Aus alten Tugenden Hoffnung schöpfen

Am vergangenen Wochenende lud ArenaNet zum Beta-Testen ein: Vorkäufer der kommenden Guild Wars 2-Erweiterung Heart of Thorns konnten die neue Klasse Widergänger und den PVP-Modus Festung probespielen. Continue stieß dabei auf viele Parallelen aus dem ersten Teil der Spielreihe.

Alte Erinnerungen flammten auf, als ArenaNet auf der PAX South Ende Jänner das erste Addon zu Guild Wars 2 und deren Neuerungen enthüllte. Mit dabei die neue Klasse Widergänger, welche dem Ritualisten aus Teil 1 ähnelt, und einem PVP-Modus namens Festung, der schon im Video das Gefühl vom geliebten und schrecklich vermissten GvG erweckte.

Ein halbes Jahr, einige Videos und viele Infohäppchen später, ließ ArenaNet erstmals Vorkäufer des Addons die zwei großen Neuerungen antesten. Allerdings offenbarten sie dabei weder ein Stück von der Story, noch lassen sie Spieler auch nur einen Fuß in den Maguuma-Dschungel setzen. Das werde durch weitere Beta-Wochenenden folgen, so die Entwickler. Ist uns aber auch egal, Hauptsache endlich etwas Neues im bald dreijährigen und Content-armen MMO!

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Sieht aus wie ein Ritualist aus dem ersten Teil, hat allerdings eine stärkere Rüstung und zieht auch gern in den Nahkampf. Gestatten: Der Widergänger.

Dem Ritual(ist) folgend

Ohne lästiges Hochleveln springen wir mit dem Widergänger auf Levelstufe 80 direkt in die bekannte Welt Tyrias. Das Levelcap soll auch bei Erscheinen des Addons nicht erhöht werden, durch eine „vertikale“ Spezialisierung, Beherrschung genannt, sei für genügend Frische gesorgt – in späteren Testsessions dazu mehr. Durch seine Augenbinde erinnert der Widergänger optisch an einen Ritualisten aus Teil 1, die schwere Rüstung lässt aber schon erahnen, dass er sowohl für den Fern- als auch den Nahkampf gerüstet ist.

Einen direkt hochgelevelten Charakter vor sich zu haben, überfordert zunächst, da wir nicht Level für Level Skills und Traits freischalten, sie über Stunden benutzen, die verfügbaren Waffen kennenlernen und den für uns angenehmsten Spielstil immer weiter verfeinern. Stattdessen prasselt auf uns eine Flut an Einstellungen herab, um das Chaos noch größer zu machen, spendieren die Entwickler Rüstungen und Waffen in sämtlichen Variationen.

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Direkt das Levelcap zu erreichen hat nicht nur Vorteile: Wir wurden am Anfang von den Traits und Fertigkeiten erschlagen.

Die neue Klasse kann mit Axt und Streitkolben, Hammer oder Stab ausgerüstet werden. Die Wahl sollte gut überlegt sein, da ihm ein zweites Waffenset verwehrt bleibt, schnelles Umschalten ist somit ausgeschlossen. Ungewöhnlich, aber belebend: Stab und Hammer besitzen sowohl Nah- und Fernkampfangriffe und sollten mit den neueingefühten Legenden, eine Art Kampfkraft aus der Vergangenheit angelehnt an historische Charaktere des Guild Wars-Universums, kombiniert und sinnig eingesetzt werden.

Im Betabuild vom Wochenende erprobten wir die Legenden von Zwergen-König Jalis (Verteidigung), dem dämonischen Mallyx (Zustände und Schaden) und Zentauren Ventari (Heilung und Support). Je nach Auswahl spielt sich die neue Klasse vollkommen unterschiedlich, hierbei werden die Skills 6-10 komplett ausgetauscht. Ihr solltet daher jede einmal testen und nach Geschmack abwählen. Die einen werden sich mit Mallyx in den Kampf stürzen, Schaden und Zustände in die Reihen der Gegner verteilen; andere als Supporter mit Stab und Ventaris Tafel für das Wohl eurer Gruppe sorgen wollen. Für Einsteiger empfehlen wir derzeit einen Hammer und die Jalis-Legende, die rundeste Alternative, um gleichermaßen Schaden und Heilung zu besitzen.

