Angespielt: Niche – A Genetics Survival Game [Interview & Video]

Ein Spiel über Genetik? Das klingt ungewöhnlich und spannend. Ich habe mich mit Spielentwicklerin Philomena Schwab über ihren Kickstarter-Erfolg Niche unterhalten. Lest weiter für hässliche Viecher, süße Häschen und die grausame Welt von Darwin.

Ronja: Hallo Philomena, schön, dass du dir heute morgen Zeit nimmst für unser Gespräch. Full Disclaimer: Wir haben uns ja vor ungefähr 2 Jahren beim Subotron Event zu Emerging Swiss Game Design in Wien kennen gelernt, wo du mit deinem Team Elarooh gepitcht hast. Jetzt macht gerade euer Spiel Niche Furore auf Kickstarter. Heute (30. Mai 2016 Mitternacht) ist der letzte Tag, an dem man euch noch unterstützen kann. Fangen wir doch damit an, dass du kurz dein Team und dich vorstellst.

Philomena: Ja gern! Team Niche ist ein kleines Team aus der Schweiz, wir sind momentan zu fünft. Ich habe angefangen, dann waren wir zu zweit, und so ist das Team immer weiter gewachsen. Mittlerweile konnten wir uns ein wenig spezialisieren, wir haben ein Art Team und so weiter. Das Spiel ist jetzt viel cooler, als ich es jemals allein hinbekommen habe. Also ich bin sehr froh, dass wir jetzt ein paar tolle Leute sind, die gemeinsam anpacken.

 

In Niche gilt es, sich der Welt anzupassen, um zu überleben.

In Niche gilt es, sich der Welt anzupassen, um zu überleben.

Ronja: Die Initiative zum Game ging aber schon von dir aus? Ich glaube du hast im Studium mit Niche begonnen?

Philomena: Genau, das Spiel war damals meine Bachelorarbeit, und jetzt im Master durfte ich weiter daran arbeiten. Im Master habe ich jetzt analysiert, wie man eine Community für das Spiel aufbauen könnte.

Ronja: Sprechen wir über das Game, für alle, die es sich noch nicht angeschaut haben. Ich habe es schon angespielt und auch mit aufgenommen. Die Tagline ist ja „A Genetics Survival Game„. Worum geht es genau in Niche?

Philomena: Niche ist ein Simulations-Strategie-Spiel zum Thema Populationsgenetik. Einfach gesagt heißt das man baut sich eine Gruppe von Tieren auf und versucht nicht auszusterben. Das Coole am Spiel ist das auf echter Genetik basierende Breeding-System. Es gibt verschiedene Erbgänge mit dominanten, rezessiven, kodominanten und teilweise dominanten Genen, Mutationen und so weiter.

Ronja: Genau, das wollte ich gerade fragen: Wie akkurat ist die Genetik und Biologie in Niche? Ich muss zugeben, von dem Genetik Teil war ich ein wenig überfordert, weil der Biologie-Unterricht wohl doch schon ein wenig zu lange her ist. Kommt das Spiel dann mit einem Kompendium, muss man sich in die Genetik erst einmal einlesen, oder führt das Spiel einen intuitiv an die Thematik heran?

Philomena: (lacht) Um das Spiel zu spielen musst du nicht die ganzen Details der Genetik verstehen. Mit der Zeit lernst du dann dazu, wie du vorgehen musst, wenn du zum Beispiel eine gewisse Eigenschaft ausprägen möchtest. An der grafischen Benutzeroberfläche müssen wir noch ein bisschen arbeiten, damit das besser vermittelt wird. Grundsätzlich hatten wir aber auch schon vierjährige Kinder, die das Spiel gespielt haben und noch keine Ahnung von Genetik und Vererbung haben, die dann aber irgendwann nachgefragt haben ‚Wie kriege ich jetzt die Tigerstreifen wieder hin‘.

Man muss kein Biologe sein, um Niche zu verstehen, aber es würde nicht schaden.

Man muss kein Biologe sein, um Niche zu verstehen, aber es würde nicht schaden.

