Yakuza: Like a Dragon

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Yakuza: Like a Dragon Review

Heiß wie Drachenfeuer.

こんにちは。Ja, ich gebe es zu. Ich bin ein blutiger Anfänger, was die Yakuza-Franchise betrifft. Ich bin dafür aber ein Fan von Dragon Quest und habe damit schon mal was mit dem neuen Hauptcharakter aus Yakuza: Like a Dragon gemeinsam. Sein Name ist Ichiban Kasuga und er ist eine recht schrille Figur, wenn man das so nennen kann. Genau so stelle ich mir einen überdrehten, euphorischen und klein wenig naiven Japaner vor, der zwar einen Erwachsenen-Körper hat, aber im inneren noch ein kleines Kind ist. Vielleicht ist es mir aufgrund dieser Sympathien auch recht einfach gefallen, mich rasch in dem Spiel einzufinden – eventuell gar reinzukippen. Die Geschichte, ohne zu spoilern, beginnt recht gemächlich, aber mit einem Donnerwerk in den ersten paar Stunden, welche die Drakatik und eigentlich Fassungslosigkeit für den Rest des Spiels ebnet. Im Fokus ist natürlich Ichiban, der kein glückliches Händchen bei seinen Lebensentscheidungen gezeigt hat. Dennoch kann man sich umgehend in den Charakter reinversetzen und mit ihm fühlen, was die darauf folgende Erzählung der Geschichte nur noch immersiver erscheinen lässt. Diese ist im Übrigen extrem gut erzählt und enthält, wie in einem Quentin Tarantino Film, jede Menge langer Dialoge und Sequenzen. Und das hat meinen Geschmack sofort getroffen und mich jetzt schon Zeit reservieren lassen, in der ich einplane, sämtliche anderen Yakuza-Spiele nachzuholen. Ja, mir wurden diese in den letzten Jahren oft genug ans Herz gelegt und ja, ich habe diese Empfehlungen jedes Mal vertröstet. Wer hätte gedacht, dass mich ein neuer Konsolen-Launch der Xbox-Familie mich dazu bringt, ein ehemals PlayStation-exlusives Franchise zu spielen. Wir leben in verrückten Zeiten. Fast so verrückt, wie das Spiel selbst.

Bevor wir die wirklich ulkigen Seiten des Spiel beleuchten, möchte ich noch ein wenig auf die Thematik der Geschichte eingehen – wiederum ohne Spoiler. Es werden hier sehr viele Themen angesprochen, die ein gesellschaftliches Problem darstellen. Diese reichen von Obdachlosigkeit über Prostitution bis hin zu den offensichtlichen Yakuza-Machenschaften und Machtkämpfen unter sich. Es war wirklich erfrischend so eine facettenreiche Geschichte zu erleben, die auch ein wenig zum Nachdenken anregt. Das was Yakuza: Like a Dragon dann in meinen Augen richtig gut macht, ist, die ernsten und fast schon melancholischen Themen mit völlig abstrusem Gameplay aufzuheitern. Waren frühere Ableger der Franchise noch eher im Brawler-Genre angesiedelt, so orientiert sich Yakuza: Like a Dragon an klassischen JRPGs mit einem rundenbasierten Kampfsystem inklusive modernem Touch, damit es auch im Jahre 2020 noch attraktiv wirkt. Dabei nimmt es sich kein Blatt vor den Mund auch andere Genrevertreter ein wenig zu veräppeln. Aber, wie bereits erwähnt, ist das keine Überraschung angesichts der Obsession des Hauptcharakters in Bezug auf Dragon Quest. Wie ihr euch sicher denken könnt, habt ihr eine Kampf-Party aus mehreren verschiedenen Charakteren und auch welchen, die nicht am aktiven Kampfgeschehen teilnehmen können. Jeder der Charaktere hat eine tragende Rolle in der Geschichte und völlig einzigartige Eigenschaften, die sich in der Vielfalt der Spezialattacken wiederspiegeln. Aber auch die Gegner warten mit einigen Überraschungen auf euch. Durch das Ziel von Ichiban, wie der Held aus Dragon Quest sein zu wollen, verwandeln sich diese bei Kampfbeginn in seltsame Kreaturen, die aber nur für ihn selbst so erscheinen. Für alle anderen Charaktere scheinen diese als normale Gang-Mitglieder oder andere Taugenichtse.

