Bloodborne – brings back (good) memories

Bei der Dichte an Spielen, die täglich auf uns hereinprasseln, ist es unmöglich und meist auch nicht nötig alle zu spielen. Bloodborne ist eine Ausnahme.

Letzte Woche hat mir ein Freund einen Artikel weitergeleitet, der erstmals seit dem Erscheinen von Bloodborne kritische Worte fand – wenn schon nicht über das Spiel, dann zumindest über die Berichterstattung darüber.

„But with all of the talk about Bloodborne as masterpiece, Bloodborne as perfect, or Bloodborne as best game ever, I can’t help but feel like the gaming media is failing at one of its most fundamental jobs: telling people about video games. Because while Dark Souls fans do deserve to know how this game compares to the thing they already love, regular people also deserve to know that they will, probably, hate this game. It is maddeningly, crushingly and unendingly difficult. To fans, this is part of the appeal. To most people, this is awful.“

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Wenn mich all die Berichterstattung davor nicht zu dem Spiel getrieben hätte, was sie nicht hat (es war mein privates Umfeld), dann hätte ich mir das Spiel JETZT geholt. Warum? Weil ich einer von den verweichlichten Mid-Core Gamern geworden bin, der noch kein „Souls„-Game angefasst hat. In meiner Vergangenheit hab ich mich in der Spielhalle durch Final Fight gekämpft, habe Turrican am Amiga gemeistert (mit unendlich Leben, aber das war damals noch etwas anderes!) und hab Beat’em Ups auf einem ganz guten Level gespielt (zumindest auf dem Level, der in italienischen Spielhallen für Respekt gesorgt hat). Doch dann kamen die sogenannten AAA-Games.

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Was hab bei den Turrican-Spielen Nerven gelassen.

Ich mag Batman, Assassin’s Creed, Mass Effect und wie sie alle heißen, aber wenn wir uns ehrlich sind, dann können wir diese Spiele auch mit einer halben Gehirnhälfte meistern. Map, Quest-Log und ein 4 stündiges Tutorial verhindern mit einem offensichtlichen Kalkül, dass so etwas wie Stress oder Frust ein dauerhafter Begleiter werden könnte. Deshalb spielen wir diese Games auch. Kinder, Job, eine gestresste Freundin, es gibt viele Gründe warum man am Abend nicht gezwungener Maßen eine noch größere Herausforderung sucht. Deshalb verkaufen sich diese Spiele auch gut und ich gönne ihnen diesen Erfolg.

Was diese Spiele zusammen aber nicht schaffen ist, dass ich mich in einem Telefonat mit Freunden über sie unterhalte, am Heimweg darüber nachdenke, wie ich eine bestimmte Stelle meistern kann oder was mich eigentlich motiviert, dass ich diesen Frust auf mich nehme, die ewig gleichen Stellen zu spielen, manchmal ohne wirkliches Vorankommen. Weil ich mit jedem „Tod“ etwas lerne – mit jeder Stunde, in denen ich Gegnern geschickter ausweiche oder noch mehr Gefühl dafür bekomme, wie weit meine schnelle Attacke reicht. Ich trainiere, wie ich früher Doppelsprünge oder das plötzliche Auftauchen von Gegnern geübt und auswendig gelernt habe. Es ist die Wiederholung und die an mich gestellte Forderung des Spiels, keine Fehler zu machen, mich zu verbessern. Bei jedem Tod weiß ich, was ich falsch gemacht habe, ärgere mich über mich selbst und den PS4-Controller. Wer mich kennt weiß, dass ich eine niedrige Frustrationstoleranz habe, aber ich bleibe dran.

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So würde Bloodborne wohl aussehen, wenn es von einem anderen Studio gekommen wäre.

Und noch etwas hat dieses Spiel geschafft. Wenn man sich in der Regel Reviews dieser Tage durchliest dann merkt man, dass viele Redakteure müde geworden sind. Wie willst du auch einen Test über FarCry 4 oder das neue Call of Duty wirklich spannend schreiben, wenn du das die letzten 10 Jahre schon getan hast (es gab sicher toll geschriebene Reviews, ich hab nur keins davon gelesen, sorry). Bei Bloodborne kam mir das anders vor. Vielen Redakteuren, allen voran Rich McCormick von TheVerge, lassen uns in ihren Texten so viel von ihrer Lust an dem Spiel spüren, dass man mitreden und mitspielen will. Man will Teil dieses elitären Klubs sein, der sich in das Spiel verbissen hat und nicht mehr loslässt. Weil irgendwann wird man es geschafft haben – oder auch nicht – und sich gern wieder in den Couchsessel zurückfallen lassen, um das nächste weniger anspruchsvolle Game zu spielen, dass einen den Stress des Alltags vergessen lässt und keinen neuen aufbauen will.

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Spielt Bloodborne, auch wenn es vielleicht nicht für euch gemacht ist. Nur damit ihr noch einmal dieses Gefühl habt, wie es früher einmal war. Bei R-Type. Bei Ghosts ’s Goblins. Bei Turrican. Nicht schlecht designt oder unfair. Fordernd. Prüfend. Und gleichzeitig belohnend. Vielfalt ist großartig. Bloodborne ist großartig.


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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.