WWE 2K19

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WWE 2K19 Review

Alles wird besser am Rusev Day!

Gastbeitrag von Emanuel Liesinger

Seit der Übernahme der WWE-Lizenz von THQ dümpeln 2Ks Versuche, den WWE-Spielen zurück zu altem Glanz und Glorie zu verhelfen, irgendwo zwischen gerade noch spielbar und einer Switch-Fassung, von der man nicht mal mehr das behaupten kann. Doch dieses Jahr haben sich die Entwickler von Yuke‘s und Visual Concepts die lange auf sie einhagelnde Kritik endlich zu Herzen genommen, und liefern ein Spiel ab, welches im Verhältnis zu den Fortschritten der letzten Jahre fast schon als Meilenstein bezeichnet werden kann. Doch leider leistet sich das Spiel weiterhin einige Schnitzer. Ob es sich trotzdem lohnt dieses Jahr wieder zuzuschlagen, haben wir unter die Lupe genommen.

Beginnen wir bei der größten Neuerung für dieses Jahr. Über die letzten Ausgaben wurde immer wieder versucht, dem Spieler im MyCareer-Modus das Szepter in die Hand zu drücken, um eine eigene Geschichte mit einem selbst erstellten WWE-Superstar zu erleben. Dies war bisher, um es freundlich auszudrücken, ein Totalausfall. Unübersichtliche Skills, in Lootcrates versteckte Moves, eine uninspirierte Geschichte und die Tatsache, dass der Modus komplett ohne Sprachausgabe auskommen musste, führten dazu, dass MyCareer von Fans bisher nur belächelt wurde. Doch diesmal wurde der Modus vollständig überarbeitet und kommt mit einer interessanten Geschichte daher, in der man sich von Indie-Auftritten in Turnsälen bis hin zum Top-WWE-Superstar mausern muss. Dabei trifft man auch auf einige WWE-Stars, welche sämtliche Dialoge selbst eingesprochen haben, wenn auch nicht immer mit der Professionalität eines Synchronsprechers. Hier kommt es auch zu Momenten, in der sich selbst eingefleischte Fans fragen, wie die Entwickler solche Szenen von den Verantwortlichen von WWE genehmigt bekamen – zum Beispiel wenn einem der WWE-COO Triple H mitteilt, das er alles in seiner Macht stehende tun werde, um die Karriere des neu unter Vertrag stehenden Spielers zu zerstören, und ihm verspricht, dass er nie wieder in einen Ring steigen wird, solange dieser Vertrag aufrecht ist. Angesichts der Tatsache das Triple H den Ruf hat, die Karriere zukunftsträchtiger Talente zu seinen Gunsten aufs Spiel zu setzen, eine harte Aussage.

Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Zwar können die Lootcrates nur mit Ingame-Geld gekauft werden, von dem man auch mehr als genug zur Verfügung gestellt bekommt, jedoch ist es trotzdem frustrierend, wenn man nach 100 geöffneten Kisten zwar eine Menge Entrances, Moves, Titantron-Videos und mehr freigeschaltet hat, aber nichts dabei ist was man für seinen Charakter wirklich brauchen könnte. Es ist zwar möglich, sämtliche in den Lootcrates enthaltenen Objekte auch direkt zu erwerben, allerdings sind die Kosten für einen einzelnen Move im Vergleich zu den Kisten immens. Diese sind aber ein reiner Teil des MyCareer-Modus, und beschneiden nicht das ganze Spiel künstlich. Es gibt zwar außerhalb dieses Modus einige Wrestler, welche man erst freischalten muss, aber ansonsten steht außerhalb des MyCareer-Modus alles, was in den Kisten enthalten ist, ganz ohne diese zur vollen Verfügung. Auch der Skill Tree wurde überarbeitet und ist nun in drei übersichtliche Bereiche geteilt, in welchem man mit freigespielten Punkten Verstärkungen für seinen Charakter freischalten kann. Diese summieren sich zwar mit der Zeit auf, sind einzeln aber so minimal, dass man nicht wirklich das Gefühl hat, das der Charakter nun Stärker wäre als zuvor.

Wieder mit von der Partie ist auch der WWE Showcase-Mode, welcher sich dieses Jahr ganz der Karriere von Fanliebling Daniel Bryan widmet. Dieser ist aufgebaut wie eine Dokumentation, in welcher Daniel Bryan in Videoform interessante Geschichten zu seinen wichtigsten Matches erzählt, welche dann nachgespielt werden können. Ziel ist es hier, eine Reihe an „Spots“, also im Match vorkommenden Kampfsequenzen, die auch im realen Match vorkamen und wirklich detailgetreu in der Engine nachgebaut wurden, auszuführen. Ganz wie im echten Wrestling ist das Ziel hier nicht, zu gewinnen, sondern eine Geschichte zu erzählen. Leider gibt es gleich wie im MyCareer-Modus keine Checkpoints, und sollte man mal ein Match verlieren, muss es von komplett vorne begonnen werden, was vor allem frustrierend wird, wenn man bereits 30 Minuten in ein Match investiert hat, und dann Aufgrund der teils etwas schlecht reagierenden Steuerung einen Spot nicht schafft und verliert.