Ich denke, ich brauche nicht explizit erwähnen, dass die Kämpfe gegen diverse Straßengangs und Widersacher eure Level erhöhen und diese sich natürlich auch auf den Spielverlauf auswirken. Bevor ihr euch unterschiedlichen Boss-Gegnern stellt, die sich auch gut und gerne mal als überdimensionale Staubsauger oder Baustellenfahrzeuge entpuppen können, solltet ihr entsprechend Erfahrung sammeln, um bestehen zu können. Wobei man erwähnen sollte, dass es im Großteil des Spiel nicht nötig ist, jeden Gegner ausfindig zu machen und was das Zeug hält zu grinden. Das große Aber kommt jedoch noch. Die letzten Kapitel des Spiels erfordern dann doch das ein oder andere Grindfestival, was sich, wie schon andere Stellen im Spiel, bei denen man eine gewisse Menge an Ausrüstung, Mediakmenten oder Geld benötigt, als kleiner Showstopper enttarnt. Es nimmt schlichtweg den Flow aus dem Spiel, den man bis dahin stundenlang hatte. Schade, da es ansonsten ein recht ausgeglichenes Spiel war. Aber das haben wohl JRPGs immer noch an sich und auch eine Parodie dessen möchte wohl nicht darauf verzichten. Hat man zwischendurch aber mal keinen Bock darauf, aalglatte Gegner zu kloppen, kann man sich ja dutzende Stunden lang mit unzähligen anderen Aktivitäten die Zeit vertreiben – beispielsweise mit einer Partie Mahjongg (nein, nicht das Pärchenklickspiel), einem Go-Kart-Rennen oder auch an Spielautomaten, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Einige davon konnten wir aber aufgrund des frühen Review-Mustern noch nicht testen, da diese offenbar hinter einem DLC verborgen sind und der Xbox-Store vor Konsolenlaunch noch nicht für diese Downloads bereit war (wobei unklar ist, ob diese DLCs kostenpflichtig sind oder für lau runtergeladen werden können).

Ein weiterer großer erwähnenswerter Aspekt ist, dass das Spiel erstmals neben der japanischen Sprachausgabe auch eine vollständig synchronisierte englische Fassung beinhaltet. Wir haben beide Versionen getestet und finden auch beide richtig gut. Selbst wenn die englische Sprachausgabe ungewohnt ist und etwas fremd in der japanischen Welt rund um Ichiban wirkt, so muss man Sega hier Kudos zusprechen, da sogar die Lippenanimationen der Sprachausgabe angepasst sind. Man kann auch jederzeit die Sprache in den Optionen umstellen, muss dafür aber das Spiel einmalig neustarten. Schlussendlich sind wir dann aber doch bei der japanischen Sprachausgabe geblieben, da einfach viel mehr Emotionen vorhanden sind, die der Geschichte noch mehr Authentizität verleihen. Da ist das Lesen der Untertitel, um etwas zu verstehen, ein kleiner Preis zu zahlen.

Fazit

Schande über mich. Als Yakuza-Neuling muss ich gestehen, dass ich bereits viel früher in die Serie einsteigen hätte müssen, aber es dann doch irgendwie nie geklappt hat. Vielleicht hätte ich meine Prioritäten einfach anders setzen müssen. Wie dem auch sei, Yakuza: Like a Dragon war jede Minute wert und wird es mit diversen Minispielen auch noch weiterhin sein. Die Geschichte ist richtig gut erzählt und spannend, die Charaktere sind ulkig und doch irgendwie nahbar und auch die generelle Präsentation des Spiels wirkt aus einem Guss. Vor allem, nachdem das Genre des Spiels ja doch drastisch verändert wurde. Da wir das Spiel auf der Xbox Series X getestet haben, konnten wir keinerlei technische Probleme oder lange Ladezeiten feststellen. Auch grafisch kann das Spiel mit seiner detaillierten Umsetzung der Städte und Charaktere klar punkten. Es wäre halt schön gewesen, wenn man auch noch den letzten Grind eliminieren hätte können. Aber das ist dann schon meckern auf hohem Niveau. Unterm Strich bleibt ein fantastisches Spiel, das nur so nach einer Kaufempfehlung schreit. Am besten auch gleich auf der Xbox Series X|S. Dafür bürgen wir!


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Yakuza: Like a Dragon für Xbox Series X|S und Xbox One
Yakuza: Like a Dragon für PlayStation 5
Yakuza: Like a Dragon für PlayStation 4

The Good

  • Sehr gute Story mit angenehmem Pacing
  • Abgedrehte Charaktere
  • Gesellschaftliche Themen im Fokus, ohne aufdringlich zu wirken
  • Jede Menge versteckte Nebenaktivitäten

The Bad

  • Manche Stellen im Spiel bremsen den Spielfluss
  • Ein wenig Grind zum Ende hin
9

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at