Boardgame Party Time!! Betrayal at House on the Hill

Mir ist etwas an mir selbst aufgefallen: Ich spiele in letzter Zeit lieber Brettspiele als Videospiele. Werde ich alt? Sind Computergames schlechter geworden? Oder sind Brettspiele in letzter Zeit einfach so unglaublich gut?

Alle Punkte treffen irgendwie zu, letzterer ist aber mein eigentlicher, ausschlaggebender Grund für meine neuentdeckte Brettspielpassion. Das und die süchtig machende Boardgameshow Tabletop von Wil “Wesley Crusher” Wheaton. Dort durfte ich auch das heutige Thema dieser Schreiberei entdecken, die 2004 von Avalon Hill veröffentlichte Survival-Horror-Koop-Procedural-Roguelikelike-Extravaganza Betrayal at House on the Hill, mein derzeitiges Lieblingsspiel. Und bevor hier jetzt jemand sagt, dass dieses Continue Magazin ja eigentlich eine Videospiel- und keine Brettspielseite sei, sollte ich noch erwähnen, dass mir das auch irgendwie egal ist. Spiel ist Spiel.

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Betrayal, wie ich das viel zu lang betitelte Spiel in den kommenden Zeilen abkürzen werde, kombiniert raffiniert gleich mehrere klassische und progressivere Spielmechanismen. Storyseitig könnte es hingegen kitschiger kaum sein: Als eine Gruppe verschiedenster Charaktere mit verschiedensten Fähigkeiten und Charakterzügen vom Wissenschaftler bis zum High-School-Quarterback oder der Wahrsagerin (mein Favourite: der grün gekleidete, harmlos wirkende Peter Akimoto) finden sich die Spieler in einem verlassenen Geisterhaus wieder, das ein dunkles Geheimnis und jede Menge Schätze, Fallen und Überraschungen in sich aufbewahrt. Als Team gilt es, die düstere Villa zu erkunden und das Geheimnis zu lüften – auf dem Weg dorthin sollte man sich aber auf einige Stolpersteine gefasst machen. Das Genie des Spiels liegt dabei in der grundsätzlichen Mechanik an sich: Dank einem clever durchdachten Aufbauprinzip ähnelt keine Partie Betrayal der letzten.

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PARTYSPASS MIT ZUFALLSPRINZIP

Zu Beginn des Spiels finden sich alle Charaktere in der Lobby des Geisterhauses wieder, viel mehr gibt es dann auch noch nicht zu sehen – durch zufälliges Aufdecken von neuen Spielfeldern werden Schritt für Schritt die Räume der Villa aufgedeckt. Darin befinden sich manchmal Zufallsevents, manchmal Waffen, Schätze oder andere Überraschungen. Diese erste Phase des Spiels erinnert an das Grinden in einem RPG – man wandert gemeinsam durch das Haus und versucht neue Skills zu lernen und Ausrüstung zu finden – sprich den eigenen Charakter besser und stärker zu machen. Das macht ziemlich viel Spaß und hilft auch ordentlich dabei sich selbst Pen-and-Paper-mäßig ins Spiel hineinzusteigern. Vorwärtsgetrieben wird der Spielplot durch sogenannte Omen-Karten, die zufällig in Räumen gefunden werden können – jedes Mal wenn ein Spieler eine solche bekommt müssen Würfel gewürfelt werden. Ist die Anzahl der Augen auf den Würfeln mehr als die der Omen-Karten am Tisch ist alles okay. Ist sie niedriger beginnt die zweite, actiongeladenere Phase des Spiels: Der Haunt.

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In der Haunt-Phase endet das spaßige Kooperieren – einer der Spieler ist ein Verräter und muss versuchen, die anderen zu überlisten. Wer der Verräter ist und was dessen geheime Mission beinhaltet, wird auch relativ zufällig festgestellt – über 40 mögliche Haunt-Szenarien sorgen für die notwendige Abwechslung und immer neue Herausforderungen. Die gesammelten Waffen, Skills und Items werden jetzt gegeneinander angewendet. Die möglichen Finalphasen könnten dabei vielschichtiger kaum sein: Mal gilt es eine Zombiearmee zu besiegen, mal wird der Verräter zum Geisterlord, mal geht man gemeinsam auf Schatzsuche. Das Ganze spielt sich dann schon ein bisschen wie ein klassisches DnD-Abenteuer – was gar nicht mal so schlecht ist und auch Spieler, die sich nicht so in die Pen-and-Paper-Marterie reintrauen, ein bisschen mit dem Grundprinzip des klassischen Rollenspielens vertraut macht.

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Bis jetzt durfte ich schon einige Partien Betrayal mit den verschiedensten Spielern angehen und hatte jedesmal eine neue Erfahrung – der wichtige Wiederspielwert ist also gesichert. Es ist herausfordernd, aber nicht abschreckend schwierig. Spannend, unterhaltsam und auch nach mehrmaligem Spielen immer noch voll mit Überraschungen. Ein Vorzeigevertreter dieser neuen Generation von Boardgames, die geschickt verschiedensten Spielern mit verschiedensten Interessen die Faszination Brettspiel vorstellt. Für Fans von Rollenspielen, trashigen Horrorschinken und eigentlich eh jeden, der wieder mal mit Freunden oder Familie ein verdammt gutes Brettspiel spielen will, gibt’s von meiner Seite daher eine absolute Empfehlung.

Meine Version von Betrayal at House on the Hill habe ich bei Damage Unlimited in Wien gekauft – ob es das Spiel dort noch gibt, kann ich aber nicht sagen.

Alle Screenshots sind aus dem Tabletop-Video zum Spiel.

Written by: Christoph Sepin

Space Cowboy Bei consol.AT habe ich früher immer versteckte Botschaften in meine Artikel eingebaut, aber das weiß außer mir niemand. Und seit es das nicht mehr gibt, braucht man ja irgendwas anderes zu tun. Für CONTINUE möchte ich mir die kleinen Dinge der Spielewelt ansehen, die manch einer vielleicht übersieht. Die Indies und Kickstarter-Kampagnen. Und ab und zu vielleicht eine positive Geschichte aus der Gamingumgebung. Weil geraunzt wird sowieso schon genug.