Im Kampf könnt ihr zwischen zwei Legenden wechseln und so je nach Situation abwägen. Hinderlich hierbei ist das Festhalten an nur einem Waffenset, ein Hammer ist bspw. nicht für alle Legenden sinnvoll. Offenbar stoßen wir hier an die Grenzen der Beta, außerdem wird die Klasse noch um mindestens eine weitere Legende, hallo Shiro!, ergänzt.

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Durch die Jalis-Elitefertigkeit versteinern wir uns und das gesamte Team, dämmen somit Schaden ein und teilen direkt noch einiges aus.

GvG-Light

Im zweiten Highlight des Test-Wochenendes stürzten wir uns in den PVP-Modus Festung, der dem damaligen Community-Liebling GvG ähnelt. Ich kann mich noch gut an mein erstes Match vor über neun(!) Jahren erinnern: Wohin laufen, welche Tasten drücken und was genau müssen wir hier machen? Diese wundervolle Überforderung traf mich auch bei meiner ersten Runde dieser vermeintlichen Neuinterpretation.

Wie damals haben beide Teams eine Basis samt Gildenherrn, dem es für einen Sieg an den Kragen geht. Davor müssen zwei Tore durchbrochen und Elitewachen beseitigt werden. Um das zu beschleunigen befindet sich nun in der Mitte der Karte ein Lager mit dessen Vorräte Türbrecher und Bogenschützen bezahlt werden, die dann fortlaufend zu den gegnerischen Toren laufen und das Team unter Druck setzen. Daher entfacht auch der erste Kampf inmitten der Karte um diese begehrten Ressourcen.

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Wie zu GvG-Zeiten stürmen wir im Team zum gegnerischen Gildenherrn.

Ferner schaffen zwei Trébuchets und herbeigerufene Helden für taktischen Tiefgang. Mit ersterem befeuert ihr das Vorratslager oder anstürmende Bogenschützen; letztere beschwört ihr mittels zufällig erscheinenden Nebelessenzen, anschließend schreiten sie mit den anderen NPCs in Richtung Gildenherrn.

Der Modus spielt sich bislang wie eine abgespeckte GvG-Version, da die Teams aus nur fünf Spielern bestehen und die meisten Spiele bereits nach zehn Minuten ein Ende finden. Spaßig war es dennoch über einige Stunden, denn allein die Absprache im Team und das Ausprobieren verschiedener Herangehensweisen weckte die schmerzhaft vermisste Taktik eines Guild Wars 1. Die Chancen stehen also nicht schlecht, alte Veteranen wieder vor die Monitore zu locken und das Ansehen in der E-Sport-Szene aufzupolieren.

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In der Kartenmitte entfacht die erste große Schlacht um die Vorräte. Damit werden Bogenschützen und Torbrecher auf die Gegner losgelassen.

Ausblick

Das Test-Wochenende gab einen guten Einblick auf zwei Neuerungen: Der Widergänger spielt sich mehr als Supporter und könnte allem Anschein nach ein wohlwollender und bitter nötiger Umbruch in der Spielmechanik von Guild Wars 2 werden. Endlich könnte wieder Zusammenspiel und Support großgeschrieben, stumpfes Damage-Dealing auf ein gesundes Niveau herunterskaliert werden. Der Festungs-Modus wirkt wie eine Art GvG-Light und ist mit Abstand der beste PVP-Spielmodus den GW2 zu bieten hat – eine leicht zu überwindene Hürde. Weitere Betas und entsprechendes Spieler-Feedback dürften dem Modus den nötigen Feinschliff verleihen, um hoffentlich auf PvP-Ebene einen langanhaltenden und fesselnden Spielspaß zu garantieren.

Bis zum Erscheinen von Heart of Thorns, das vermutlich Ende des dritten, Anfang des vierten Quartals in den Läden stehen soll, werden die Entwickler weitere Beta-Wochenenden mit neueren Builds veranstalten, in denen Vorkäufer erste Eindrücke der neuen Spielwelt sammeln dürfen und wir uns endlich ein Bild vom gesamten Umfang der Erweiterung machen können.

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.