Beta-Weibchen

Vorhang auf für die Multiplayer-Beta von Call of Duty: Black Ops 3 – der Einblick in das Schützenfest für Shootermenschen. Spoiler: Treyarch enttäuscht mich einfach nicht.

Jeder Mensch hat (mindestens) eine guilty pleasure. Die einen trinken morgens Dosenbier. Die anderen haben tonnenweise Vanilleeis im Kühlschrank und baden täglich darin. Wieder andere halten sich hässliche Hunde.

Ich? Ich spiele Call of Duty.

Wenn ich spiele, sterbe ich auch. Immer wieder. Aber es macht doch Spaß. //Screenshot des Autors

Wenn ich spiele, sterbe ich auch. Immer wieder. Aber es macht doch Spaß. //Screenshot des Autors

Also, nicht jedes. Ich bin schon auch ein wenig heikel. Genauer gesagt habe ich Wochen (tatsächliche Spielzeit) in Modern Warfare verbracht. Danach kam lange nichts. Ein kleiner Flirt mit Modern Warfare 2, aber sonst nix. World at War knallte ordentlich, MW3 eher nicht. Black Ops 1, Black Ops 2 – die hatten mich endgültig gefangen. Ein Muster hatte sich herausgezeichnet: Die Call of Duty-Teile, die mir am meisten Spaß machten und mich über Wochen beschäftigten, kommen aus dem Hause Treyarch. Ghosts hat mich sowohl im Single- als auch Multiplayer komplett kalt gelassen, Advanced Warfighter habe ich nicht mal mit dem Arsch angesehen.

Doch jetzt ist wieder Treyarch am Zug. Black Ops 3, insgesamt der zwölfte Eintrag in der Serie. Und so sehr ich auch nach Ermüdungserscheinungen in der Beta gesucht habe: Ich fand nur sehr wenige davon.

The good

Fangen wir mit den guten Dingen an: Das Spielgefühl der Treyarch-CoDs ist komplett erhalten geblieben. Also, so richtig vollständig. In Ghosts fühlte ich mich ständig wie in Watte eingepackt, nicht direkt steuernd, und die Kameraperspektive wollte in meinem Hirn auch nie so recht zu dem passen, was sich auf dem Bildschirm tat. Black Ops 3 geht zurück zum Spielgefühl von Teil 2 – die Geschwindigkeit, die Perspektive, die Spielmodi, alles wieder da. Auch die Waffenanpassung mit dem „Pick 10“-System wurde wieder übernommen, natürlich mit komplett neuen Waffen. Eh klar – es muss ja auch zum Zukunftssetting passen, in dem die Spieleserie nun vollends angekommen ist. Die Systeme bleiben aber sehr gewohnt, fünf Klassen an Waffen plus Sonderwaffen.

Pick 10 ist wieder da. Man kann alles in den Kampf mitnehmen - aber jede Ausrüstung kostet einen Punkt. Zehn gibt's davon. //Screenshot des Autors

Pick 10 ist wieder da. Man kann alles in den Kampf mitnehmen – aber jede Ausrüstung kostet einen Punkt. Zehn gibt’s davon. //Screenshot des Autors

Wirkliche Neuerungen gibt es im Bereich der Bewegung: Mit einem zweiten Druck auf die Sprungtaste kann man nun ein sich selbst regenerierendes, kleines Jetpack zünden oder am Boden entlangrutschen. Außerdem kann man nun über weite Strecken an Wänden entlanglaufen. Ja, man merkt eindeutig, dass hier Versatzstücke aus Titanfall eingebastelt wurden – aber wie beim großen Vorbild spielt sich das überraschend flüssig.

