Spiele konsumieren. Vielmehr sind es die neuen Nutzer, die durch Smartphones und Tablets erstmals zur Gruppe der Spieler gezählt werden und ihre Geräte zücken, sobald ihnen langweilig wird.

Für zwischendurch sind Spiele auf den mobilen Geräten weiterhin eine schöne Abwechslung, doch Daheim will ich eine tiefgehende Unterhaltung geboten bekommen. Ich will nicht permanent durch kleine Level wischen, dem bunten Helden bei etwas Banalem helfen und zum nächsten Abschnitt weiterhechten. Ich will in eine große Spielewelt geworfen werden, mir Ruhm und Ehre verdienen, Gegner einschüchtern, Entscheidungen und die dadurch verbundenen Konsequenzen erleben, in eine spannende Geschichte verzwickt werden und selbst den Ausgang finden, im Multiplayer-Modus mit anderen zusammen spielen oder mich gegen feindgesonnene Spieler messen. Sei es Ego-Shooter, Action oder Strategiespiel, Rollen- oder Rennspiel, Adventure oder Sportsimulation, ich will es Daheim an einem großen Bildschirm mit einem Controller oder Maus und Tastatur erleben. Ich will lachen, weinen, verzweifeln, kniffeln. Ich will lange und intensive Unterhaltung. Kurzum: Ich will mehr als ein Casual Game.

PlayStation 4, Wii U und die Xbox One haben dem herkömmlichen Spielemarkt wieder neue Impulse gegeben. Ihre Verkaufszahlen zeigen bislang, dass die Masse sich immer noch tagtäglich vor den Fernseher setzt und für ein paar Stunden in eine andere Welt abtaucht. Durch mehr Hardwarepower entstanden und entstehen neue Grafikengines, die auch den PC nicht mehr auf der Stelle trampeln lassen, ganz im Gegenteil: Die Hardware-Architektur von PlayStation 4 und Xbox One ähneln sich stark, beide setzen auf x86-Prozessoren und Grafiklösungen von AMD. Spieleentwickler können so ihre Titel um einiges leichter für PCs bereitstellen und somit auch der grauen Kisten unter dem Schreibtisch wieder zu mehr Leben verhelfen.

In diesem Sinne: Nehmt euch Zeit für eure klassischen Wegbegleiter!

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.

  • Michael Ferstl

    Du sprichst mir aus der Seele, Handy Spiele sind absolut langweilig und können keine Konsole ersetzen – auch nicht die Vita oder den 3DS

    • Dazu kommt, dass die Auswahl an wirklich tollen Alternativen im App Store immer mehr nachlässt. Entweder wird der Spielspaß durch ein Bezahlmodell vernichtet oder Teil 37 von Cut the Birds wird veröffentlicht. Die Perlen des letzten Jahres wie z.B. Threes, ALONE…, Goblin Sword oder auch Pako sind wohltuende Ausnahmen.

      Interessant wird es auch, wenn man nach längerer Zeit wieder eine alte App von „damals“ herunterlädt. Fruit Ninja ist nun komplett überladen und hat mich direkt wieder verjagt.