Ronja: Neben den vererbbaren Genen kann man im Spiel auch die Wahrscheinlichkeit von Mutationen beeinflussen. Zu Beginn ist dies nur eine, im späteren Spielverlauf der Demo waren es dann zwei. Man hat die Wahl zwischen nützlichen Mutationen und dann auch kosmetischen soweit ich das verstanden habe. Wird es da eine weitere Progression geben, dass man noch mehr Dinge einstellen kann, oder werden die kosmetischen Mutationen auch Vorteile im Gameplay haben?

Philomena: Das ganze Mutationssystem entwickelt sich später in Richtung Crafting. Es kommt darauf an, wie viele Generationen du schon hattest, du bekommst immer mehr Slots dazu. Gewisse Sachen geben dann in Kombination auch etwas komplett Neues. Bei den kosmetischen Mutationen ist es so, dass derzeit zum Beispiel Fellfarbe und -muster rein optische Auswirkungen haben, diese werden aber später eine Auswirkung auf Camouflage haben. Augenfarbe wird aber weiterhin rein kosmetisch sein, so dass man sein tolles Tiervolk auch noch optisch so hinzüchten kann, wie man es gerne haben möchte.

Die Kickstarter Kampagne für Niche läuft noch bis 30. Mai 2016 Mitternacht.

Die Kickstarter Kampagne für Niche läuft noch bis 30. Mai 2016 Mitternacht.

Ronja: Ihr habt keinen Hehl draus gemacht, welche Games als eure Inspiration für Niche gedient haben. Ihr erwähnt Spiele wie Creatures, Spore und Don’t Starve als Vorbilder. Inwieweit fließen diese Games in Niche ein und welche andere Einflüsse – bis auf die Genetik und Biologie natürlich, über die wir schon gesprochen haben – spielten eine Rolle bei der Entwicklung und wie äußert sich diese?

Philomena: Also bei Spore sind es vor allem die ersten zwei Phasen, die uns viel Spaß gemacht haben zu spielen. Auch von der Thematik haben wir uns hier vor allem inspirieren lassen. Wir haben gesehen, dass es Leute gibt, die wollen solche Spiele spielen, also machen wir auch eines, da es schon lange keines mehr dieser Art gegeben hat. Creatures hat uns von der AI und von der gesamten Lebenssimulation sehr beeindruckt. Das habe ich stundenlang gespielt, als ich klein war. Don’t Starve hat eine sehr gute Motivation, ohne wirklich ein Ziel zu haben, da haben wir versucht, uns eine Scheibe abzuschneiden.

Ansonsten sind, abgesehen von der Biologie, noch andere Strategiespiele eingeflossen, andere turn-based Strategiespiele wie zum Beispiel Civilisation oder Fire Emblem. Eine große Inspiration waren für mich auch Spiele wie Die Siedler oder die Anno-Reihe, hier vor allem die Anfangsphase des Spiels. Mir gefällt die Welt immer besser zu Beginn des Spiels, als am Ende, wenn ich alles zugebaut habe. Und deshalb dachte ich, wir probieren es, dies einmal umzukehren. Wir machen eine Welt, die gegeben ist, und du bist das, was sich anpassen muss, und nicht, dass die Welt sich deinen Bedürfnissen unterwerfen muss.

Genetik ist nicht immer gnädig. Beziehungsweise, eher selten.

Genetik ist nicht immer gnädig. Beziehungsweise, eher selten.

Ronja: Ich muss sagen, dass ich sehr großer Don’t Starve Fan bin, und das Game seit dem Early Access rauf und runter gespielt habe. Und das war auch das erste, was ich an Niche gemerkt habe: es sieht zu Anfang wirklich süß aus – bis dann die hässlichen Tiere kommen, über die sprechen wir später noch (lacht) – aber das Gameplay ist bretthart und ich bin erst einmal glorreich gescheitert, weil mir die Beeren ausgegangen sind und meine kleinen süssen Tierchen dann gestorben sind, muss ich leider zugeben. Steht schon fest, auf welchen Plattformen es Niche geben wird und gibt es schon ein Release Datum?