Die zweite große Neuerung sind die Spezialisten: Zusätzlich zur Waffenklasse, die man sich selbst basteln und auch während eines Matches wechseln kann, wählt man nun auch vor jedem Spiel eine Spezialistin oder einen Spezialisten aus. Diese Spezifikation bestimmt zum einen das Aussehen im Match, aber noch wichtiger auch die Spezialfähigkeit, die man in die Schlacht mitnimmt. Jeder Spezialist hat zwei Fähigkeiten zur Auswahl, was insgesamt 18 unterschiedliche Fähigkeiten in die Schlacht bringt. Darunter sind unterschiedlichste Dinge: Sensoren, die Gegner durch Wände anzeigen, ein Explosiv-Bogen, Superpanzerung und vieles mehr. Spezialisten können auch mehrfach pro Team vergeben werden – idealerweise ergänzen sie sich aber untereinander. Das bringt Abwechslung ins Spiel und ein wenig mehr taktische Tiefe. Außerdem ist es angenehm, auch weibliche Charaktere über das Spielfeld wuseln zu sehen (womit auch endlich der Titel des Beitrags erklärt wäre).

Im Hintergrund: Meine Lieblingsspezialistin. Nein, das liegt garantiert nicht an  dem Bogen. Ganz sicher nicht. //Screenshot des Autors

Im Hintergrund: Meine Lieblingsspezialistin. Nein, das liegt garantiert nicht an dem Bogen. Ganz sicher nicht. //Screenshot des Autors

The bad

Kein Licht ohne Schatten, kein Spiel ohne Makel. Und klar, wir sprechen hier von einer Beta – in zwei Monaten bis zum Launch wird sich noch einiges tun. Doch zwei Dinge sind mir recht sauer aufgestoßen in meiner Woche in der Beta:

Zum einen war das der unerwartete Hardware-Hunger von Black Ops 3. Meine Grafikkarte mag nicht mehr ganz am Stand der Zeit sein, doch der Rest des Rechners ist top of the game. Um so unverständlicher, dass das Spiel zu Beginn der Woche geruckelt hat wie mein Auto, wenn ich beim Schalten einen Niesanfall bekomme. Im Verlauf der Beta wurde dieses Phänomen um vieles besser – ich gehe also davon aus, dass hier eine Software-Überarbeitung bis zum Release noch Wunder wirken wird.

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Zum anderen funktioniert das Balancing der Matches manchmal nicht gut. Sogar richtig beschissen. Es können durchaus drei Runden in einem Match vergehen, bis der Server merkt, dass ein Stand in Teammitgliedern von 3 zu 6 vielleicht nicht ganz fair ist. Zusätzlich verschärft wird dieser Umstand dadurch, dass man sein Team auch nicht selbst wählen kann – freiwillige Wechsel zum Teamausgleich sind also nicht möglich. Treyarch, BITTE nachbessern. Ich will verlieren, weil ich schlecht bin, und nicht, weil wir zu wenige im Team sind.

… and the ugly

„The ugly“ – das sind eindeutig bestimmte Teile der Community. Denn für Leute, die anderen Menschen Krebs wünschen und dabei noch dummdreist lachen, während sie ihren zwölfjährigen Arsch in Muttis Bürosessel fläzen, ist der Begriff „the bad“ einfach nicht genug. Diese Idioten schaffen es, dass sie anderen Menschen den Spaß an einem ganzen Spiel vermiesen können. Bisher sind sie mir in Black Ops 3 aber überraschend selten über den Weg gelaufen. Ich hoffe, dass es dabei bleiben wird – Hoffnung an das Gute im Menschen und so.

Insgesamt hinterlässt mich eine Woche Beta mit dem neuesten CoD-Teil mit sehr eindeutigen Gefühlen. Ja, das wird ein Shooter, der mich nach drei Jahren fast totaler Abstinenz von der Serie wieder in seinen Bann nehmen wird. Auch wenn ich mittlerweile auch andere Gedanken zu solchen Titeln habe: Ich bin und bleibe ein homo ludens und als solcher spiele ich auch digitales Junkfood. Und davon ist Call of Duty immer noch die Königsklasse.

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.