Diese ist auch weiterhin ein Problem. Nicht nur weil sie teilweise kleine Aussetzer hat, sondern auch, weil bis auf wenige kurze Einblendungen das Spiel keine Anstalten macht, zu erklären, wie man es überhaupt spielt. Dies mag bei vielen Kampfspielen kein Problem sein, wenn man aber einen spezifischen Move machen muss, sich mehrere Minuten durch Untermenüs wühlt um rauszufinden welche Knöpfe dafür notwendig sind, und dann auch noch mehrere Versuche braucht bis man es schafft diesen auszuführen, wünscht selbst der geduldigste Fan den Entwicklern einen Besuch von Brown Strowman an den Kopf. Viele kritisieren hier auch die Konter-Mechanik, und dass das Zeitfenster, in welchem man einen Move erfolgreich abzuwehren kann, viel zu kurz ist. Dies ist unserer Meinung nach aber vollkommen in Ordnung, da WWE-Matches kein ständiges Hin-und-Her sind, sondern immer ein Superstar eine Reihe seiner Moves austeilt, bevor sein Gegenüber in die Offensive geht. Wenn man hier jeden Angriff problemlos kontern könnte, würde die Dynamik der Matches nicht dem Vorbild entsprechen.

Allerdings wurden nicht nur bestehende Modi verbessert, es gibt natürlich auch einige Neuerungen. So wurden Hell in a Cell-Matches komplett überarbeitet, und es ist nun einfacher, Gegner durch die Käfigwände zu werfen, oder sogar ganz im Stil von Shane McMahon auf den Käfig zu klettern um den Kampf oben fortsetzen, natürlich inklusive der Möglichkeit, seinen Gegner vom Dach des Käfigs in den Kommentatorentisch zu werfen, oder auch im Geiste von Mick Foley durch das Gitter in den Ring. Auch neu ist eine Payback-Mechanik, welche sich im Kampf vor allem wenn man Schaden nimmt langsam auflädt, und verschiedenste vor dem Kampf definierte Spezialtechniker wie einen automatschen Konter, einen Adrenalinschub oder einen Schlag in die Kronjuwelen des Gegners auslösen kann. Und mit dem Turm-Modus bietet das Spiel täglich und wöchentlich wechselnde Herausforderungen mit verschiedensten Aufgaben und Modifikatoren, welche immer wieder einen Besuch wert sind.

Traditionell verwendet 2K jedes Jahr Wrestlemania im April als Schlussstrich für die im Spiel enthaltenen Features, weswegen beispielsweiße Aiden English im Spiel weiterhin einen Happy Rusev Day feiert, obwohl er im TV schon vor beinahe zwei Monaten Rusev angriff. Und seltsamerweise ist Daniel Bryan weiterhin der General Manager von Smackdown, obwohl er diesen Posten mit Wrestlemania aufgegeben hatte und durch Paige ersetzt wurde. Auch fehlen einige wichtige Wrestler wie Nikki Cross, Tommaso Ciampa (immerhin der aktuelle NXT-Champion) oder The Brian Kendrick, welche alle drei in der letzten Ausgabe enthalten waren. Bei ihnen wird gemunkelt, dass sie mit der Entlohnung für ihren Auftritt im Spiel nicht zufrieden waren. Da die Reihe aber schon immer einen der mächtigsten Editoren aller Videospiele mit sich bringt, gab es alle drei schon kurz nach Erscheinen des Spiels als von der Community erstellten Download. Hier gibt es alles was das Herz begehrt – von Wrestlern aller Promotions, Bühnen und Titeln von WWE über New Japan Pro Wrestling bis hin zum Pay Per View „All in“ von Cody Rhodes und den Young Bucks haben Fans bereits tausende Kreationen geteilt, welche kostenlos heruntergeladen werden können.

Fazit

Alles in allem ist WWE 2k19 zwar kein Meilenstein, aber ein großer Schritt in die richtige Richtung, und sicher das beste WWE-Spiel der letzten Jahre. Die Entwickler scheinen ihre Engine endlich im Griff zu haben, das Spiel läuft stabiler und sieht auch besser aus als je zuvor. Das soll aber nicht heißen das es nicht weiterhin eine Menge an Bugs gibt, für die die Reihe inzwischen berüchtigt ist. Diese werden aber nie so schlimm wie in den Vorjahren, wo man sich manchmal fragte wie das Spiel überhaupt den Zertifizierungsprozess der Konsolenhersteller bestanden hat, sondern sind eher zu vernachlässigen, und auch die Ladezeiten haben sich immens gebessert. Mit dem MyCareer-Modus wurde endlich eine Geschichte implementiert, die es Wert ist auch so genannt zu werden, und Kreative können sich im Editor austoben bis WWE 2K20 erscheint. Wenn die Entwickler dieses Grundkonstrukt nächstes Jahr weiter ausbauen, könnte die Reihe wieder zu ihren Glanzleistungen aus ihrer THQ-Vergangenheit zurückfinden.


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WWE 2K19 für Xbox One
WWE 2K19 für PlayStation 4

The Good

  • Kreative und packende MyCareer-Story…
  • …mit Sprachausgabe!
  • Interessanter, detaillierter Showcase
  • Mächtiger Editor mit Online-Tauschbörse
  • Findet nicht in Saudi-Arabien statt

The Bad

  • Weiterhin zu viele Bugs
  • Kein Tutorial
  • Ruckelnder Onlinemodus
7

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at