Auf Erinnerungsjagd in New Washington

Flashback – eine geniale Spieleperle meiner Jugend. Die grandiosen Erinnerungen von damals wurden allerdings durch das im Jahr 2013 erschienene Remake beschmutzt. Womit der Sci-Fi-Side-Scroller auch noch heute punkten kann, verrät unser Retro-Review.

Einige ältere Semester werden sich wahrscheinlich noch gut an das 1992 erschienene Flashback erinnern, jüngeren Spielern geben wir einen kleinen Überblick: Conrad B. Hart, Protagonist und Regierungsagent, ist zu Beginn des Spiels auf der Flucht vor Außerirdischen. Diese haben ihn entführt, sein Gedächtnis gelöscht und in eine Zelle geworfen, da er auf ein furchtbares Geheimnis gestoßen ist. Trotz flinkem Jetbike wird er von seinen Verfolgern abgeschossen und stürzt auf dem Saturnmond Titan ab. Doch er hat vorgesorgt und sein Gedächtnis vor seiner Entführung abgespeichert.

Was euch nun bevorsteht und wieso ihr überhaupt in eine solche Situation hineingekommen seid, erfahrt ihr stückchenweise durch weitere Erinnerungsfragmente im Spielverlauf. Genau wie vor über 20 Jahren reist ihr mit Conrad in der Seitenperspektive durch abwechslungsreiche Schauplätze, müsst kleinere Schalterrätsel lösen und euch unterschiedlichen Gegnern mit Pistole und Schutzschild stellen.

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1993 vs 2013: Gelungene Interpretation, doch das Herz schlägt für die Pixel-Optik! // Bildrecht: Ubisoft

Beschmutzter Glanz eines Klassikers

Komplett spurlos ist der Titel allerdings nicht gealtert, so ist die Steuerung bei weitem nicht mehr zeitgemäß und wirkt besonders mit Maus und Tastatur recht starr. Hier empfehlen wir jedem Spieler einen Controller, der ein deutlich natürlicheres Gameplay vermittelt. Aber auch das Missionsdesign ist alles andere als abwechslungsreich und kommt nicht über Bringdienste oder Bosskämpfe hinaus. Doch diese Tugenden definierten Flashback schon damals nicht, denn die mehr als kreative und zugleich absurde Geschichte – leider durch fad wirkende Sprecher und miserable Lippensynchronisation gedämpft – sowie die atmosphärischen Gegenden gepaart mit flinken Kämpfen, wissen noch heute zu gefallen.

Einzig der Abstecher in New Washington wirkt gestreckt und uninspiriert, da alle vier Stationen sich kaum unterscheiden – das gilt ebenfalls für die Kloncharaktere und ihre gleichen Stimmen. Flashback ist aber keineswegs auf den Mund gefallen und wird euch wahrscheinlich auch viele kleine Schmunzler durch die Situationskomik und deren Dialoge entlocken. Das neue Charaktersystem lässt euch nach Levelaufstieg Fertigkeitspunkte auf drei Eigenschaften (Präzision, Technologie und Ausdauer) verteilen, dies verleiht Conrad das nötige Etwas für höhere Schwierigkeitsgrade.

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Ob es Conrad schon damals wusste? Flashback ist nicht all zu genial gealtert… // Bildrecht: Ubisoft

Fazit

Viele Klassiker sollte man besser in guter Erinnerung behalten und nicht mehr anrühren. Ob Flashback zu dieser Kategorie zählt? Keineswegs! Mit Conrad mal eben die Welt retten, durch all die wiedererkennbaren Level hechten und mit den alten Charakteren sprechen, ist teilweise sehr belebend und erwärmt das sich erinnernde Herz ungemein. Doch das Remake wirbelt ebenfalls noch bislang unentdeckten Staub auf. Was sich in meiner frühen Jugend als äußerst komplexes Spiel mit vielfältigen Missionen festbrannte, entpuppte sich mit Blick auf die Neuzeit als gar nicht mehr so zeitgemäßes Spieldesign samt einigen nervtötenden Missionen.

Unterm Strich kommen dennoch alle Nostalgiker (sowie aufgeschlossene Zocker) voll auf ihre Kosten, denn die Story bleibt nahezu unverfälscht und nochmals in die Haut von Conrad zu schlüpfen, ist weiterhin ein großer Spaß. Wem das nicht genug ist, der stürzt sich in das originale Abenteuer, welches im Spiel an einem Automaten auf euch wartet.

WERTUNG: 7/10

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.