„Alles was Strom braucht und Spaß macht“: Das Print-Urgestein E-MEDIA wird rebooted!

Vor gefühlten 100 Jahren hat uns ein Magazin namens E-MEDIA schon erklärt wie man richtig mit WORD umgeht, wie man sich Musik aus dem Internet auf CD brennt und welches Laptop man unbedingt haben muss. Inhalte und Layout haben sich in diesen Jahren kaum verändert – schwierige Vorzeichen für ein Printmagazin, speziell im kleinen Österreich.Im Juni 2015 kam der längst überfällige Reboot. Neues Gesicht, neue Inhalte und neuer Chefredakteur. Letzteren haben wir zum Interview gebeten. 

Name: Manfred Huber
Position: Chefredakteur
Alter: 42
Bei e-media seit: Mai 2000

Lieber Manfred. Die e-media, Österreichs wahrscheinlich ältestes noch bestehendes Magazin rund um elektronisches Entertainment, hat sein Gesicht grundlegend verändert. Bevor wir uns dem Relaunch widmen möchte ich gern wissen, wie es dir eigentlich geht. Du hast in den letzten Wochen sicher einige Überstunden gemacht, richtig?

Das gilt für das ganze Team. Wir haben in den letzten Wochen parallel an den „alten“ E-MEDIAs und an der Relaunchnummer gearbeitet. War stressig, aber hat super viel Spaß gemacht.

Ich habe vorhin das neue Layout „Relaunch“ genannt, weil sich auch inhaltlich einiges getan hat. Kannst du die drei für dich wichtigsten Punkte nennen, die für dich den Charakter des neuen Heftes ausmachen?

Nur drei Punkte? Wird schwierig, wir haben so viel modernisiert… Am auffälligsten ist sicher die neue Haptik. Wir sind ja jetzt doppelt so dick, in Klebebindung, mit hochwertigerem Papier. Das fühlt sich einfach völlig anders an als das „alte“ E-MEDIA. Inhaltlich war uns vor allem eines wichtig: Alle Themen, die bisher in E-MEDIA Platz gefunden haben, müssen auch ins neue Heft. Aktuelle Hard- und Softwaretests, Tipps & Tricks zu Windows, Smartphones… Das ist alles noch drin, in einem moderneren Look. Wir nutzen die Umfangverdoppelung aber auch für thematische Erweiterungen. Wir haben jetzt mehr Platz für Reportagen und Hintergrundberichte, die bisher in E-MEDIA oft zu kurz gekommen sind. Und wir sind bei den Themen wieder breiter. E-MEDIA hat sich in den letzten Jahren – man muss ehrlich sagen unbeabsichtigt – in Richtung PC-Zeitschrift entwickelt. Im neuen Heft finden vermehrt wieder Dinge Platz wie: Drohnen, E-Bikes, Smart Home Zubehör… Daher auch unser neuer Claim „Alles was Strom braucht und Spaß macht“.

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Als ehemaligen „Printler“ würde mich besonders interessieren, wie viele Entwürfe es für dieses erste Cover gab?

Gar nicht mal so viele. Wir haben von Anfang an mit dem Roboter als Motiv gearbeitet. Erst auf Rot, dann auf Weiß. In diesen ersten beiden Versionen war noch recht viel Text am Cover, das haben wir für die finale Version dann nochmal aufgeräumt.

Da ich über deine Liebe zu Videospielen weiß und dies ein Gaming-Blog ist, muss ich natürlich auch fragen welche Rolle Games in der „neuen“ e-media spielen werden? So richtig dominant war das Thema zuletzt ja nicht vertreten.

Wir werden das handhaben wie bisher. Wir geben mit Kurzmeldungen einen Überblick über die relevanten Neuerscheinungen. „Große“ Titel wie ein neues GTA oder Assassin’s Creed werden zusätzlich getestet, neue Konsolen und Handhelds sowieso. Witcher 3 wäre so ein Kandidat gewesen, den ich gerne in der Relaunchnummer gehabt hätte. Leider kam das Testmuster zu spät. Aber das kennst Du sicher noch aus Deiner CONSOL-Zeit.

Du bist seit erst kurzer Zeit Chefredakteur (nachträgliche Gratulation dazu!). War es primär dein Bestreben in der neuen Funktion diesen Schritt in Richtung modernes Auftreten zu gehen, oder gibt es den Gedanken schon länger? So ein Schritt birgt natürlich auch immer Risiken.

Den Plan, E-MEDIA zu modernisieren, gab es schon länger. Natürlich ist so ein weitreichender Relaunch, wie wir ihn gemacht haben, nicht unproblematisch. Auch das kennst Du wahrscheinlich: Jede Änderung führt zu vereinzelten Protesten, auch wenn es sich um Verbesserungen handelt. Mir haben allen Ernstes schon Leser geschrieben, das neue Heft sei zu dick. Aber von Zeit zu Zeit muss man sich eben modernisieren. Einfach weiterzumachen wie bisher, wäre das größere Risiko gewesen.

