WWE 2K18

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WWE 2K18 Review

Keep Calm and Never Give Up.

Gastbeitrag von Emanuel Liesinger

Der Entwickler Yuke’s ist seit beinahe 20 Jahren für die Umsetzung von World Wrestling Entertainments Welt in Videospielform zuständig. Jedes Jahr scheint die Devise “mehr ist Besser” die Hauptmotivation hinter der Entwicklung zu sein. Auch dieses Jahr wurde der Roster erweitert und bietet inzwischen über 200 verschiedene Wrestler aus allen Dekaden WWEs Vergangenheit – doch der Rest des Spiels blieb, wie auch in den Jahren davor, auf der Strecke.

Neue Wrestler, ein überarbeiteter Karriere-Modus, die Erhöhung von sechs auf bis zu acht Wrestler gleichzeitig im Ring sowie Kleinigkeiten wie ein neues Feature, welches erlaubt, den Gegner aufzuheben und durch den Ring zu tragen sind 2Ks Argumente, wieso WWE 2K17 inzwischen zum alten Eisen gehört. Mit Seth Rollins am Cover hat man sich diesmal auch für einen Wrestler entschieden, der nicht nur drei Mal im Jahr in den Ring steigt, wie Brock Lesnar im Jahr davor. Mit Neuerungen wie dem Brand Split (welcher Monate vor dem erscheinen von 2K17 stattfand, aber letztes Jahr noch nicht den Weg ins Spiel fand) oder der von den Fans nicht gerade positiv aufgenommenen Cruiserweight-Division 205 Live gab es ja im letzten Jahr auch einige Änderungen, welche einen neuen Titel rechtfertigen würden.

Die WWE 2K-Spiele stellen seit Jahren einen Maßstab der theatralischen Inszenierung dar. Jeder Wrestler kommt mit seinem eigenen, dem Original beinahe perfekt nachempfundenen Entrance daher, und die detailgetreue Umsetzung solcher Szenen sind immer schon die große Stärke der Reihe gewesen. Jeder Superstar hat seine Eigenheiten und diese wurden im Spiel perfekt wiedergegeben. Und das so gut, dass man sich teilweise nicht sicher ist ob man nun eine Softwareumsetzung oder ein Video des Wrestlers ansieht – wenn da nicht die Grafik wäre. Durch die vom Entwickler als “neue Engine” bezeichneten leichten Grafikverbesserungen sieht das Spiel nun nicht mehr aus wie aus der vorletzten Konsolengeneration, sondern nur noch wie ein fünf Jahre altes Spiel. Und genau hier beginnen die Probleme des Titels, eigentlich der ganzen Reihe seit Jahren – technisch ist es einfach eine Katastrophe. WWE 2K sah noch nie besonders gut aus und in den letzten Jahren wurde der Schrei der Fans nach einer neuen Engine immer lauter. Yuke’s baut hier seit einer gefühlten Ewigkeit auf dem selben Spiel auf und erweitert es jährlich um neue Funktionen. Ein Konzept, woran selbst eine neue Konsolengeneration und ein Wechsel des Publishers von THQ zu 2K Sports nicht rütteln konnte. Und das sieht man dem Spiel von Weitem an – auch mit der “neuen” Engine, die nicht mehr zu sein scheint als eine Verbesserung von Shadern der Licht- und Schatteneffekte. Diese sehen zwar gut aus, doch an anderen Punkten wie Raucheffekten oder der Animation von Haaren ist das Spiel weiterhin unansehnlich und man hat weiterhin das Gefühl das EAs Fight Night Round 3 von 2006 besser aussah, als dieser Titel.

