Bürde Hobbyprojekt

Viele Erfolgsgeschichten sind als Hobbyprojekt gestartet. Egal ob Entwicklerschmiede, Gadget oder so manche Konferenz. Und das in einer Zeit, wo wir ohnehin genug zu tun haben.

Wir beschweren uns über die 60h Arbeitswoche und haben zusätzlich permanenten Freizeitstress, weil das neue superschicke Restaurant getestet und das nächste Open World RPG durchgespielt werden muss. Und dann gibt es noch Verrückte, die sich zusätzlich Projekte aufhalsen, weil sie diese einfach gern machen würden. Das fängt bei einer Website über ein beliebiges Thema an und geht bis zu Konferenzen, die mit zahlreichen Freiwilligen ins Leben gerufen werden wollen. Bleibt die Frage: warum tun wir uns diesen Scheiß an?

Oft können wir uns in unserer täglichen Arbeit nicht zu 100% verwirklichen. Das kann viele Gründe haben, aber aus irgendeiner Motivation heraus wollen wir eben etwas Zusätzliches, meist Kreatives schaffen. Das erfordert Commitment, schließlich macht man es (zumeist) weder für Geld noch für den kurzfristigen Erfolg. Man konzipiert, sucht Marktlücken oder setzt einfach etwas um, das man schon immer mal tun wollte. Wie zu erwarten kommt man dann irgendwann zu dem Punkt, an dem man Gleichgesinnte um sich scharen will/muss, weil das Projekt für einen selbst zu groß wird bzw. man jemanden braucht, der einen selbst immer wieder motiviert.

Eine der erfolgreichsten deutschen Spieleschmieden der letzten Jahre, Innogames, startete als Hobbyprojekt.

Eine der erfolgreichsten deutschen Spieleschmieden der letzten Jahre, Innogames, startete als Hobbyprojekt.

Ich habe letzte Woche mit ein paar Kollegen über dieses Thema und damit über deren Projekte gesprochen und in der Regel klingt das Feedback bei allen gleich: Um ein Hobbyprojekt am Leben zu halten, speziell wenn es ambitioniert konzipiert ist, dann braucht es die viel beschworene Hands-on Mentalität. Meist vom Initiator selbst, denn Leute zu finden, die gratis für eine Sache kämpfen, die vielleicht mal groß wird, das ist schwierig. Aber unabdingbar.

Regelmäßige Treffen sind wichtig, um das Gemeinschaftsgefüge zu stärken, aber was, wenn die Freiwilligen über halb Europa verteilt sind? Erfolgserlebnisse sind wichtig, damit alle Beteiligten sehen, dass ihre Mühe nicht umsonst war – aber was, wenn weder die monetären Mittel da sind, noch der erwünschte Erfolg (bei Kickstarter immer wieder sehr deutlich in Zahlen dargestellt)? Bei Konferenzen hat man immerhin das Event am Ende, das hoffentlich reibungslos abläuft, aber die vielen durchgearbeiteten Nächte, um alles fertig zu bekommen, zehrt meist am Gemeinschaftsgefühl – denn bei keinem Projekt arbeiten alle immer gleich viel mit.

Hier bedarf es Manager-Qualitäten. Man gibt Auserwählten oder besonders motivierten Personen Titel, „Head of Perspective“ etwa, stellt ihnen neue Kontakte vor, die sie für die Zukunft vielleicht benötigen, oder füttert sie mit dem was man hat ein wenig an. Falsch ist es in jedem Fall sich mit Leuten zu umgeben, denen auch solche „Boni“ keinen Kick versetzen bzw. die von Anfang an unmotiviert an die Sache herangehen, oder es nur für den kurzen Benefit machen. Es muss eine Grundmotivation da sein, etwas auf die Beine stellen zu wollen. Etwa die Lust am Schreiben oder am Organisieren. Wenn das nicht da ist, dann wird man es auch nicht hervorkitzeln können.

hobby-project

Ein berühmter Autor, dem ich bei einer Lesung einmal beiwohnen durfte, wurde von einem Besucher gefragt, ob er eine bestimmte Zielgruppe anvisiert, wenn er seine Bücher schreibt. Seine Antwort: „Es muss zunächst einmal mir gefallen. Erstens, weil ich sonst nicht weiter schreiben würde und zweitens gehe ich davon aus, dass es dann auch ein paar anderen Leuten gefallen wird.“ Ein guter Leitsatz für alle Projekte, die man aktuell betreibt oder zukünftig starten möchte, was mich zu einem letzten Zitat eines kleinen, grünen Außerirdischen bringt, der einmal gesagt hat: „Do or do not. There is no try.“

In diesem Sinne wünsche ich allen Hobbyisten da draussen viel Erfolg! Überwindet die Täler, die euch regelmäßig den Boden unter den Füßen wegziehen werden und hasst euch nicht, weil manche von euch mal aus welchen Gründen auch immer die Arbeit für Tage oder Wochen einmal vernachlässigen. Es gibt einen Grund, warum ihr diese Projekte macht, also lasst euch nicht verschrecken. Vieles im Leben passiert nicht aus der richtigen Motivation heraus – Hobbyprojekte meist schon.

Quelle: Star Wars

Quelle: Star Wars

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.

  • Martin Mc Fly Fornleitner

    puh da spricht mir einer aus der seele. einer der das alles aber schon im grossen stil lange kennt. wir waren wahnsinnig vor freude und erschöpfung, als uns als hobby-redaktion vergangenen herbst die erste große vor-weihnachts flut an testmustern erreicht hat. da hat jeder publisher, jeder entwickler jedes noch so kleine geme geschickt. datu haben wir uns noch ein riesiges advent-gewinnspiel aufgehalst und und und. langweilig war uns nicht, geliebt haben wir es, aber es gehört echt viel power dazu alles am laufen zu halten. seien es nun testberichte, pod- und videocasts, interviews, messebesuche, community, website, usw usw usw – das hat mich sehr viel lernen lassen. mühsam, aber total cool, wenn man für sei hobby kraft aufbringt. 🙂