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2015 mit einem Printmagazin neu durchstarten zu wollen ist natürlich mutig, wird die Sinnhaftigkeit von Gedrucktem doch immer wieder in Frage gestellt. In einem Interview mit den Vorständen der RMA (Regionalmedien Austria AG) ist mir dazu kürzlich folgendes Zitat aufgefallen: „Ich kann das Krankjammern von Print nicht mehr hören.“ Du selbst bist ewig in der Branche. Wie ist deine Meinung zu dieser Thematik?

Als ich in der Branche angefangen habe, waren die Auflagen höher, die Redaktionen größer und die Anzeigentöpfe üppiger. Das ist 20 Jahre her. Das kommt nicht wieder. Aber natürlich kann man auch unter den geänderten Rahmenbedingungen erfolgreich Printmagazine machen. Und natürlich hat Print nach wie vor eine Daseinsberechtigung. Genauso wie Fernsehen das Kino nicht ersetzt hat, werden auch Print und Online koexistieren. Wenn es um Geschwindigkeit geht, ist online im Vorteil. Dafür kann ich das Printmagazin überall lesen, wo ich mir um mein digitales Lesegerät Sorgen machen müsste – zum Beispiel am Strand. Und die Haptik ist auch eine ganz andere. Zum Beispiel: Ich habe vor einigen Jahren – und dafür könnte ich mich heute noch ohrfeigen – einen Großteil meiner alten Computerzeitschriften aus den späten 80ern und frühen 90ern entsorgt. Nun bin ich letztens im Netz über eine Seite mit Scans fast aller meiner alten Lieblingszeitschriften gestolpert. Ich habe mir mit Begeisterung einige Ausgaben vom Aktuellen Softwaremarkt „ASM“ heruntergeladen – und bis heute nicht gelesen. Am Monitor macht das Blättern durch ein Heft keinen Spaß. Zum Erlebnis Magazinlesen gehört für mich einfach das Heft in der Hand. Ich überlege gerade ernsthaft, ein paar alte Ausgaben um zu viel Geld auf eBay zu kaufen.

Gibt es Printmagazine, die du selbst noch kaufst oder im Abo hast?

Aus unserem Haus lese ich regelmäßig Profil und Format, seit dem Relaunch auch wieder NEWS. Privat habe ich gerade „Return“ abonniert, eine wirklich gut gemachte Retrospielezeitschrift.

Wir können an dem Thema leider nicht vorbei, aber wir können es gerne kurz machen. Online. Wie sehen da die Pläne aus? Wird sich da 2015 noch etwas passend zum Relaunch tun?

Es hat sich schon etwas getan. Seit dem Relaunch kann man auf e-media.at durch ausgewählte Seiten aus dem Magazin blättern. Was weitere Pläne angeht: Da ist noch nichts spruchreif. Priorität hatte erst Mal das Printprodukt.

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Wenn ich dich schon mal hier habe, kann ich dein Fachwissen bezüglich Games auch gleich versuchen anzuzapfen. Die E3 steht vor der Tür. Erwartet uns deiner Meinung nach dieses Jahr eine starke Messe und über welche Ankündigung würdest du dich am meisten freuen?

Wenn das große Thema auf der E3 heuer nicht VR ist, würde mich das überraschen und enttäuschen. Es ist jetzt gut ein Jahr her, dass ich die frühen Prototypen von Rift und Morpheus auf Events ausprobieren konnte und das Erlebnis war damals schon großartig. Ich bin gespannt, wie die finalen Consumer-Produkte aussehen und welche Games noch in der Pipeline sind. Und dann könnte Microsoft mit HoloLens ja auch noch für Überraschungen sorgen. Abseits von VR wird es die E3 wahrscheinlich schwer haben, mich zu begeistern. Da müsste Sony schon mit einem Releasedate von The Last Guardian aufwarten…

So, allerletzte Frage: Was spielst du aktuell?

Aus Zeitmangel zu wenig. Auf Konsole aktuell natürlich Witcher 3 wie gut die Hälfte meiner Friendslist. Zwischendurch immer wieder Geometry Wars 3: Dimensions Evolved, da fehlen mir noch die Multiplayer-Achievements. Auf meiner PC-ToDo-List stehen Homeworld Remastered und Kerbal Space Program ganz oben.

Vielen Dank für das Gespräch und alles erdenklich Gute für das neue Magazin!

Wer ein Gesicht zu dem sympathischen Mann sehen möchte, der kann dies bei den Kollegen von whatchado, die Manfred Huber schon vor rund einem Jahr zu seinem damals aktuellen Job befragten.

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.