App der Woche #1 – Papers, Please

Zückt die Stempel und kramt das Einreisehandbuch hervor: Papers, Please wurde vor kurzem für iPads veröffentlicht und nur für euch beziehen wir erneut Stellung an der Grenzkontrolle von Arstotzka!

Eines der besten Spiele des letzten Jahres ist zurück, nach PCs und Macs passte Entwickler Lucas Pope das Spiel für iPads an. Spielweise und Story bleiben unverändert, daher gehen wir in den nächsten Zeilen nur auf das Look und Feel der iPad-Fassung ein. Einblicke in die Hintergrundgeschichte gibt’s am Ende des Artikels, hierfür haben wir den Test zu Papers, Please, erschienen in Gamers.AT, September 2013, erneut veröffentlicht.

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Nachdem ich das Spiel schon während der Betaphase verfolgte und nach dem finalen Release stundenlang spielte, viele unterschiedliche Enden miterlebte und es mir immer wieder ein Lächeln auf’s Gesicht zauberte, geriet der Titel dennoch in Vergessenheit. Nichtsdestotrotz landete der Indiehit direkt in meine Top 5 des letzten Jahres. Nun ruft Lucas Pope fleißige Grenzkontrolleure zurück an den Schreibtisch, erneut sollen wir Einreisepapiere überprüfen, genehmigen, ablehnen oder ganz dreiste Fälscher oder Verbrecher festnehmen lassen. Berechtigte Frage vorweg: Kann Papers, Please auch auf dem Tablet mit Touchsteuerung überzeugen und auch erfahrene Spieler abermals faszinieren?

Es gelingt in der Tat! Bereits vor der Ankündigung der iPad-Version schwelgte ich in Erinnerung an die Zeit in Arstotzka und auch der erste Start nach dem Download entfachte das Feuer zum zweiten Mal. Wie im Original bin ich der Musik und der liebevollen Pixelgrafik verfallen. Die Bürokratie kann dank des hochkantigen Formats gut mit einer, noch besser mit beiden Händen und dem iPad auf dem Tisch liegend erledigt werden. Durch die Touchsteuerung fühlt sich das Spiel sogar noch eine Spur realistischer an: Die Papiere der Einreisenden ziehe ich auf meinen Schreibtisch, schlage das Regelwerk auf, schaue auf und ab, um Passbilder mit Gesichtern abzugleichen, überprüfe ebenso Größe und Gewicht des Einreisewilligen.

Gewissensbisse, Korruption und Regimeputsch – Papers, Please stellt uns vor schwierige Aufgaben.

Die geringen Anforderungen von Papers, Please an PCs und Macs zeigen sich so auch auf iPads: Auf einem iPad mini der 1. Generation läuft es butterweich und offiziell wird sogar das Ur-iPad aus dem Jahr 2010 nebst iOS 5 unterstützt. Trotz des kleineren Formfaktors auf dem 7,9 Zoll-Gerät, lassen sich auch hier Papiere bestens kontrollieren, Spaßeinbußen aufgrund zu kleiner Objekte gab es nicht.

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Obwohl die Story und die verschiedenen Enden gleichgeblieben sind, freut man sich auf alte Bekannte und wahrscheinlich haben viele von euch bereits einige Szenarios vergessen, die mich während des Spielens wieder überraschten. Die eigentliche Problematik an der iPad-Version von Papers, Please ist der mit 6,99 Euro zu hohe Preis. Neulinge, die dem Genre etwas abgewinnen können, dürfen bedenkenlos zuschlagen; alte Hasen müssen den Kauf abwägen: Doppelkauf oder Verzicht? Entwickler Lucas Pope hatte zum Launch einen dreitägigen Rabatt in Höhe von 25% gewährt und per Tweet bestätigt, dass weitere Rabatte den eigentlichen Vertriebskanälen überlassen sind.

Continue-Fazit: Der Stempelthriller fordert euch dank toller Touchoptimierung wieder etliche Überstunden ab. Die Bürokratie ist auch ein Jahr nach Release extrem spaßig, fesselnd und zähneknirschend, doch der zu hohe Preis könnte einige abschrecken.

Vielen Dank an Lucas Pope für das Bereitstellen eines Review-Codes von Papers, Please.

Spielüberblick

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Ursprünglicher Test in Gamers.AT, September 2013: 

Papers, Please – Grenzkontrolle im fiktiven Ostblock

Wir arbeiten als Passkontrolleur im Jahr 1982 am Grenzübergang des fiktiven Arstotzka. Der Staat und die Länder rund herum erholen sich gerade von einem langen Krieg. Unseren Job haben wir der monatlichen Arbeitslotterie zu verdanken und stellen damit auch den Alleinversorger unserer Familie dar. Zu Beginn gilt es lediglich Ausweise hinsichtlich verschiedener Merkmale – Bild oder Ablaufdatum – zu überprüfen. Doch die Komplexität steigt rasant an: Eintritts- und Arbeitserlaubnis, Identitätsnachweis und Impfpass müssen je nach Laune der Regierung vorgelegt werden. Bei Fehlern nehmen wir Fingerabdrücke, scannen die Bürger nach Waffen und Drogen (oder überprüfen so das Geschlecht, da die Gesichter viele Details missen) und je nach Fall winken wir sie durch oder verweigern die Einreise, nehmen sie vielleicht sogar fest. Fortlaufend wird es immer schwieriger, die Personen zu kontrollieren – bis zu vier Dokumente kann ein Einreisender vorlegen – und je mehr Fehler wir machen und je weniger einreisen, desto geringer fällt der Tageslohn aus, mit dem wir Miete, Essen und Heizung bezahlen.

Moralische Prüfungen

Häufig müssen wir knifflige Entscheidungen treffen: Vereinen wir Mutter und Sohn, obwohl sie keine gültigen Papiere besitzen? Verhelfen wir einer Frau zur Flucht, um der Todesstrafe im eigenen Land zu entkommen? Handeln wir nach dem Gesetz, wirft es moralische Fragen auf; widersetzen wir uns, werden wir bestraft. Papers, Please erschafft durch diese Handlungsfreiheit eine dichte und packende Atmosphäre. Trotzdem: Auch die Regierung wird für ihr harsches Vorgehen kritisiert und zieht den Zorn der radikalen EZIC-Gruppe auf sich. In die aufkeimende Revolution werden auch wir verwickelt: Nehmen wir Bestechungsgeld an, winken wir zwei Freiheitskämpfer mit ungültigen Pässen durch oder bleiben wir doch unserem Staat treu und ersticken den Widerstand bereits an der Grenze? Diese Loyalität ist übrigens für das Freischalten des neben der Story verfügbaren Endlosmodus zwingend notwendig.

Fazit

Papers, Please zieht mich mit seiner grandiosen Atmosphäre in seinen Bann. Die Gesichte ist spannend und besitzt dank einer Vielzahl von Enden einen großen Wiederspielwert. Loyalität oder Putsch, Gesetze oder Korruption? Diese Fragen kann der Endlosmodus zwar nicht beantworten, spaßig ist er allemal. Ein Hoch auf den Entwickler Lucas Pope, seinen Stempel-Thriller und natürlich Arstotzka!

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.