Philomena: Steam machen wir sicher, für Mac, Windows und Linux. Es wird auch eine DRM-freie Version geben, wir wissen aber noch nicht genau auf welchem Store diese veröffentlicht werden wird. Der Early Access wird schon sehr bald starten, das wird so Juli/August werden. Der Release des fertigen Spiels ist für das erste Quartal 2017 geplant. Danach werden wir einen Port für Tablets angehen. Wir wissen noch nicht, ob das Spiel auch auf Spartphones gut funktionieren wird, da müssen wir noch testen, es kann sein, dass der Screen hierfür einfach zu klein ist. Ab dem Zeitpunkt werden wir dann auf Basis der Verkaufszahlen und der Popularität entscheiden, ob ein Port für Konsolen Sinn macht oder nicht.

Ronja: Ihr seid ja bis heute Mitternacht (30. Mai 2016) noch auf Kickstarter, hier habt ihr bereits ein Mehrfaches des Finanzierungsziels erreicht, das letzte Mal, als ich geschaut habe, schon das vierfache. Eure Stretchgoals sind Dinge wie zum Beispiel ein Familienstammbaum, zusätzliche Gene, Skills und viele mehr. Musstet ihr da zum Teil improvisieren oder hattet ihr all diese Dinge schon in der Schublade? Wart ihr überrascht, dass ihr so weit über das Ziel hinausgekommen seid, oder waren dies Features, die sowieso schon in Planung waren?

Philomena: (lacht) Also wir haben schon damit gerechnet, dass wir die $15.000 schaffen. Wir haben ein Ziel genommen, wo wir uns recht sicher waren, dass wir es erreichen können. Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir es so schnell erreichen würden. Der Plan war, ungefähr in der Mitte des Kickstarter-Zeitraums mal das nächste Stretchgoal zu veröffentlichen – falsch gedacht.

Beerenpflücken, Fortpflanzen und Überleben sind angesagt. (Screenshot aus der Alpha Demo)

Beerenpflücken, Fortpflanzen und Überleben sind angesagt. (Screenshot aus der Alpha Demo)

Ronja: Ihr wart am dritten Tag der Kampagne schon über euer ursprüngliches Ziel hinaus.

Philomena: Wir wussten schon, was ungefähr wir als Stretchgoals machen wollten, aber wir mussten dann bis in die späte Nacht hinein die Illustrationen fertig malen und uns schon einmal das nächste ausdenken. Die Community hat hierbei sehr geholfen mit Vorschlägen, der Familytree ist zum Beispiel ein Wunsch der Community, die wir wirklich gut finden und nun einbauen werden.

Ronja: Ihr wart zuletzt auf Events wie der GDC, auf welchen Events in der nächsten Zeit werdet ihr Niche vorstellen, wo kann man das Team treffen?

Philomena: Als nächstes gehen wir sicher mal zur Gamescom an den Indie Arena Stand, wenn ihr uns besuchen kommen wollt. Ansonsten entscheiden wir das eher spontan.

Ronja: Als Spieldesignerin und Unternehmerin, was sind deine Tipps für andere Indie Entwickler, die ihr Spiel promoten wollen? Vielleicht ein paar Sachen, mit denen man starten kann.

Philomena: Ich finde, das einfachste, was man tun kann ist, ein Spiel zu machen, das man selber unbedingt spielen möchte. So hat man schon einmal eine Zielgruppe, nämlich sich selber. Dann muss man die Leute finden, die ähnliche Sachen mögen wie man selbst, das macht großen Spaß, weil man seine Leidenschaften teilt. Man sollte schon zu Beginn der Entwicklung so eine kleine Gruppe aufbauen, die einen beim weiteren Verlauf unterstützt. Ohne unsere Community hätten wir den Kickstarter sicher nicht machen können.

Ronja: Während der Kickstarterphase habt ihr auch eine Streamer- und YouTuber-Challenge ausgerichtet. Können interessierte Leser vor Beginn des Early Access Niche jetzt noch anspielen?

