Black Ops 3 – Der Hype-Train ist da

Lang erwartet, endlich eingetreten: Die Treyarch Studios sind wieder am Zug und dürfen enthüllen, dass sie mittlerweile seit drei Jahren am neuen Call of Duty schrauben. Und ja, das interessiert tatsächlich viele Leute. Mich inklusive.

Ach, Call of Duty. Du bist meine guilty pleasure. Jedes Mal, wenn ich denke, dass ich deinen Fängen entkomme, kommt wieder eine neue Episode um die Ecke – noch bombastischer, mit noch mehr Wub-wub-WUB und ein bisschen mehr Hurra-Patriotismus geschmückt. Und was denke ich mir dabei? Nein, ich denke nicht „Ach komm, alter Hut, das lass‘ ich doch mal aus“ – mein Gehirn wird von Gedanken wie „Na gut, ist doch ein bisschen wie Michael Bay – ein bisschen überteuerten Scheissdreck braucht der Mensch, wenn er Spaß haben will“ beherrscht. Und es funktioniert (fast) jedes Jahr, in meinem Fall seit beinahe zehn Jahren.

Das Geheimnis wurde gelüftet: Black Ops 3 wird kommen. //Quelle:  www.forbes.com

Das Geheimnis wurde gelüftet: Black Ops 3 wird kommen. //Quelle: www.forbes.com

Und dann kommt auch noch mein Lieblings-CoD-Entwickler Treyarch wieder dran, die ich für World at War und die beiden bisherigen Black Ops schon mal mit Vorschusslorbeeren überhäufen …

Schnitt.

Ich fühle mich gerade verlogen. Nicht, weil ich ein Teil der Lügenpresse wäre (was auch immer das sein soll). Nicht, weil mir damals von Activision ein Trip nach Santa Monica ermöglicht wurde, um BO2 vorab zu sehen – ich hätte es so und so gut gefunden.

Ich komme gerade aus einer Vorstellung von „Die letzten Zeugen“ im Burgtheater in Wien. Das Thema, für diejenigen, die nicht auf den Link klicken wollen: Holocaust-Überlebende erzählen ihre Geschichten aus Konzentrationslagern, Ghettos und Krieg. Kommentieren sie. Sind lebendige Geschichtsbücher, wirklich mit die letzten der Menschen, die dieses unfassbare Leid über sich ergehen lassen mussten. Erzählen davon, wie sie sich mehrere Tage in einer Höhle unter einer Toilette in vollkommener Finsternis versteckt haben – 180 Personen auf wenigen Quadratmetern mit einem kleinen Lüftungsrohr. Schildern, wie sie Gräber für Freunde graben mussten. Beschreiben, wie sie ihr Gesicht im Spiegel nicht mehr erkannten. Führen aus, wie sie von Menschen auf offener Straße getreten, gedemütigt und bespuckt wurden.

Und wir sitzen hinter unseren Bildschirmen und spielen Krieg.

Spielen.

Versteht mich nicht falsch: Ich will nicht bestreiten, dass Spiele immer eine abstrakte Ebene der Wirklichkeit sind und dass man hier Dinge ausleben kann und soll, die man eben im Realen nicht tut. (Auch) dafür haben wir Spiele erfunden. Und die befreiende Wirkung, die Spiele haben können, und die Möglichkeit zur Flucht aus dem Alltag ist ebenso unumstritten.

"Die letzten Zeugen" im Burgtheater. Minimalistisch und genau richtig umgesetzt. //Copyright: Reinhard Werner / Burgtheater

„Die letzten Zeugen“ im Burgtheater. Denkt, Menschen, denkt. //Copyright: Reinhard Werner /
Burgtheater

Aber nach so einem Abend, wie ich ihn gerade erlebt habe, hat die Vorstellung, sich darauf zu freuen, einen neuen Ableger einer Ego-Shooter-Reihe zu spielen, in der im Endeffekt tausende Pixel-Kameraden ins digitale Nirvana geschickt werden, nicht den Appeal, den sie davor hatte.

Das wird sich mit ziemlicher Sicherheit wieder ändern, was auch ein wenig schade ist. Aber so ist der Mensch nun mal – er verdrängt und vergisst. Aber gerade ein Massaker wie der Holocaust darf niemals vergessen werden, auch wenn die letzten Zeugen einmal nicht mehr sind. Sie haben uns an diesem Abend an ihnen teilhaben lassen, und ich empfinde es als meine Verantwortung als Mensch, dieses mir zur Verfügung stehende Mittel als Signal zu verwenden.

Spielt. Spielt weiter. Aber noch wichtiger: erinnert euch.

Schnitt Ende.

Der erste Teaser zu Call of Duty: Black Ops 3 ist draußen. Zu finden gibt es ihn hier. Der offizielle Reveal findet am  26. April statt, mit Pomp und Trara und garantiert auch einem Story-Trailer. Mit ziemlicher Sicherheit werden wir wieder ein Zukunftssetting wie schon in Black Ops 2 erleben, inklusive einem großartigen Multiplayer-Modus und den beliebten Zombies. Ich freu mich drauf. Nur nicht heute.

„Die letzten Zeugen“ wird in unregelmäßigen Abständen im Burgtheater und auf anderen großen Bühnen aufgeführt. Die nächste Aufführung ist am 9. Mai. Ticketpreise beginnen bei 2,5 €.

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.

  • Michael Ferstl

    wie wahr, wie wahr

    • derNeue

      Danke sehr. Der Text war mir wichtig, umso mehr freue ich mich über Feedback.