Auf den Wolf gekommen: Twilight Princess landet im HD-Zeitalter

Wir schreiben das Jahr 2016. Die Wii U steht vor der Ablöse und noch immer warten wir auf das bereits vor einer gefühlten Ewigkeit angekündigte The Legend of Zelda für die Frühpensionistin der aktuellen Konsolen-Generation. Doch müssen wir uns auch weiterhin noch gedulden, denn mit Twilight Princess landet bereits ein zweites Spiel der Reihe als HD-Remake auf der Konsole. In Zeiten wie diesen sagen wir aber auch dazu nicht „nein“.

The Legend of Zelda: Twilight Princess hat eine lange Geschichte hinter sich, was Verschiebungen und Veröffentlichungen anbelangt. Ursprünglich als GameCube Titel geplant, verzögerte sich die Entwicklung zwar beinahe schon erwartungsgemäß, jedoch so lange, dass der Titel nicht nur der allerletzte für den violetten Würfel war, sondern auch als Starttitel für die Wii, Nintendos erfolgreichster Konsole bislang, erschien. Die beiden Versionen waren inhaltsmäßig ident, die Wii-Fassung jedoch mit Bewegungssteuerung ausgestattet, im 16:9 Format spielbar und die Welt im Spiel komplett gespiegelt. Nun verschafft das japanische Traditionsunternehmen dem Spiel einen neuen Anstrich und bohrt nicht nur die angestaubte Grafik respektabel auf, sondern schraubt auch ein wenig am Feintuning. Wir hatten allenfalls wieder eine Menge Freude, Link’s monumentales Abenteuer erneut zu erleben und beleuchten unsere Reise aus zwei Blickwinkeln.

Ruhig Blut! Als Wolf könnt ihr im Spiel eure tierischen Fähigkeiten so richtig zur Geltung kommen lassen.

Ruhig Blut! Als Wolf könnt ihr im Spiel eure tierischen Fähigkeiten so richtig zur Geltung kommen lassen.

Der Neuling: Christoph

Ich hatte mir ernsthaft die Frage gestellt, ob mich nach meinem Jahr mit dem Hexer Geralt andere Rollenspiele überhaupt noch fesseln können, besonders wenn sie sich als eine knapp zehnjährige Neuauflage entpuppen, dessen Gameplay weitestgehend unberührt blieb. Direkte Entwarnung für mich und euch: Natürlich gelingt es, schließlich handelt es sich um einen Zelda-Titel!

Konsole an, Spiel rein, Augen auf und Kinnlade runter: Ich liebe die realistischere Optik von Twilight Princess HD, den fast erwachsenen Link und die 1080p! Das allseits unbeliebte Tutorial genoss ich dank toller Weitsicht und Nintendo-typischer Detailverliebtheit. Die eher lahmen Quests waren zweitrangig: Ich wollte die Welt erkunden, den Rasen mähen und die Vasen zerscheppern!

Besonderes Highlight: Als ich mir endlich das grüne Outfit überstülpen durfte, mein Schwert zog und im Sonnenuntergang vor dem kleinen Wasserfall nahe am Start des Spieles stand, fühlte ich mich so stark, so cool und unbesiegbar wie kaum zuvor in einem Spiel.

Ebenfalls großartig ist das für Zelda-Verhältnisse düstere Szenario, die weitläufige, ja gar riesige Spielwelt und die hervorragende Integration frisch gefundener Gegenstände. All das überschattet die etwas zähen Wolfsabschnitte und das seltene Auto-Speichern.

The Legend of Zelda: Twilight Princess HD ist ein leicht angestaubtes Meisterwerk, dass trotz dessen von Neulingen unbedingt gespielt werden sollte. Erwartet kein modernes Rollenspiel, sondern gebt euch dem Nintendo-Charme hin und erforscht diese wundersame Welt und all ihre genialen Dungeons!

WERTUNG: 8.5/10

Der Wechsel zwischen den Welten vermittelt nicht nur ein düsteres und unheimliches Gefühl, sondern vermittelt perfekt, welcher Gefahr Hyrule ausgesetzt ist.

Der Wechsel zwischen den Welten vermittelt nicht nur ein düsteres und unheimliches Gefühl, sondern vermittelt perfekt, welcher Gefahr Hyrule ausgesetzt ist.

Der Veteran: Michael

So we meet again. Das HD-Remake des (für mich) fast schon zeitlosen Klassikers war nun bereits mein dritter Playthrough. Wie viele andere Spieler habe auch ich jahrelang auf die GameCube Version gewartet und damals sogar eine eigene Zelda-Website dazu betrieben. Es war nach der famosen Ankündigung auf der E3 2004, mit der wohl euphorischsten Reaktion eines Publikums überhaupt, fast schon eine Qual, immer wieder zu lesen, dass das Spiel neuerlich verschoben wurde. Letztendlich ließ man dann die Bombe platzen und enthüllte, dass Twilight Princess sowohl für GameCube, als auch für Wii erscheinen wird. Für letztere Konsole als Launch-Titel und eine Woche später dann auch für Würfel-Spieler. Ich hatte mir natürlich beide Versionen geholt und direkt nacheinander durchgespielt. Somit liegt es auch schon wieder zehn Jahre zurück, dass ich in die wunderbare Welt von Hyrule eingetaucht war.