Philomena: Es gibt zusätzlich zu der aktuellen Demo noch unsere Facebook Playtester-Gruppe. Wir werden auch bald damit beginnen, aktuelle Builds auf unserer Steam-Seite zu posten. Wir wissen noch nicht genau, wie wir jetzt weiter machen mit der öffentlichen Version, ob es dann eine Demo geben wird, bei der man einfach nicht speichern kann zum Beispiel. Jetzt im Moment gibt es einfach die Facebook Gruppe, und dann schauen wir weiter.

Ronja: Eine letzte Frage habe ich noch, bezogen auf meine eigene Erfahrung mit dem Spiel, da bin ich neugierig. Ich habe bisher zwei oder drei Partien gespielt, weil ich wie gesagt beim ersten Mal glorreich gescheitert bin (nachzuschauen in meinem Let’s Play Niche). Wenn man die Karte aufdeckt, hat man die Chance, neue Tiere zu finden. Und dann habe ich zum Teil wirklich sehr sehr hässliche Tiere gefunden, ohne jetzt diskriminierend zu sein (lacht). Im Tooltip stand, dass auch die Hässlichkeit später einen Vorteil im Gameplay bringen kann. Kannst du da vielleicht schon etwas anteasern oder spoilern, was das sein könnte?

Philomena: (lacht) Ja wir haben zum Beispiel überlegt, dass Tiere mit diesem hässlichen Kopf spucken können. Mit der Spucke können dann kleine süße Häschen am Boden festgeklebt werden, um sie einfacher jagen zu können.

Ist er nicht süß? Das Game nannte ihn zufällig(??) Meme.

Ist er nicht süß? Das Game nannte ihn zufällig (??) Meme.

 Ronja: Das klingt doch vielversprechend. Gibt es vielleicht noch etwas anderes, das zu zum Abschluss loswerden möchtest?

Philomena: Ja, gern! Wir können es kaum erwarten, jetzt nach der Kickstarter-Kampagne endlich wieder weiter zu entwickeln. Wir haben jetzt so viele Sachen versprochen, und in unseren Fingern juckt es, endlich mit der Umsetzung anzufangen. Wir freuen uns sehr auf den Early Access und darauf, mit der tollen Community gemeinsam unser Spiel weiter zu entwickeln.

Ronja: Dann danke ich dir recht herzlich, wir sehen uns dann definitiv auf der Gamescom.

TL;DR

Ihr könnt Niche noch heute bis Mitternacht auf Kickstarter unterstützen. Der Early Access auf Steam ist für Juli/August angekündigt, der voraussichtliche Releasetermin für Niche ist im ersten Quartal 2017. Die neuesten Updates findet ihr auf niche-game.com und auf Twitter.

Die Screenshots in diesem Beitrag sind einerseits vom Entwickler zur Verfügung gestellt oder stammen aus der Alpha Demo Version (29. Mai 2016). Das Gameplay Video wurde ebenfalls mit dieser Demo-Version aufgezeichnet.

Written by: Ronja Antesberger

Social Bumblebee Seit ich mir einen eigenen PC leisten konnte, bin ich den Pixeln verfallen, und blicke auf eine lange Karriere als bürgermeisternde Schneiderin in Ultima Online, täglich raidende Assassine in EverQuest 2 und alles-und-jede-Quest-abschließender Geralt in allen Witcher Spielen zurück. Meine Liebe gilt den Strategiespielen der späten 90er, wie Age of Empires und Command & Conquer sowie jeglicher Variante an Rollenspiel. Mein Faible für Indies und Selbstdarstellung hat mich vor einigen Jahren zum Streaming und zu YouTube gebracht, und in Konsequenz auch endlich beruflich in den Bereich. Nach über einem Jahr bei der Wiener Video Game Livestreaming Plattform Hitbox konzentriere ich mich nun auf meinen selbstständigen Pfad als Social Media Marketing und PR Beraterin, Bloggerin und SchreiberlingIn for „All Things Video Games“. Ich freue mich, als Neuzugang beim Continue-Magazin dabei zu sein, wir hören uns im nächsten Podcast! Bei Fragen, Anregungen und Feedback: antesberger@continue-magazin.at oder einfach auf Twitter.