Assassin’s Creed – ein Beispiel für die Ohnmacht der Medien

Seit acht Jahren setzt Ubisoft auf das Rennpferd Assassin’s Creed und seit acht Jahren läuft es um Platz 1 mit. Auch weil die Medien mittlerweile verlernt haben mit der Serie umzugehen. Wie testbar sind diese “Longrunner” also? Der Versuch einer Analyse.

Rund zehn Jahre habe ich Videospiele getestet. Mit Prozentwertungen. Haha. Spannend waren vor allem neue Brands. Manche sind schnell wieder verschwunden (Fracture, Brute Force, LA Noire), andere sind uns erhalten blieben. Eine davon ist Assassin’s Creed, die als gutes Beispiel herhalten kann, mit welchen Problemen “Tester” heute zu kämpfen haben.

Zu diesem Artikel inspiriert hat mich der Kollege Marcus von Superlevel, der die Thematik vor ein paar Wochen aufgegriffen hat. Interessanterweise, ohne je ein Assassin’s Creed gespielt zu haben. Seine Kritik gilt den Kritikern, die beim Testen ihren Schwerpunkt auf Vergleiche zu den direkten Vorgängern ziehen und so Neueinsteiger völlig ignorieren: “Ob AC: Syndicate nun etwas für mich wäre, erfahre ich so nicht,” schreibt Marcus. Er hat recht. Ich habe mir einige Tests zum Spiel durchgelesen und meist ist das Fazit: “Besser als Unity.” oder “Aus den Unity-Fehlern wurde gelernt.” Auch die Kollegen von Eurogamer schlagen in eine ähnliche Kerbe: “I completed it yesterday and enjoyed it a great deal – it has rediscovered the series’ sense of fun and character.” Einen hab ich noch, Polygon. Die steigen in den Artikel gleich mit der beschriebenen Problematik ein: “Last year’s Assassin’s Creed Unity was by most accounts the lowest point in the franchise thus far, at least as far as the main-line games are concerned. But that low point wasn’t an anomaly; it was an inevitability on the downhill slope the series has been on since 2010’s excellent Assassin’s Creed: Brotherhood.”

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Gut, Ubisoft ist das egal, verkauft sich die Serie doch trotz wackligem Start mit Teil 1 (wir erinnern uns an die unterschiedlichen Wertungen) und diverser Skandälchen so konstant, dass man von dem Jahresrythmus gar nicht abweichen kann/will. Wär’ ja noch schöner, wenn sich Entwickler/Publisher darum kümmern müssten, ob ihr Spiel gut testbar ist. Aber was macht man wirklich mit dieser Historie? Ignorieren? Jeden Teil als neues Werk betrachten? Auch das dieser Tage erschienene Halo 5 bringt ähnliche Probleme mit sich. Die Handlung spinnt sich einfach fort, obwohl der Vorgänger bereits drei Jahre alt ist. Was mache ich also, wenn ich erst vor zwei Jahren meine erste Xbox gekauft habe? Ist das vielleicht der Grund, warum die letzten Jahre vermehrt Collections alter Spiele-Serien erscheinen? Damit man es nachholen kann, nicht nur als Spieler, sondern auch als junger Tester?

In meinem Redakteursleben haben wir diese Problematik immer mit Serien-Fans zu beheben versucht. Hast du die vorhergegangenen Teile gespielt, dann bist du auch für die Fortsetzung der geeignete Mann/die geeignete Frau. Immer wieder haben wir überlegt, auch einen Neuling an z.B. Final Fantasy oder Metal Gear Solid zu lassen, aber macht das Sinn? Selbst wenn die Serien nicht immer chronologisch aufeinander aufbauen? Ist die Hauptzielgruppe nicht der “Serientäter”, der die Fortsetzungen so verlässlich kauft wie er auf die Toilette geht? Andererseits: benötigen diese Leute überhaupt Beratung, oder bestellt dieser harte Kern nicht eh gleich nach der Ankündigung auf der Plattform seiner Wahl? Ein Dilemma, das seit Jahrzehnten oft ein ähnliches Fazitende mit sich bringt: “Für Fans.”

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Was ist die Moral von der Geschichte? Im Falle von Assassin’s Creed: Syndicate bin ich der Meinung, dass Vorwissen sogar schadet. Die Serie hat mich über meine gesamte berufliche Schreiberkarriere begleitet. Teil 1 war sicher das spannendste Setting für mich, wenn auch mit spielerischen Schwächen, Teil 2 war der Höhepunkt, die zwei Spin-offs habe ich ausgelassen. Teil 3 und Unity habe ich nur angespielt, weil sie mich schnell ermüdet haben, Black Flag war mein letzter Test für meinen alten Arbeitgeber. Mit der Pause dazwischen hat er mir sogar Spaß gemacht, auch weil das Setting generell frisch war und auch spielerisch ein paar Neuerungen brachte. Warum ich den Test geschrieben habe, obwohl ich gar nicht alle Teile gespielt habe? Tja, zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Hardcore-AC-Fans nicht mehr in der Redaktion, und irgendwie war’s eh schon wurscht. Der Test ist nie erschienen. Ich hab eine 90 gegeben, glaub ich. Haha, Wertungen.

Deshalb brauch ich euch jetzt gar keine Tipps geben, ob ihr euch Syndicate holen sollt. Wenn ihr Fans der Serie seid, oder als Wankelmütige die ok-ishen Tests gelesen habt, seid ihr sicher schon im Besitz des Spiels, und ich bin mir fast sicher, dass ihr den Kauf nicht bereut habt. Das Setting gefällt, die zwei unterschiedlichen Hauptcharaktere bereichern das Spiel in jeder Hinsicht und über die GTA-Einflüsse mit den Kutschen kann man hinwegsehen. Aber irgendwann, und da komme ich auf das schädliche Vorwissen zurück, kommt man an den Punkt, wo man das alles schonmal gesehen hat. Klar, 30 Stunden lassen sich nicht mit ständig neuen Spielmechaniken füllen, aber auch weil die achtjährige Geschichte ein wenig auf den Schultern der Serie liegt. Das ist für viele etwas Vertrautes, zu dem sie gerne zurückkehren (siehe “Star Wars”-Hype!) und für andere zu wenig Mut an den richtigen Stellen. Deshalb, lieber Marcus – und das gilt auch für alle anderen, die noch keinen Teil der Serie gespielt haben – holt euch Assassin’s Creed: Syndicate. Es ist für euch gemacht.

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Quelle: Ubisoft (alle)


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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.