Nachdem Nintendo angefangen hatte, alte Spiele neu aufzulegen, fieberte ich diesem Tag schon lange entgegen. Mit Ocarina of Time 3D, Wind Waker HD und auch Majora’s Mask 3D wurden zwar meine Lieblingsspiele der Reihe aufpoliert und brachten mir unzählige neue Stunden der Freude, aber ein Titel fehlte. Richtig! Ich würde Twilight Princess als bestes Spiel der „Zelda-Neuzeit“ bezeichnen. Wer mit Ocarina of Time aufgewachsen ist, wird es immer an der Spitze seiner Liste behalten. Aber objektiv betrachtet, steht Twilight Princess dem in Nichts nach. Es ist das Spiel mit der besten Story, den meisten Dungeons, der längsten Spielzeit, der düstersten Atmosphäre und sticht noch in so vielen anderen Punkten hervor, dass es nicht nur damals, sondern auch noch heute überzeugen kann. Der Bosskampf am Schluss ist einer der besten überhaupt und lässt nach wie vor Gänsehautstimmung bei mir aufkommen. Kurzum: ein nahezu perfektes Spiel!

Die Neuauflage macht hier einfach (fast) alles richtig: Die Optik kann absolut überzeugen; Texturen sind knackig; und auch der Steuerung wurde mittels Gyro-Sensor etwas Gutes getan. Somit muss man nicht ganz auf die Wii-Steuerung verzichten. Einzig die Steuerung am Pferd ist ein Graus und wurde eher verschlimmbessert. Die ersten zwei Stunden im Spiel sind noch immer zäh und langweilig, aber bei einer Spielzeit von 30-40 Stunden kann man das dann auch mal verzeihen. Die Tempel sind abwechslungsreich und gespickt mit tollen Ideen. Die Story teilt sich quasi in drei Abschnitte auf und birgt ebenfalls die ein oder andere Überraschung. Selbst nach zehn Jahren bin ich immer noch restlos begeistert und würde das Spiel jedem einzelnen Leser empfehlen. Es ist ein Meisterwerk, welches nun noch schöner geworden ist.

WERTUNG: 9.5/10

Bösewicht und Widersacher Zanto versucht euch und Midna das Leben schwer zu machen. Er ist einer der interessantesten Charaktere im Zelda-Universum.

Bösewicht und Widersacher Zanto versucht euch und Midna das Leben schwer zu machen. Er ist einer der interessantesten Charaktere im Zelda-Universum.

Die Neuerungen

Twilight Princess HD kommt mit vielen Neuerungen auf den Markt, welche wir noch gerne etwas näher beleuchten wollen. Zum einen stehen die offensichtlichsten Optimierungen natürlich an vorderster Front: Die Texturen sind nun allesamt würdig, die Bezeichnung „HD“ zu tragen und auch die Signalausgabe wurde an Full-HD Standards angepasst. Die 3D-Modelle der Welt von Hyrule wurden jedoch fast zur Gänze unberührt belassen.

Das Gamepad dient einerseits zur Darstellung der Map, als auch zum Verwalten des Inventars und der Zuweisung der Items. Diese können auf drei unterschiedliche Buttons gelegt werden. Die Kamera lässt sich, wie auch schon exklusiv in der Gamecube-Version, mit dem rechten Stick frei bewegen, hat jedoch manchmal kleinere Probleme. Der Gyro-Sensor des Gamepads liefert euch die Möglichkeit, alle Aktionen aus dem First-Person-View, wie beispielsweise das Verschießen von Pfeilen oder Zielen mit Bumerang & Co., mit deutlich vereinfachtem Handling zu genießen.

Der Hero-Modus ist neu und kann von Anfang an ausgewählt werden. Hier erleidet ihr doppelt so viel Schaden und spielt in einer gespiegelten Welt. Herzen sucht ihr hier vergebens, somit sei äußerste Obacht gegeben!

Unterstützung für Nintendos Miiverse ist ebenso an Board und durch Stempel, die ihr nun in Tempeln oder auch anderen Bereichen der Welt finden könnt, lassen sich nette Nachrichten mit dem Hylianischen Alphabet oder Figuren aus dem Spiel gestalten.

Auch mit den amiibo aus dem Zelda-Universum könnt ihr interagieren. Link, Zelda, Ganondorf, Sheik und Toon Link können genutzt werden, um euer Abenteuer entweder schwerer oder auch leichter zu machen. Ganondorf fordert euer Können, indem er den Schaden um das Doppelte im normalen bzw. Vierfache im Hero-Modus erhöht. Link und Toon Link geben euch Pfeile und Zelda einige Herzen auf den Weg.

Die neue optionale Schattenhöhle könnt ihr mit dem Wolf-Link amiibo aktivieren. Diese bietet euch 40 Ebenen, die es als Wolf-Link zu säubern gilt. Am Ende erwartet euch ein kolossaler Geldbeutel, der bis zu 9.999 Rubine aufnehmen kann. Speicherdaten am Wolf-Link amiibo können in weiterer Folge auf das kommende The Legend of Zelda Abenteuer für Wii U übertragen werden. Genaue Funktionalität wurde jedoch noch nicht bekannt gegeben.

Wir bedanken uns bei Nintendo Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at