Doch Grafik ist bekanntlich bei weitem nicht alles, wären da nicht noch die zahlreichen anderen Probleme. Noch immer ist das Spiel von elendslangen und viel zu häufigen Ladebildschirmen geplagt, die für eine Sequenz von fünf Sekunden 20 Sekunden laden, nur um danach einen erneuten, teilweise noch längeren Ladebildschirm zu produzieren. Jeder Menüpunkt, jede unscheinbare Kleinigkeit wie eine Sequenz im selben Raum und Setting wie die Szene davor, muss erneut geladen werden. Man fühlt sich teilweise wie in einem Spiel, bei dem es um Ladebildschirme geht, welches dazwischen immer wieder kurz von Wrestling-, pardon, Sports-Entertainment-Sequenzen unterbrochen wird. Dazu kommen zahlreiche Bugs und Grafikfehler, welche in beinahe jedem Match auftreten und die Spiele der Vergangenheit haben gezeigt, dass auch Patches hier keine große Verbesserung bringen werden – immerhin quälen die selben Probleme die Reihe seit Jahren. Man nehme beispielsweise die neue Möglichkeit her, mit acht Wrestlern in den Ring zu steigen. Hier hat man das Gefühl, dass einfach in einer Konfigurationsdatei die Zahl von 6 auf 8 erhöht wurde, ohne darauf zu achten ob die Engine überhaupt dazu in der Lage ist, was dazu führt, dass 8-Personen-Matches nicht selten in einem Daumenkino stattfinden, anstatt in einem flüssigen Spiel.

Selbst mit der Hilfe von NBA-Spezialisten Visual Concepts, deren Produkte technisch weit fortgeschrittener sind, scheint Yuke’s hier auf der Stelle zu treten. Zugegeben, das Spiel komplett zu rebooten ließe sich wahrscheinlich bei der Menge an Inhalten nicht im jährlichen Erscheinungsrhythmus – in dem viele dieser Sportspiele (nicht zuletzt aufgrund der hohen Lizenzkosten) feststecken – bewerkstelligen und offenbar scheint das technische Unvermögen der Reihe die Käufer noch immer nicht abzuschrecken. Aber über Jahre hinweg wurde bei WWE 2K über die Unzulänglichkeiten hinweg geschaut und das breite Spektrum der verfügbaren Charaktere sowie der wirklich mächtige Editor gelobt, welcher es erlaubt so ziemlich jeden Charakter, jede Arena und vieles mehr zu erstellen, das man sich erträumen kann. Diese kann man dann auch online anderen Spielern zur Verfügung stellen und das Spiel so bis zur Unkenntlichkeit modifizieren. Doch irgendwann muss Schluss sein. Die letztjährig erstmals eingeführte und aufgrund ihrer seelenlosen Umsetzung stark kritisierte Promo-Engine wurde überhaupt nicht verbessert, der MyCareer-Modus wirkt weiterhin so als ob er von einem Laien geschrieben wurde, der sich mit den Charakteren der Stars überhaupt nicht befasst hat, und die erwähnten Ladezeiten und Bugs führen dazu, dass das Spiel bei unseren Tests zu einem Running Gag wurde, welches nach kurzer Zeit niemand mehr freiwillig spielen wollte. WWE 2K18 ist ein Stück Software, welches bereits veraltet war, als es erschienen ist und eine Beleidigung der Fans, die sich in den Träumen der Publisher das Spiel ja trotzdem kaufen, weil man ja zur Jahreszahl eins addiert hat. Und leider scheint der Plan auch aufzugehen.

Wir bedanken uns bei 2K für die Bereitstellung eines Testmusters.


Wer uns unterstützen möchte, kann über unseren Amazon-Partnerlink oder direkt über folgende Auswahl einkaufen. Der Preis bleibt unverändert; uns kommt jedoch ein kleiner Betrag zugute, über den wir uns natürlich freuen würden 🙂

The Good

  • mächtiger Editor
  • über 200 Wrestler
  • Detailgetreue Bewegungen
  • Der Ladebildschirm muss nicht extra geladen werden

The Bad

  • Ladezeiten
  • noch mehr Ladezeiten
  • noch immer Ladezeiten
  • grafisch hoffnungslos veraltet
  • zahlreiche Bugs
  • stumpfsinnige Promo-Engine
3

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at